Die Kamerunerinnen wollten das Spiel mehrmals nicht fortsetzen. Foto: John Walton/PA Wire/dpa

Kameruns Spielerinnen streiken, Englands Trainer spricht von einer Schande. Bei der Frauenfußball-WM kochen zu Beginn der K.o.-Runde die Emotionen vor allem wegen des Videobeweises hoch.

Valenciennes - Bastian Dankert sah fast immer entspannt aus, als er eingeblendet wurde - und der deutsche Video-Assistent war während des WM-Achtelfinals zwischen England und Kamerun (3:0) wahrlich oft im Bild. Schließlich verursachte der 39 Jahre alte Rostocker einen Streik, weinende Fußballerinnen und 17 Minuten Nachspielzeit. Der englische Trainer Phil Neville sprach hinterher von einer Schande - bezog sich damit aber explizit nicht auf Dankert.

„Ich schäme mich zutiefst für unseren Gegner“, kommentierte Neville die kurzzeitige Arbeitsverweigerung und die wüsten Proteste der Afrikanerinnen in Richtung der chinesischen Schiedsrichterin Liang Qin: „Beim Start meiner Trainerkarriere hat Arsene Wenger zu mir gesagt, dass die Mannschaft den Coach widerspiegelt. Wenn das meine Spielerinnen gewesen wären, würden sie nie mehr für England spielen.“

Neville findet deutliche Worte

Der 59-malige englische Nationalspieler hatte keinerlei Verständnis für das Verhalten der Kamerunerinnen, die seiner Meinung nach ihrer Vorbildrolle nicht gerecht wurden - strittige Videobeweis-Entscheidungen zu Beginn der K.o-Phase hin oder her. 

„Die Fortsetzung der Begegnung stand mehrfach auf der Kippe. Das Ganze hatte nichts mit Fußball zu tun. Das war eines WM-Achtelfinals nicht würdig. Ich konnte die Partie nicht genießen, meine Spielerinnen konnten die Partie nicht genießen“, sage Neville: „Das Spiel wurde weltweit übertragen. Alle jungen Fußballerinnen auf dem Planeten konnten dieses Verhalten sehen.“

Spiel kurz vor dem Abbruch

Die Kamerunerinnen hatten sich nach dem 0:2 für kurze Zeit geweigert, das Spiel fortzusetzen. Sie fühlten sich benachteiligt, weil beim Treffer von Ellen White (45.+4) zunächst auf Abseits entschieden worden war. Dankert griff allerdings zurecht ein, White stand klar nicht im Abseits.

Die Stimmung kippte erneut, als der Anschlusstreffer durch Ajara Nchout (48.) nach Videobeweis zurückgenommen wurde. Die vermeintliche Torschützin brach daraufhin in Tränen aus und schien dem Zusammenbruch nahe, auf dem Platz wie an der Seitenlinie arteten die Proteste aus. Die Entscheidung erinnerte an Fälle aus der vergangenen Bundesliga-Saison der Männer, da Nchout nur minimal im Abseits stand. Selbst die auf dem Monitor eingezeichneten Linien ließen höchstens wenige Zentimeter erahnen.

Videobeweis auch in anderen Spiel strittig

In allen Achtelfinals am Wochenende sorgte der Videobeweis für Aufregung. Die Deutschen hatten bei ihrem Sieg gegen Nigeria (3:0) beim Führungstor durch Alexandra Popp (20.) Glück - ob Svenja Huth im aktiven oder passiven Abseits stand, war diskutabel.

Bei der Partie zwischen Norwegen und Australien (4:1 im Elfmeterschießen) konferierte die deutsche Schiedsrichterin Riem Hussein aus Bad Harzburg minutenlang mit ihrem Video-Assistenten Felix Zwayer (Berlin) wegen eines Handspiels im Strafraum.

Fifa gesteht Fehler ein

Beim Spiel von Gastgeber Frankreich gegen Brasilien (2:1 nach Verlängerung) wurde der vermeintliche Führungstreffer durch Valerie Gauvin (23.) nach fünfminütiger Diskussion zurückgenommen, weil sie Torfrau Barbara beim Abschluss behindert hatte.

Immerhin hatte der Weltverband Fifa schon als Zwischenfazit nach der Vorrunde eingeräumt, dass nicht alles rund gelaufen sei. „Ich muss zugeben, dass ein paar Fehler gemacht worden sind“, hatte Schiedsrichter-Boss Pierluigi Collina gesagt: „Das ist zwar verständlich, aber es sollte nicht passieren. Ich bedauere das.“

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