Schießerei in Schönaich: Im April 2019 wurde einer der Angeklagten vor seiner Bar Texas Lounge schwer verletzt. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Einer Bande wird Drogenhandel, illegaler Waffenbesitz und Zuhälterei vorgeworfen. Die Haupttäter betrieben eine Bar in Schönaich. Dort war es an Ostern 2019 sogar zu einer Schießerei gekommen.

Stuttgart - Rund 300 Polizisten waren am Tag ihrer Festnahme am 11. November 2019 im Einsatz: Die zwei Brüder, die in Schönaich die Bar Texas Lounge betrieben haben, galten als äußerst gewaltbereit und Kopf einer Bande. Jetzt hat das Verfahren gegen sie und vier weitere Männer am Landgericht Stuttgart begonnen. Die Liste ihrer Missetaten ist lang – von Drogenhandel über illegalen Waffenbesitz bis hin zu Zuhälterei und Freiheitsberaubung. Das Verfahren findet im Gerichtssaal das Gefängnisses in Stuttgart-Stammheim statt, wo die Brüder auch in Untersuchungshaft sitzen. Bislang ist nur die Anklage verlesen worden.

Monatelange Ermittlungen

Monatelang hatten die Abteilung für Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Stuttgart und die Kriminalpolizei Böblingen verdeckte Ermittlungen gegen die Bande geführt. In der Zeit von April bis September des vergangenen Jahres sollen die Angeklagten in der Texas Lounge vor allem Kokain und Marihuana verkauft haben. Die 34 und 30 Jahre alten Brüder stammen aus dem Kosovo und haben laut der Polizei ihre Kontakte in die Heimat und nach Albanien zur Beschaffung des Rauschgiftes genutzt.

Die Kategorisierung „äußerst gewaltbereit“ stammt von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Abgesehen davon, dass gegen die Angeklagten bereits mehrfach wegen Straftaten ermittelt wurde, kam es am Ostermontag vor einem Jahr sogar zu einer Schießerei in der Straße vor der Bar in Schönaich. Das Opfer war der ältere Bruder, der schwer verletzt wurde. Die Täter konnten flüchten, und das Motiv für die Schießerei ist bis heute nicht geklärt.

In dem aktuellen Verfahren geht es allerdings nur um die Ergebnisse der Ermittlungen. Bei der groß angelegten Razzia in den frühen Morgenstunden im vergangenen November, bei der 20 Immobilien in den Kreisen Böblingen und Göppingen durchsucht wurden, nahm die Polizei fünf der Angeklagten fest, der sechste war schon in Haft. Rund vier Kilogramm Marihuana, eine größere Anzahl verschreibungspflichtiger Arzneimittel und etwa 50 000 Euro mutmaßliches Dealergeld sowie mehrere Waffen sicherten die Beamten außerdem. Die Männer sollen auch versucht habe, ein Maschinengewehr zu erwerben. Ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts soll sich in die Bande eingeschleust haben.

Entführung einer Prostituierten

Aber damit ist die Anklageschrift noch nicht am Ende angelangt: Einer der Männer soll darüber hinaus eine Prostituierte mittels der „Loverboy-Masche“ dazu gebracht haben, für ihn zu arbeiten und die Frau dann nach der Trennung gegen ihren Willen aus Köln entführt und einen halben Tag in einer Wohnung in Böblingen festgehalten zu haben. Sie soll auch geschlagen und mit einem Messer bedroht worden sein. Von den sechs Angeklagten haben laut der Staatsanwaltschaft fünf im Frühsommer 2019 beschlossen, eine Bande zu bilden und mit Drogen zu dealen. Ihr Geschäft in der Schönaicher Texas Lounge soll eine Zeit lang geradezu floriert haben. Nur der sechste Beschuldigte kommt in der Anklage etwas glimpflicher davon: Ihm wird lediglich vorgeworfen, sie als Fahrer unterstützt zu haben.

Nach dem kurzen Prozessauftakt wird das Verfahren am Freitag, 14. August, fortgesetzt. Von einzelnen Angeklagten gab es Angaben zur Person. Bei ihnen handelt es sich ausschließlich um junge Männer im Alter von 31, 29 und 26 Jahren. Die Brüder haben neben der Texas Lounge noch weitere Gaststätten geführt, darunter eine in Waldenbuch. Deren Betrieb wurde nach der Razzia im November durch das Landratsamt Böblingen mit sofortiger Wirkung untersagt. Die Richter der 8. Strafkammer gehen von einem langwierigen Verfahren aus: Sie haben zwölf Prozesstage angesetzt, laut ihrem Plan würde das Urteil am 28. Oktober fallen. Auch aus Sicherheitsgründen findet das Verfahren in Stammheim statt, weil es dort nicht von mit den Angeklagten bekannten Zuhörern gestört oder gefährdet werden kann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: