Nicht nur Ditzingen mit seinem Bahnhofsumbau hat Probleme mit Kostensteigerungen bei Bauvorhaben. Der Grund ist die gute Baukonjunktur. Foto: factum/

Die Auftragsbücher der Baufirmen sind gefüllt. Das bringt manche Orte in große Schwierigkeiten – zum Beispiel Ditzingen mit seinem Bahnhof. Die Kostenexplosion ist dabei noch das kleinere Problem.

Kreis Ludwigsburg - Die Ditzinger haben keine Wahl. So jedenfalls argumentierte der Gemeinderat der Großen Kreisstadt und akzeptierte, dass er Bahnhofsumbau deutlich teurer wird als geplant. Die Modernisierung des zentralen Bereichs in der Kernstadt kostet demnach nicht 2,5 Millionen Euro sondern nach der Kostenfortschreibung insgesamt 3,7 Millionen Euro. Stand heute. Mehrheitlich beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung vor der Sommerpause allerdings auch, die Kosten für die Brücke über die Bahngleise einschließlich des Radhauses – dem Parkhaus für die Fahrräder – zu optimieren.

Die Baukonjunktur ist gut, die Unternehmen sind ausgelastet, die Auftragsbücher gefüllt. Das bekommen derzeit viele Kommunen zu spüren. Sie erhalten vielfach Angebote, die weit über den eingeplanten Preisen liegen.

Mancherorts bleibt es nicht dabei, die Kostensteigerungen einzuplanen. Eine Kommune hat die Möglichkeit, die Suche nach Handwerkern und Bauunternehmen abzubrechen. Sie kann die Ausschreibung der Gewerke allerdings nur stoppen, wenn die Preise deutlich über dem Erwarteten liegen. Einen festen Prozentsatz gibt es nicht, in der Regel wird von einer Überschreitung mindestens um 15 bis 18 Prozent ausgegangen.

Ludwigsburg stoppte mehrere Ausschreibungen

In Ludwigsburg wurde nach Angaben der Stadt mehrfach zu diesem Mittel gegriffen. „In den vergangenen zwei Jahren sind bei der Stadt Ludwigsburg 13 Ausschreibungen gestoppt worden“, teilt eine Rathaussprecherin mit.

Davon betroffen waren Arbeiten an der Friedrich-von-Keller-Schule, der August-Lämmle-Schule sowie am Kinder- und Familienzentrum Neckarweihingen. Die höchste Überschreitung lag bei 55 Prozent. Dies betraf die Schlosserarbeiten an der August-Lämmle-Schule. Die Arbeiten werden erneut ausgeschrieben – in der Hoffnung günstigere Angebote zu erhalten. Das Gewerk sei aber weder zeitkritisch noch von so mächtigem Umfang, dass das Projekt deshalb komplett in Schieflage gerate – „wenngleich ein Zeitverzug und Kostensteigerungen nicht auszuschließen sind“, sagt die Sprecherin.

In Bietigheim-Bissingen wurde ein Projekt nach der Submission gleich ganz geschoben. „Die Sanierung der Tennenbeläge der Sport- und Bolzplätze wurde zunächst zurückgestellt“, teilt die Rathaussprecherin Claudia Schneider mit. Die Arbeiten werden „nächstes Jahr wieder ausgeschrieben in der Hoffnung, dass man günstigere Preise erzielen kann“. Die Stadt hatte zunächst 50 000 Euro veranschlagt. Nach der Submission – als also die Angebote vorlagen – hätte die Kommune mehr als das Doppelte ausgeben müssen, nämlich 125 000 Euro.

Schultoiletten müssen modernisiert werden

In Korntal-Münchingen wurde in den vergangenen Monaten keine Auftragsvergabe gestoppt. Doch ist man offensichtlich ebenfalls angesichts der guten Baukonjunktur bei der Sanierung der Brücke Weilimdorfer Straße auf ein anderes Problem gestoßen. Sie wird im Herbst neu ausgeschrieben, „weil wir auf die erste Ausschreibung keine Angebote erhalten haben“, heißt es aus dem Rathaus.

In Gerlingen stehen derzeit auch die Schulen im Fokus. Dort spielt der Faktor Zeit eine große Rolle, weil das Thema große Aufmerksamkeit habe. Die „Sanierung der Toiletten in der Pestalozzi-Schule sei ein „riesen Thema", sagt die Erste Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel. Glücklicherweise sei nun ein Angebot eingegangen, das zudem „noch marktüblich“ sei. Keine Angebote erhielt die Stadt hingegen für die Sanierung eines städtischen Mietgebäudes. Die Arbeiten sollen im Herbst neu ausgeschrieben werden.

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