Dieses von der Stadtpolizei Zürich zur Verfügung gestellte Foto zeigt die von Unbekannten in Grün eingefärbte Limmat. Die Behörde hat umgehend Ermittlungen eingeleitet. Foto: Stadtpolizei Zürich/dpa

In Zürich färbt sich plötzlich der Fluss Limmat giftgrün. Am Londoner Flughafen Heathrow kündigen Umweltaktivisten an, den Airport tagelang lahmzulegen. Hinter den Aktionen steht offenbar eine neue Umweltinitiative: Extinction Rebellion. Auch in Stuttgart ist sie bereits aktiv.

Zürich/London - Nach der plötzlich giftgrünen Färbung des Flusses Limmat in Zürich ermittelt die Polizei gegen unbekannt. Es soll sich um eine Aktion von Klimaaktivisten handeln, aber die Polizei hatte bis Mittwoch keine verdächtigen Personen identifiziert, wie ein Polizeisprecher sagte. Unter anderem werde geprüft, ob die Verursacher für den Polizeieinsatz zur Kasse gebeten werden können.

Steckt Extinction Rebellion hinter der Aktion?

Klimaaktivisten hatten sich am Dienstagnachmittag im Stadtzentrum in dem plötzlich giftgrünen Fluss treiben lassen. Am Ufer sprachen sie mit Passanten über Klimaprobleme. Nach etwa einer halben Stunde war der Farbeffekt verschwunden. Die Gruppe Extinction Rebellion Zürich veröffentlichte auf Facebook einen Film der Aktion: „Rebellieren oder Untergehen.“

Natriumsalz färbt Fluss giftgrün

In einem zweiten Beitrag schrieb die Gruppe: „Limmat ist grün, das ist keine Übung! Unser Wasser ist in Gefahr!“ Ein klares Bekenntnis zu der Aktion enthielten beide Beiträge jedoch nicht. Mit der Aktion wolle die Gruppierung auf „den drohenden Kollaps des Ökosystems aufmerksam machen“.

Das Wasser sei mit Uranin verfärbt worden, einem wasserlöslichen Natriumsalz, teilte die Polizei mit. Es sei nach Untersuchungen des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) für Menschen und Umwelt ungefährlich.

Dennoch ermittelten die Beamten wegen möglicher Verstöße gegen das Gewässerschutzgesetz. Ob es zu einer Anklage komme, entscheide die Staatsanwaltschaft, teilte die Polizei mit.

Graswurzel-Bewegung mit weltweiten Ablegern

Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Aussterben) macht seit Ende 2018 weltweit immer wieder mit spektakulären Protestaktionen auf sich aufmerksam. Die Graswurzel-Bewegung mit Ablegern in verschiedenen Ländern will damit Regierungen zum Umdenken in der Klimapolitik bringen.

Auf Deutsch übersetzt bedeutet der Name so viel wie „Rebellion gegen das Aussterben“. In Großbritannien bekennen sich mittlerweile Zehntausende zu der Gruppe. Seit einigen Monaten machen die Aktivisten mit zivilem Ungehorsam auf sich aufmerksam. Sie besetzen Brücken, klettern auf Züge oder blockieren Straßenkreuzungen. Im April wurden bei einer Reihe von Protestaktionen in London innerhalb weniger Tage mehr als 1000 Klimaschützer festgenommen.

Ortsgruppe von Extinction Rebellion auch in Stuttgart

Die Initiative wächst – auch in Deutschland. Ulm, Tübingen oder Freiburg sind nur drei von mehr als 60 aktiven Ortsgruppen, welche der deutsche Ableger auflistet.

Im Juni ketteten sich Aktivisten mit ihren Hälsen an den Zaun des Kanzleramts in Berlin und forderten die Regierung auf, den Klimanotstand auszurufen. In Konstanz gab es jüngst Ärger um eine geplante Kundgebung der Gruppe auf einem Parkplatz.

In Stuttgart gab es bislang nur kleinere Aktionen. In Bad Cannstatt hatten Instinction-Rebellion-Anhänger nach eigenen Angaben kürzlich mit so vielen Radfahrern einen Kreisverkehr geflutet, dass dieser für Autos praktisch nicht mehr befahrbar war.

Am Charlottenplatz hatte die Gruppe laut Yvonne Sauter, die in der Landeshauptstadt eine Ortsgruppe von Extinction Rebellion gegründet hat, eine Straße blockiert. Autofahrer verpassten eine grüne Ampelphase.

Lesen Sie hier: Extinction Rebellion – Neue Klimagruppe will in Stuttgart Straßen blockieren

„Spiegel“: Extinction Rebellion Gründer in London verhaftet

Nach einem Bericht des „Spiegel“ ist der Mitbegründer der Klimabewegung Extinction Rebellion am Donnerstagnachmittag vor einem Café in London verhaftet worden. Mehrere Polizeibeamte in Zivil seien aus ihren Autos gesprungen und hätten und Hallam sowie einem Mitarbeiter Handschellen angelegt, um ihn dann abzuführen.

Hallam und weitere Aktivisten hatten angekündigt, dass eine Gruppe namens Heathrow Pause ab Freitagmorgen (13. September) um drei Uhr Ortszeit den Londoner Großflughafen Heathrow für mehrere Tage lahmlegen wolle. Die Londoner Polizei hatte zuvor erklärt, dass sich die Passagiere keine Sorgen wegen den angekündigter Proteste von Klima-Demonstranten machen müssten.

Umweltaktivisten wollen Heathrow lahmlegen

Die Gruppe Heathrow Pause hatte angekündigt, Drohnen in die Nähe des größten europäischen Airports fliegen zu lassen und so den Betrieb zu stören. Laurence Taylor von Scotland Yard kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Aktivisten an:

„Wir werden jeden festnehmen, der Straftaten begeht.“ Wer das Leben von Passagieren gefährde, müsse mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen.

Lesen Sie hier: Flugverkehr – Was man gegen Drohnen an Flughäfen tun kann

Auch die Klima-Aktivistengruppe Extinction Rebellion wollte vor einigen Monaten den Betrieb des Flughafens Heathrow stören. Die Aktion blieb aber ohne Folgen für die Passagiere.

Extinction Rebellion distanzierte sich von der Aktion, die Heathrow Pause plant. Die Polizei betonte, dass sie sich nun schon seit einigen Wochen auf die möglichen Störungen am kommenden Freitag vorbereite.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: