Die Hamburger danken auf dem Fischmarkt Stuttgarter Polizisten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

300 000 Besucher haben den Hamburger Fischmarkt in Stuttgart zum Erfolg gemacht. Es gab 160 Tonnen Fisch und 320 Kilo Nordseekrabben. Wie es mit dem Weindorf in Hamburg weitergeht, ist noch unklar.

Stuttgart - Schotten dicht auf dem Karlsplatz, der Hamburger Fischmarkt lichtet die Anker. Mit vollen Netzen, um in der Seemannssprache zu bleiben, und noch mehr Wehmut. Denn das 30. Gastspiel der ambulanten Händler und Gastronomen von der Waterkant wird wieder als großer Erfolg bejubelt. Mit 300 000 Besuchern, die 160 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte verputzt und allein von insgesamt 320 Kilo Nordseekrabben keine einzige mehr übrig gelassen haben. Dass die tropischen Temperaturen der ersten Tage bald auf ein angenehmes Maß sanken, habe Frequenz und Appetit deutlich erhöht. Er habe neben seinem gastronomischen Angebot auch 350 bis 400 Kilo Frischfisch verkauft, sagt Klaus Moritz: „Das ist für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich. Sogar die Hamburger sind zurückhaltender.“

„Mindestens 80 Prozent unserer Besucher sind Stammgäste“, schätzt Sprecherin und Organisatorin Anne-Kathrin Rehberg und erzählt von dem Paar, das jedes Jahr von der Alb komme, um an ihrem Stand (Hildes Labskaus) Krabbenbrot mit Rührei zu essen. Von dem Herrn, der beteuert, von 1988 bis heute nur zweimal den Fischmarkt versäumt zu haben. Und von dem Stammgast, der sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen dieses Vergnügen nicht nehmen lassen will und dann auch speziell betreut wird. „Das beweist die enge Freundschaft, die zwischen uns und den Schwaben in all den Jahren gewachsen ist“, erzählt Anne-Kathrin Rehberg und kommt ins Schwärmen: von dem Platz mit den Schatten spendenden und auch mal Regen abhaltenden Kastanien. Und vom hiesigen Publikum. Stuttgart, sagt sie, sei unter den Gastspielorten des Fischmarkts – auch München, Aschaffenburg und Offenburg – der absolute Favorit. Für den Veranstalter, die WAGS Hamburg Events GmbH, und für die Beschicker.

Die Hamburger danken den baden-württembergischen Polizisten

Diese Freundschaft, betont Frau Rehberg, nehmen die Hamburger nicht als selbstverständlich hin. Darum prangte über der Jever-Kogge ein vier mal zwei Meter großes Banner, eilends bei der Firma Bommer bestellt, mit der Aufschrift: „Wir danken der Polizei Ba-Wü – das Team vom Hamburger Fischmarkt“. Denn so glücklich die Hamburger waren, dass sie während des G-20-Ausnahmezustands in ihrer Stadt hier Asyl fanden, so sehr dachten sie aufgrund der Ausschreitungen sorgenvoll an zu Hause. Da sei es wie Balsam gewesen, meint Anne-Kathrin Rehberg, dass sich auch viele Gäste immer wieder mitfühlend äußerten. Und dass auch die Polizisten aus Baden-Württemberg ihren Kopf hingehalten hätten, verdiene ein besonderes Dankeschön.

Schwer liegt den Hamburgern auf der Seele, dass die Gegenbesuche des Stuttgarter Weindorfs wegen der Gebührenforderung des Senats von 125 000 Euro für den Rathausmarkt erst einmal Vergangenheit sind. „Wir geben die Hoffnung auf eine Renaissance nicht auf“, sagt Klaus Moritz. Schon im Herbst sei ein Gespräch mit den Weindorf-Beschickern in Hamburg geplant.

Auch nachdem der Fischmarkt bis auf die letzte Schuppe und Gräte verschwunden ist, reißen die Kontakte nicht ab. Im Oktober werden die Hamburger eine Rotkastanie bei der Markthalle pflanzen, kündigt Anne-Kathrin Rehberg an. Pflege inklusive. Und in Hamburg helfen sie dem Uhlbacher Wengerter Fritz Currle, wenn er sich um den dortigen Weinberg Am Stintfang kümmert. Dann ist schon wieder der nächste Hamburger Fischmarkt vom 12. bis 22. Juli 2018 in Sicht.

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