Trockene Äcker sind für viele Landwirte ein Problem. In Deutschland sind die Böden vielerorts trockener als im vieljährigen Durchschnitt. Foto: dpa

In vielen Regionen in Deutschland herrscht enorme Trockenheit. Auch ein paar Tage Regen ändern daran kaum etwas. Was bedeutet das für die Wasserversorgung im Land? Und wie sieht es anderswo aus?

Stuttgart - Dass das Wasser aus dem Wasserhahn kommt, jederzeit, das ist für viele Menschen in Deutschland selbstverständlich. Doch die Trockenheit der letzten Monate zeigt ihre Auswirkungen: Die Grundwasserspiegel sind niedrig, auch in Baden-Württemberg. Regional können heiße, trockene Phasen zu Wasserknappheit führen – und zunehmend auch zu Streit um Wasserressourcen.

Wie trocken die Böden hierzulande sind, zeigt ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Hier zeigt sich: Der Norden und Osten Deutschlands sind aktuell besonders von Dürre betroffen. Auch für weite Teile in Mitteldeutschland zeigt der Monitor dunkelrot – das heißt: extreme oder außergewöhnliche Dürre. Definiert ist eine solche Dürre als „die Abweichung der Bodenfeuchte vom langjährigen Zustand im jeweiligen Monat.“ Diese Bodenfeuchte ist bis in 180 Zentimeter Tiefen in diesem Monat in Deutschland deutlich geringer als im langjährigen Durchschnitt. Laut Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sind dies allerdings Auswirkungen der extremen Trockenheit im vergangenen Jahr 2018: Das Wasserdefizit wurde seither nicht ausgeglichen.

Geändert hat daran auch der Regen nicht, der in den vergangenen Tagen in Baden-Württemberg vielerorts gefallen ist: „Die Grundwasserspiegel in Baden-Württemberg sind insgesamt niedrig“, sagt Bernhard Röhrle vom Zweckverband Landeswasserversorgung. Regne es nur ein paar Tage lang, bleibe das Wasser an der Oberfläche, versickert im trockenen Boden. „Da kommt so gut wie nichts ins Grundwasser, sagt Röhrle. Grundsätzlich müsse man im Land aber sehr nach Regionen unterscheiden. So seien die Grundwasserspiegel in Flusstälern wie im Rheintal oder in der Bodensee-Umgebung stabil. Auf der Schwäbischen Alb, im Raum mittlerer Neckar oder Hohenlohe gebe es dagegen eher Wassermangel. Dort würden die Wasserversorger im Land dann Ausgleich schaffen, etwa indem Wasser aus anderen Regionen bezogen wird.

Experten warnen: Es wird zu Konkurrenz um das Wasser kommen

„Wir sehen aber, dass der Klimawandel an Fahrt aufgenommen hat. In den letzten fünf Winterhalbjahren hat es wenig geregnet – das ist für die Grundwasserspeicher ausschlaggebend“, sagt Bernhard Röhrle. Daher arbeite man gemeinsam mit den anderen Wasserversorgern in Baden-Württemberg daran, Schwachstellen aufzudecken und Pläne für die langfristige Versorgung zu entwickeln. Auch die Verteilung des Grundwassers werde daher zunehmend zum Thema werden: „Es wird sicher zu Konkurrenznutzungen kommen, etwa weil Landwirte zunehmend Bedarf haben, Wasser aus dem Boden zu holen.“

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Zuletzt warnte das Umweltbundesamt davor, dass die Verteilung von Wasser auch in Deutschland zu einem relevanten Thema werden kann. „Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr Nutzer um die Ressource Wasser streiten werden“, sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA). Denn: Bislang zwar kamen deutsche Landwirte überwiegend ganz gut ohne zusätzliche Bewässerung aus – doch das ändere sich, zumindest in einigen Regionen. In Niedersachsen etwa mussten in diesem Jahr die Wasserkontingente laut einem ARD-Bericht bereits begrenzt werden. Mit der Folge, dass einige Landwirte ihre Äcker nicht mehr bewässern konnten. Grundsätzlich muss die Wasserentnahme behördlich genehmigt werden, die Kontingente sind festgelegt.

In einigen Regionen Deutschlands haben kommunale Wasserversorger auch schon dazu aufgerufen, private Gärten nicht oder erst abends zu wässern. „Lösungen für Wassereinsparungen müssen jetzt auf den Tisch“, sagt Jörg Rechenberg. „Ich sehe da in allen Bereichen noch Potenzial.“

Angst, dass es zu akuter Wasserknappheit komme, müsse man in Baden-Württemberg aber dennoch nicht haben, sagt Bernhard Röhrle. „Es ist aber wichtig, ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln und sorgsam mit Trinkwasser umzugehen.“

Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt einer Studie zufolge in Ländern mit Knappheit

In anderen Ländern der Welt ist die Lage in punkto Wasser allerdings deutlich dramatischer. Fast ein Viertel der Weltbevölkerung lebt einer aktuellen Studie zufolge in Ländern mit einem extremen Trockenheitsrisiko. In 17 Staaten sei die Wasserknappheit bereits fast auf dem Niveau der „Stunde Null“ angelangt – also an dem Punkt, wo fließendes Wasser nicht mehr verfügbar sein wird. Das berichten Wissenschaftler des World Resources Institute (WRI) aus den USA, .

In den 17 am schwersten von Trockenheit betroffenen Ländern verbrauchen Landwirtschaft, Industrie und Kommunen jährlich 80 Prozent des verfügbaren Oberflächen- und Grundwassers, so die Forscher. Wenn die Lücke zwischen Bedarf und Verfügbarkeit so klein, könnten bereits kleine Dürren schwerwiegende Wasserkrisen auslösen – wie etwa jüngst in der indischen Großstadt Chennai oder der südafrikanischen Metropole Kapstadt. Dort drohte jeweils kein Wasser mehr aus den Leitungen zu kommen, weil die Reservoirs beinahe leer waren. „Wasserknappheit ist die größte Krise, über die niemand spricht“, sagt WRI-Chef Andrew Steer. Sichtbare Folgen davon seien Ernährungskrisen, Konflikte, Migration und finanzielle Instabilität. Zu den am schwersten betroffenen Ländern gehören dem Forschern zufolge zahlreiche Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika, etwa Libyen, Israel, der Libanon und Saudi-Arabien. Auf Platz 13 der Rangliste steht Indien – dessen Bevölkerung dreimal so groß ist wie die Bevölkerung aller 16 anderen betroffenen Länder zusammen. Deutschland steht auf der Rangliste auf Platz 62 – also in der Gruppe der Länder mit einem mittleren bis hohen Trockenheitsrisiko.

Insgesamt werde heute weltweit doppelt so viel Wasser aus dem Boden geholt wie noch in den 1960er Jahren, heißt es vom World Resources Institute: Weil der Bedarf steige. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändere, sagen die Forscher – zumal Bevölkerung und Wohlstand weiter zunehmen.

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