Wie Europa auf dem Stier: Für die Aufnahme hat Claus Friedrich Rudolph ein Rhinozeros aus dem Museum auf den Bodensee transportiert. Foto: Claus Friedrich Rudolph

Die Stuttgarter Leica-Galerie stellt die großformatigen Aufnahmen von Claus Friedrich Rudolph aus. Der Stuttgarter Fotograf inszeniert seine Fotografien wie ein Theaterregisseur.

Stuttgart - Geht hier alles mit rechten Dingen zu? Ein Rhinozeros auf einem Boot mitten im Wasser? Mehr noch: Eine junge Frau reitet kunstvoll auf dem Rücken des Tieres wie Europa einst auf dem Stier. Für seine Fotografie „Wo geht die Liebe hin, wenn Du weg bist“ fuhr Claus Friedrich Rudolph an einem frühen Morgen auf den nebligen Bodensee hinaus – mit einem besonderen Begleiter: einem ausgestopften Rhinozeros, das er aus dem Museum ausgeliehen hatte. Nur deshalb ließ sich das Tier die abenteuerliche Foto-Session im schaukelnden Boot gefallen.

Bevor Claus Friedrich Rudolph zur Kamera greift, arrangiert er aufwendige Szenerien, steckt seine Modelle in üppige Garderobe und dirigiert wie ein Regisseur das Geschehen. „Es könnte so gewesen sein“ nennt sich eine Fotografie, die auf dem Cannstatter Wasen entstanden ist und bei der 24 Frauen in wallenden Kleidern, ein Heißluftballon und ein Oldtimer zum Einsatz kamen.

Der Titel macht deutlich, dass es sich bei den Fotografien von Claus Friedrich Rudolph nicht um dokumentarische Momentaufnahmen, sondern um Inszenierungen handelt. Er will nicht etwa die Wirklichkeit einfangen, sondern setzt die Bilder, die Fantasie und Realität mischen, kunstvoll in Szene.

Die Leica-Galerie in Stuttgart zeigt bis 17. Oktober einen Querschnitt durch das Schaffen des Stuttgarter Fotografen. Seine Arbeiten haben meist stattliche Formate, schließlich gibt es auf den Arrangements viele Details zu entdecken, selbst wenn diese mitunter in die Irre führen. Denn oft wirken die Szenen wie aus der Zeit gefallen. Ein Hauch Nostalgie scheint sie zu umwehen, gleichzeitig stolpert man immer wieder über heutige Requisiten und Garderobe.

Die Zeit als Theaterfotograf war prägend

Claus Friedrich Rudolph wurde 1954 in Stuttgart geboren. Zunächst hat er eine Ausbildung zum Plakat­maler absolviert und danach als Siebdrucker gearbeitet, bevor er sich der Fotografie widmete. Es war vermutlich die Plakatmalerei, die seine Leidenschaft für die großen Formate geweckt hat. Aber stärker noch könnten ihn die zwei Jahre geprägt haben, in denen Rudolph am Schauspiel Stuttgart als Theaterfotograf tätig war – während der Intendanz von Ivan Nagel. Denn seine Tableaus sind klar komponiert wie Gemälde oder Choreografien, dabei sind sie zugleich erzählerisch wie Bühneninszenierungen.

Ob er sich bei seinen Tableaus auf die niederländische Malerei früherer Jahrhunderte bezieht oder aber mit Zirkusmotiven spielt, sofort beginnen die Betrachter die Figuren und Motive in Bezug zueinander zu setzen, Geschichten zu diesen kuriosen Gesellschaften zu ersinnen – oder sich auch die bange Frage zu stellen, ob der Tiger auf dem Gruppenbild „Ihr seid alle gleich“ womöglich lebendig war.

Info

Der Stuttgarter Fotograf Claus Friedrich Rudolph, geboren 1954, arrangiert aufwendige Szenen für seine erzählerischen Tableaus.

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