High Noon an der Ladesäule: Um die Mittagszeit ist es an der Theo nur schwer möglich, einen freien Ladeplatz zu ergattern. Foto: Martin Haar

Ladesäulen für E-Autos aus der ersten Generation machen der EnBW große Probleme, da sie sehr reparaturanfällig sind. Derzeit sind in Stuttgart vier Säulen außer Betrieb. Abhilfe soll nun der langfristige Austausch dieser 151 von insgesamt 209 Anlagen im Stadtgebiet schaffen.

Stuttgart - Im Stadtgebiet Stuttgart betreibt die EnBW derzeit 209 Ladestationen für Elektroautos. Schon jetzt – noch bevor die Mobilitätswende richtig Fahrt aufgenommen hat – kommt zu Stoßzeiten und beliebten Ladeplätzen zu Engpässen. Car-Sharer, Hybrid-Fahrzeuge und der wachende Anteil an Geschäfts- und Privat-E-Autos macht sich an den Ladesäulen in der Innenstadt bemerkbar. Hinzu kommt: Seit dem die EnBW den Tarif von einer Bezahlung nach Zeit auf eine Abrechnung nach Leistung umgestellt hat, nutzen viele E-Mobilisten den Ladeplatz als Parkplatz. Statt nach der Ladung auf einen anderen auch kostenlosen Parkplatz in der Stadt umzuparken, lassen sie ihr Fahrzeug stundenlang stehen. Kurzum: Zu bestimmten Zeiten am Tag wird jede freie Steckdose dringend gebraucht.

Lange Ausfall- oder Reparaturzeiten kann und will sich der Betreiber, die EnBW, daher nicht leisten. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erst jüngst auf der Internationalen Automobilmesse (IAA) erkannt: Die Verlässlichkeit der Ladeinfrastruktur sei für den Erfolg der Elektromobilität von größter Bedeutung. Und Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, kritisierte an gleicher Stelle, dass der Ausbau der „Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum“ zu langsam gehe.

Ladesäule seit 11. April kaputt – jetzt abgebaut

Diesen Vorwurf muss sich die ENBW sicher nicht gefallen lassen. Der Konzern hat ziemlich schnell eine hohe Zahl an Ladesäulen auf die Straße gebracht und will nachlegen. Doch das schnelle Anfangstempo scheint nun seinen Tribut zu fordern. Dazu das Beispiel der Ladesäule 3073, die auf einem Parkplatz an der Esslinger Straße steht. Genannte Säule war seit 11. April defekt. Wer bei der Hotline anrief, bekam die Auskunft: „Ja, man habe schon viele Reparatur-Tickets erstellt. Mehr können wir auch nicht sagen.“

Mehr Informationen kommt dagegen von zwei Technikern, die sich vor knapp zwei Monaten an der Ladesäule erfolglos versuchten: „Diese Ladesäulen der ersten Generation sind extrem reparaturanfällig. Die hat man damals schnell gekauft.“ Und auf die Frage, ob es denn genügend Service-Techniker gebe, antworteten die zwei nur mit einem Grinsen. Ob es im Service Engpässe gebe, verneint die EnBW jedoch entschieden.

Auf die Probleme angesprochen, erklärt EnBW-Konzernsprecher Hans-Jörg Groscurth: „Die gute Nachricht vorweg: Der Tausch der Ladesäule steht bevor; wir warten noch auf den konkreten Termin. Bisher wurden speziell an dieser Anlage mehrere Serviceeinsätze durchgeführt, wobei die Säule zumindest für kurze Abschnitte wieder funktioniert hat. Die gemeinsame Fehlersuche mit dem Hersteller hat uns in diesem Fall leider viel Zeit gekostet. Da nach mehreren Einsätzen keine kurzfristige Lösung abzusehen war, hat sich die EnBW nun dazu entschlossen, die Ladestation auszutauschen.“

„Da ist der Wurm drin“

Salopp gesagt: In dieser Station sei offenkundig der Wurm drin, und daran ändere auch mehr oder weniger Servicepersonal nichts. Die entstandenen Unannehmlichkeiten für die Nutzer bedauere die EnBW sehr.

Gleichwohl ist die Ladesäule 3073 kein Einzelfall. Insgesamt sind von den 209 Ladesäulen im Stadtgebiet Stuttgart 151 von der anfälligen ersten Generation. Derzeit sind vier Säulen defekt. Daher hat sich die EnBW nun zu folgendem Schritt entscheiden: Ladesäulen, die sich wie die 3073 nicht mehr reparieren lassen, werden im laufenden Betrieb ersetzt. Dabei kommt die EnBW-Eigenentwicklung einer Wechselstrom-Ladesäule (AC) zum Einsatz – die Modelle LS 3.2-ER oder LS 4.0.“ Diese Modelle hätten von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig eine Baumusterprüfbescheinigung erhalten und entsprechen danach des deutschen Eichrechts sowie des Verbraucherschutzes.

Was den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur in Stuttgart angeht, kann die EnBW „zum jetzigen Zeitpunkt keine detaillierten Informationen“ geben. Konzernsprecher Groscurth teilt jedoch mit: „Generell stehen wir regelmäßig im Austausch mit Kommunen und Kooperationspartnern und planen bis zum Jahr 2020 rund 1000 neue Schnellladestandorte deutschlandweit zu errichten.“ Weiter sagt er: „Denn auch im urbanen Raum sehen wir zusätzlich zu einer AC-Ladeinfrastruktur mehr und mehr den Bedarf nach Gleichstrom-Ladestationen mit Ladeleistungen bis zu 300 kW, bei denen das Fahrzeug in kurzer Zeit aufgeladen werden kann.“

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