Stetten. Loiva Manzke Glänzel und Loni Edith Sassen de Araujo aus Porto Alegre in Brasilien begleiten zwölf Schüler auf Deutschlandfahrt. Von Eva Herschmann

Stetten. Loiva Manzke Glänzel und Loni Edith Sassen de Araujo aus Porto Alegre in Brasilien begleiten zwölf Schüler auf Deutschlandfahrt. Von Eva Herschmann

Die Südamerikanerin mit dem wohlklingenden Namen Loni Edith Sassen de Araujo hat sich bei Familie Schüßler in Stetten wohl gefühlt. "Die Weinberge hier sind schön, und ich werde sicherlich die Ruhe vermissen", sagt die Lehrerin aus Porto Alegre, einer 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt in Brasilien. Sie und ihre Kollegin Loiva Manzke Glänzel haben 12 ihrer 13 und 14 Jahre alten Schüler nach Deutschland begleitet.

Wie unschwer an ihren Namen zu erkennen ist, haben beide Pädagoginnen deutsche Vorfahren, und sie unterrichten an einer evangelischen Privatschule, in der Deutsch Schulfach ist. Die Schule sei vor etwa 80 Jahren von deutschen Einwanderern gegründet worden, sagt Loiva Manzke Glänzel: "Wir sagen immer, Englisch ist ein Muss, Deutsch ein Plus."

Zweimal im Jahr reisen die Schüler der Privatschule nach Deutschland, auf eigene Kosten. "Im Sommer kommen die Achtklässler für 45 Tage, im Winter die Zehntklässler", sagt Loiva Manzke Glänzel. Die ersten zehn Tage verbringen alle gemeinsam auf einer Rundreise durch Süddeutschland und Österreich, danach werden die Mädchen und Jungen einzeln auf Gastfamilien verteilt. Bis nach Niedersachsen hat es die Schüler aus Porto Alegre verschlagen, die Mehrzahl der Gäste aus Südamerika ist allerdings in Süddeutschland.

Organisiert wurde die Reise der Brasilianer von Schwaben-International. Der Verein, gegründet 1959 mit derzeit etwa 4500 Mitgliedern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen aus Deutschland und dem deutschsprachigen Raum die Chance zu Begegnungen mit Menschen in aller Welt zu vermitteln. Vor allem in Ländern, die deutsche Auswanderer aufgenommen haben, hat Schwaben International Schwesterorganisationen und Stützpunkte gegründet, um Kulturaustauschprogramme und Reisen zu koordinieren.

Die brasilianischen Schüler haben sich in den vergangenen Wochen dem Alltag ihrer Gastfamilien angepasst. Sie sind mit ihren Gastbrüdern und -schwestern in den Unterricht gegangen, die besonders Ehrgeizigen haben sogar die Klassenarbeiten mitgeschrieben und Noten dafür bekommen. Bis die Deutschlandfahrt mit einem gemeinsamen Aufenthalt in Berlin abschließt, haben die Lehrerinnen mit ihren Schülern nur einmal in der Woche telefonischen Kontakt. Immer montags klingelten ihre Handys. "Sie sollen möglichst keine E-Mails schreiben, sonst hängen sie nur die ganze Zeit vor dem Computer herum", sagte Loiva Manzke Glänzel. Die Mädchen und Jungen sollen lernen loszulassen und selbst zurechtkommen, deshalb ist jeder an einem anderen Ort untergebracht. Sie sollen gezwungen sein, Deutsch zu sprechen. "Es ist ja niemand in der Nähe, mit dem sie Portugiesisch reden könnten."

Während sich ihre Schüler jeden Tag ein bisschen besser in der Sprache und in dem Land zurechtfanden, konnten sich die erwachsenen Begleiterinnen anderen Dingen widmen. Loiva Manzke Glänzel, die seit 1986 regelmäßig dienstlich hier ist, hat viele Freunde überall in Deutschland. Sie hat die Freizeit für viele Besuche genutzt. Loni Edith Sassen de Araujo hat mit ihrer Gastgeberin Karin Schüßler nicht nur Sprichwörter ausgetauscht, sondern auch vieles andere rund um Land und Leute kennen gelernt. Beide Pädagoginnen haben natürlich die deutsche Sprache intensiv studiert.

Viel Lernen steht den Gastschülern aus Brasilien nun nach ihrer Rückkehr bevor. "Wir sind mitten im Schuljahr, das bei uns dem Kalenderjahr angepasst ist. Der Unterricht zuhause ist normal weitergegangen, und unsere Deutschlandfahrer müssen gucken, wie sie den Stoff nachholen", sagt Loiva Manzke Glänzel.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: