Silvia Weiß ist Busfahrerin, seit August arbeitet sie bei FMO. Foto: Caroline Holowiecki

Wenn es Kritik an den Bussen hagelt, kriegen es die Fahrer vor allem ab. Silvia Weiß erzählt aus ihrem Alltag in Filderstadt. Sie berichtet aber auch, warum es sich für sie lohnt um 2 Uhr aufzustehen.

Filderstadt - Silvia Weiß erzählt so blumig, dass man meint, selbst sehen zu können, wovon sie berichtet. Heute Morgen erst, zwischen der frühen Flughafentour und der Runde für die Schulkinder, hatte sie ein paar Minuten Luft. Standzeit. Die Busfahrerin parkte ihr Mobil ganz oben in Musberg an der Klingenstraße, und von dort hatte sie den Blick frei übers Tal. „In dem Moment ist die Sonne aufgegangen. Herrlich!“ Für sie sind das die schönsten Momente in ihrem Beruf. „Da kann man mal abschalten und hat ein Lächeln auf den Lippen“, sagt sie. Und dabei lächelt sie tatsächlich.

Der Busführerschein war ein Herzenswunsch

Silvia Weiß ist Busfahrerin aus Leidenschaft. In ihrem „Lieblingsjob“ sei jeder Tag anders. Frühes Weckerklingeln? Kein Problem. „Ich stehe gern um 2 Uhr auf und fahre den ersten Flughafenbus“, sagt sie. Und dabei ist die 29-Jährige noch recht neu bei der Bahn-Tochter Friedrich-Müller-Omnibus (FMO). Seit Mitte August ist sie dort angestellt – als einzige Frau im Team, wie sie sagt –, Mitte Juli hatte sie den Busführerschein gemacht und sich damit einen „Herzenswunsch“ erfüllt.

Möglich, dass dieser Tage nicht alle Kollegen so überschwänglich berichten. Auf der Filderebene hakt es seit geraumer Zeit. Mehrere Buslinien sind in FMO-Hand. Das Unternehmen wiederum hat die Firma Melchinger für einige Linien als Subunternehmer beauftragt. Und seither gab es immer wieder Ärger. Die Kritik der Fahrgäste reicht von Verspätungen und Ausfällen über fehlende Ortskenntnis der Fahrer bis hin zu maroden Mobilen. Um wieder Ruhe auf die Straßen zu bekommen, wurde bei einem Runden Tisch vor Kurzem unter anderem festgelegt, dass FMO wieder einspringt, wenn es bei Melchinger zu Engpässen kommt.

Immer deftigere Beleidigungen

Silvia Weiß hat mit keinem der Probleme direkt etwas zu tun, sie verkehrt nicht auf den betroffenen Linien. Dennoch spürt sie den Frust der Passagiere, „gewaltig teilweise“. Sie findet deutliche Worte: „Wir Fahrer werden teilweise wie Abschaum behandelt.“ Bei Facebook setze es immer wieder deftige Beleidigungen gegen den Berufsstand. Ein Mann habe ihr gegenüber einmal eine Kopf-ab-Geste gezeigt.

Konflikte gebe es wegen des Bus-Chaos, aber auch wegen Alltäglichem. Die Frau vom Fasanenhof nennt ein Beispiel: Sie lenkt immer wieder den 815er zwischen Waldenbuch und Ruit. „Das ist eine der Knackpunktlinien. Hier gibt es oft Verspätungen wegen Stau“, sagt sie. Immer wieder verpassten Passagiere deswegen auch einen Bahnanschluss – und seien gereizt. Andreas Schackert, der Verdi-Landesfachbereichsleiter Verkehr, kennt solche Fälle: „Da ist der Busfahrer der Blitzableiter.“ Silvia Weiß probiert es in derartigen Situationen mit Ruhe und Humor. Sie zuckt mit den Schultern. „Ich kann es doch auch nicht ändern.“

Hohe Verantwortung, schwache Bezahlung

Andreas Henke, ein Verdi-Sprecher, stellt klar, dass Silvia Weiß nicht allein ist. „Die Übergriffe werden größer, das ist im gesamten öffentlichen Dienst so.“ Busfahrer litten neben Beschimpfungen unter vielen Problemen. Personalmangel, fehlende Toiletten während der Arbeitszeit, lange Pausen oder die hohe Verantwortung bei schwacher Bezahlung machten den Job unattraktiv. Andreas Schackert spricht von einem Tarif-Stundenlohn von knapp über 15 Euro für Einsteiger.

Silvia Weiß will Stress nicht an sich heranlassen. Auf hitzige Diskussionen lässt sie sich nicht ein, „ich muss mich aufs Fahren konzentrieren“. Für den Frust mancher Menschen hat sie allerdings durchaus Verständnis, wie sie sagt, „die Leute wollen heim“. Ihr Credo: Alle sind nur Menschen. „Mir sind auch Fehler passiert. Ich habe mich einmal mit einem Schulbus verfahren, aber ich habe daraus gelernt.“ Den Spaß am Busfahren hat ihr das aber längst nicht verdorben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: