Ein bisschen stolz, dass es gerade gut bei ihm läuft, ist Ferik schon. Vor kurzem hat er erfahren, dass er mindestens drei Jahre lang in Deutschland bleiben darf. Foto: Roche

Wie fasst man als Flüchtling Fuß in einem neuen Land? Wir haben den syrischen Flüchtling und Ingenieur Ibrahim Ferik getroffen, der in Stuttgart lebt und gerade ein Praktikum macht.

Stuttgart - Ibrahim Ferik strahlt. In den letzten Wochen hat sich im Leben des syrischen Flüchtlings viel Positives getan. Der junge Ingenieur aus Aleppo macht gerade ein Praktikum bei der Firma Roche in Waiblingen. „Das ist ein wichtiger Schritt für mich und ich bin sehr froh, dass es geklappt hat“, sagt der 30-Jährige glücklich.

Ibrahim Ferik wurde im Dezember 2015 in die damalige Notunterkunft für Flüchtlinge am Reitstadion in Stuttgart gebracht. Wir haben den jungen Mann damals im Rahmen unserer 24-Stunden-Reportage aus der Flüchtlingsunterkunft kennengelernt. Nach turbulenten Wochen in seiner ersten Zeit in Deutschland wurde er in die Flüchtlingsunterkunft in Stuttgart-Plieningen gebracht. Die Zeit der Ungewissheit und des Wartens auf Behörden-Termine und die ersehnte Anerkennung als Flüchtling fing an. Ferik lernt Deutsch und weiß was er will. „Ein Praktikum und hoffentlich auch einen festen Job“, erzählt er uns im April.

Vier Monate später treffen wir ihn wieder. Er steckt mittendrin in seinem Praktikum im Bereich Mechanische Entwicklung und entwirft eine Testvorrichtung für ein neu entwickeltes Produkt. Ein bisschen stolz ist der junge Mann mit dem schwarzen Humor und dem ausgezeichneten Englisch schon. Ein Sozialarbeiter habe ihn auf die Möglichkeit bei der Firma Roche ein Praktikum zu machen, hingewiesen. „Dann habe ich meine Unterlagen zusammengestellt und meine Bewerbung abgeschickt“, erzählt er. „Dass die Ingenieurkammer meine Zeugnisse kurz vorher anerkannt hat, hat zeitlich genau gepasst“.

Läuft bei Ferik, könnte man sagen. Mit den anerkannten Zeugnissen in seiner Bewerbung wird er zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekommt die Zusage. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es so einfach sein kann“, sagt er und lächelt dabei. Kein Wunder, wenn man sich vor Augen führt, was er im Krieg in Syrien, auf seiner Flucht nach Deutschland und im Wirrwarr mit den deutschen Behörden alles erlebt hat.

Ibrahim sieht seine Zukunft in Stuttgart

Er telefoniere täglich mit seiner Familie, die immer noch in Aleppo lebt. Seine Eltern, Großmutter und Schwester. „Es ist hart, aber ich kann nichts für sie tun“, sagt er leise und das Leuchten verschwindet aus seinen Augen. „Natürlich vermisse ich sie und meine Freunde dort sehr. Aber es war für mich unmöglich, dort weiterzuleben.“ Bomben und Granateneinschläge überall, die aggressive Stimmung im Land, die unvorstellbar schlechte Versorgungslage, das sei schon sehr lange so, nicht erst seitdem die Medien wieder verstärkt darüber berichteten, meint er. „Ich muss mich auf mein Leben hier konzentrieren“, sagt er wieder mit fester Stimme.

Ein Schreiben, das ihn vor Kurzem erreicht hat, macht ihm das leichter. Seit ein paar Wochen ist Ferik als anerkannter Flüchtling in Deutschland. „Jetzt bin ich endlich offiziell Ingenieur in Deutschland. Jetzt kann ich auf jeden Fall drei Jahre hier bleiben. Jetzt kann ich ein normales Leben führen, arbeiten und vielleicht in eine eigene Wohnung ziehen.“ Das Leuchten in seinen Augen ist wieder zurück.

Nach dem Praktikum will er alles daran setzen, einen festen Job als Ingenieur zu finden und das am liebsten in Stuttgart oder der Region. „Stuttgart ist meine neue Heimat, mir gefällt es hier. Jetzt muss ich nur noch eine Wohnung finden.“

In ein paar Monaten werden wir Ibrahim Ferik wieder treffen. Dann wird er uns sicherlich auch erzählen können, was schwieriger ist: Einen Job als Ingenieur in Stuttgart zu finden – oder eine Wohnung.

Wie Flüchtlinge bei Roche ein Praktikum machen können

Der Konzern Roche in Deutschland bietet unter anderem an seinem Standort in Waiblingen gezielt auch Flüchtlingen Praktikumsplätze an. Wir haben mit Janina Schmidt und Sylvia Elsenbruch von Roche über die Bedingungen der Praktika für Flüchtlinge gesprochen.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, dass ein Flüchtling bei Ihnen ein Praktikum machen darf?
Um bei uns ein Praktikum absolvieren zu dürfen, benötigen die Flüchtlinge grundsätzlich eine gültige Arbeitserlaubnis. Diese wird – sofern nicht bereits vorhanden – über die Ausländerbehörde angefragt und bedarf der Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Grundsätzlich können anerkannte Asylbewerber, die einen positiven Bescheid vom zuständigen Bundesamt erhalten haben, als auch geduldete Personen und Personen mit einer Aufenthaltsgestattung bei uns ein Praktikum absolvieren. Bei letzteren muss die Ausländerbehörde, unter Einbeziehung der zuständigen Bundesagentur für Arbeit, über die Erteilung einer Arbeitserlaubnis entscheiden (Einzelfallentscheidung).
Wie kommt der Kontakt zu potenziellen Praktikanten, die als Flüchtlinge in Deutschland sind und Ihnen zustande?
Ehrenamtliche Helfer und Betreuer in Flüchtlingsunterkünften sowie die Bundesagentur für Arbeit setzen die Flüchtlinge über diese Möglichkeit in Kenntnis. Wir arbeiten mit den Freundeskreisen sowie engagierten ehrenamtlichen Helfern zusammen. Diese unterstützen uns bei der Suche und stellen den Kontakt zu Flüchtlingen her.
Wie wird das Praktikum vergütet?
Wir vergüten Praktika grundsätzlich mit 750 EUR – dies gilt selbstverständlich auch für die Praktika, die Flüchtlinge bei uns absolvieren.
Wie sehen Sie die Chancen für Flüchtlinge nach ihrem Praktikum bei ihnen eine Festanstellung zu bekommen?
Grundsätzlich besteht für die Flüchtlinge die Möglichkeit – im Anschluss an ihr Praktikum – einer Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis. Einen entsprechenden Bedarf natürlich vorausgesetzt. Darüber hinaus muss die Person den fachlichen Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle gerecht werden.
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