Gemüse statt Fleisch: Der Konsum von tierischen Produkten hat massive Auswirkungen auf das Klima und Ressourcen wie Land und Wasser. Foto: foodism

So schwer wird der Verzicht schon nicht sein, oder? In Woche drei des Klimafastens meidet unsere Redakteurin Fleisch. Zumindest versucht sie es.

Waiblingen - Eine Woche Zeit um achtsam zu kochen und zu essen – so lautete das Motto in der dritten Woche Klimafasten. Ich esse gerne, wobei nicht unbedingt Fleisch auf den Teller muss. Deshalb habe ich mich entschieden, die Anregung „verzichte ich auf Fleisch“ umzusetzen. So schwer wird mir das schon nicht fallen, oder? Doch beim Mittagessen mit den Kollegen ertappe ich mich dabei, wie ich sehnsüchtig auf das Schnitzel meines Chefs starre, während ich mich mit Salat begnügen muss. Und die Spaghetti Bolognese auf dem Teller meiner Kollegin scheinen plötzlich eine immense Anziehungskraft zu entwickeln. Das wird wohl doch härter als gedacht.

Einige fleischlose Tage später habe ich jedoch festgestellt, dass man fast überall leckere vegetarische Gerichte bekommt – und dass man sich nach dem Genuss einer Gemüsepizza zumindest einreden kann, dass die ja nun gar nicht so ungesund gewesen ist mit dem ganzen Gemüse drauf. Statt Wurst schmeckt auch vegetarischer Brotaufstrich gut. Nur am Wochenende werde ich doch noch schwach: Ich bin zum Essen bei meinen Eltern eingeladen, und das Fleisch sieht einfach zu gut aus. Zukünftig komplett darauf verzichten werde ich also wohl eher nicht. Seltener Fleisch essen dagegen schon. Denn tatsächlich wirkt sich Fleischkonsum massiv auf das Klima aus, wie verschiedene Studien zeigen.

Modellrechnung im Internet

Das liegt einerseits daran, dass durch die Viehhaltung selbst Emissionen wie etwa Methan entstehen. Andererseits führe der Bedarf großer Mengen Soja als Futtermittel zur Rodung von Urwäldern und der Zerstörung von Ökosystemen sowie natürlichen Ressourcen, erklären die Experten der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft für den Klimaschutz, co2online. Im Internet kann man berechnen lassen, wie viel Wasser und CO2 man einsparen kann, wenn man seinen Fleischkonsum um so und so viel Prozent verringert.

Mit den voreingestellten Durchschnittswerten von 225 Gramm Geflügel-, 600 Gramm Schweine- und 160 Gramm Rindfleisch pro Woche ergibt sich demnach, wenn man auf 50 Prozent dieser Menge verzichtet, über zehn Jahre gerechnet eine Einsparung von 2 575 240 Litern Wasser und 1575,80 Kilogramm CO2. Für ein klimabewusstes Leben kommt dem Verzicht auf Fleisch eine recht große Bedeutung zu – und auf den anderer tierischer Produkte: „Der Anbau und die Herstellung von Gemüse und Teigwaren sind relativ emissionsarm, während Milchprodukte mit hohem Fettgehalt und Fleisch höhere Treibhausgas-Emissionen pro Kilogramm aufweisen“, heißt es in einer Broschüre des Umweltbundesamts.

Was bringt bio?

Sind die anderen Anregungen aus der Fastenbroschüre wie regional und saisonal einzukaufen folglich weniger bedeutsam? Sich mit lokal erzeugten Lebensmitteln oder solchen aus ökologischer Landwirtschaft zu ernähren, wirke sich weniger stark aus als der Verzicht auf Fleisch, heißt es im Internet auf der Seite klimafakten.de. Zu diesem Ergebnis komme etwa eine Studie der Universität Lancaster. Das Umweltbundesamt bestätigt dies und verweist auf einen eigenen CO2-Rechner. Gegenüber den Standardeinstellungen habe die jeweilige Umstellung folgende Wirkungen: Durch vegetarische Kost ließe sich der geschätzte CO2-Ausstoß um 0,45 Tonnen reduzieren, konsumiere man hingegen hauptsächlich Bio-Lebensmittel, betrage die Einsparung 0,1 Tonnen. Auch eine ausschließlich regional-saisonale Ernährung senke den persönlichen CO2-Ausstoß in geringerem Maße – nämlich um 0,17 Tonnen.

Trotzdem nehme ich mir eine weitere Anregung vor und prüfe, ob das Abo einer Gemüsekiste in Frage kommt. Tatsächlich gibt es in unserer Nähe einen Hof, der so etwas anbietet, wir liegen im Liefergebiet. Allerdings ist man in Auswahl und Menge ein Stück weit festgelegt, auch wenn es verschiedene Arten von Kisten gibt. Wir entscheiden aber oft spontan, was wir wann kochen, oder sind unterwegs. Auf der Suche nach einer flexibleren Lösung gehe ich daher in den kleinen Naturkostladen, der nur wenige hundert Meter entfernt ist und an dem ich bisher immer vorbeigelaufen bin. Dabei gibt es ihn schon lange – seit 1983. Im Sortiment finden sich vor allem regional erzeugte Waren und viele Produkte von Bioverbänden wie Demeter und Bioland. Die Auswahl ist nicht ganz so groß wie in anderen Geschäften, auch weil auf Obst aus Übersee weitgehend verzichtet wird. Ausreichend ist sie aber allemal.

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