Michael Stettner darf sich mehr Variabilität im Rückraum erhoffen. Foto: Archiv (avanti)

Der Handball-Drittligist SG Schozach-Bottwartal verpflichtet Maureen Merkel vom Oberligisten TSV Birkenau.

Die alte Handball-Saison ist wegen der Corona-Krise längst abgebrochen. Und auch die Vorbereitung der Vereine auf die neue Saison gestaltet schwierig. „Es tut sich wenig, jeder wartet ab. Es ist eine Katastrophe“, schildert Michael Stettner, Trainer des Drittligisten SG Schozach-Bottwartal, die Situation. Ein Problem: Potenzielle Neuzugänge möchten in vielen Fällen erst einmal mit der Mannschaft trainieren, bevor sie sich entscheiden. Auch das ist nicht möglich. „Umso glücklicher“ ist man laut Stettner bei der SG, mit Maureen Merkel dennoch eine Neuverpflichtung verkünden zu können.

Die 25-Jährige kommt vom Oberligisten TSV Birkenau, mit dem sie in der Vorsaison in der Dritten Liga spielte. Merkel ist für den linken Rückraum vorgesehen, wo auch wegen der Knieverletzung von Denise Geier personell nachgelegt werden musste. Dass die Rechtshänderin eine Verstärkung darstellen kann, zeigt allein schon, dass sie in der BWOL bis zum Saisonabbruch die erfolgreichste Feldtorschützin war. Mit 128 Toren stand sie in der Torjägerliste zwar auf Rang drei – bei ihr beruht die Zahl aber nicht auch noch auf Siebenmetertoren. „Und auch in der Dritten Liga hatte sie gleich eingeschlagen und wurde zur Leistungsträgerin“, hat Stettner in Videos beobachtet.

Maureen Merkel, die in Mannheim wohnt und in Heidelberg auf Lehramt studiert, wird die Strecke ins Bottwartal pendeln – wohlwissend, dass die A6 eine „Horrorautobahn“ ist. Doch die Aussicht, noch mal in der Dritten Liga zu spielen, war zu verlockend. „Als die SG angefragt hat, hat sich das direkt richtig angefühlt. Das Drumherum, die Gesprächsführung, alles hat gepasst“, sagt die Mittzwanzigerin. Auch Michael Stettner berichtet von guten Telefonaten. „Im Prinzip war das nach drei Tagen geregelt, wirklich unkompliziert“, freut er sich. Und dass die Spielerin eine Anfahrt von 100 Kilometern ins Training auf sich nehme, zeige ja schon, „wie sehr sie Bock darauf hat“. Ein ausschlaggebender Punkt sei laut ihm auch gewesen, dass für Merkel bei der SG die Aussicht besteht, dass von ihrer Form nicht mehr gleich das Wohl des ganzen Teams abhänge. „Hier hat sie Spielerinnen neben sich, die auf gleichem oder noch etwas besserem Niveau spielen. Es liegt nicht die Hauptlast auf ihr.“

Zu den Stärken Merkels zählen die einfachen Tore aus dem Rückraum. Als Shooterin bringt sie eine Wurfkraft mit, die ihr aus neun, zehn Metern zum Torerfolg verhilft. Genau das, was der SG zuletzt wegen des Verletzungspechs fehlte. Doch auch an den Kreis drängt sie mit ihrer dafür gemachten Statur gerne vor. Besonders die dynamische sowie kraftvolle Art Handball zu spielen sei für die SG-Verantwortlichen ausschlaggebend für die Verpflichtung gewesen. „Maureen ist eine Spielerin, die viel Torgefahr aus dem Rückraum ausstrahlt, aber auch Eins-gegen-eins-Situationen hervorragend lösen kann“, sagt Teammanager Michael Gramsch, der die Verhandlungen geführt hat. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass das Rückraumspiel variantenreicher wird, was Trainer Stettner mehr Optionen in der Spielgestaltung gibt.

Für beide Seiten stellt der Wechsel eine Besonderheit dar, da man sich abgesehen von den Telefonaten noch nicht kennt. „Die Leute, die Region, es wird alles neu für mich. Das ist schon eine kuriose Situation. Aber ich freue mich darauf, die Mannschaft kennenzulernen.“ Der Vertrag ist vorerst ein Jahr gültig. Eine längerfristige Planung wäre für Merkel aber auch schwierig, da sie in ihr Masterstudium einsteigt, bevor ein Referendariat folgen wird. Zwischen Malsch und Birkenau spielte sie noch für die HG Saase in der Badenliga, vor ihrer Zeit in Malsch bei Oberligist HSG Mannheim.

Abgeschlossen ist die Kaderplanung damit noch nicht: Die SG sucht noch zwei Spielerinnen für den Rückraum – einmal ebenso für links, dazu eine Allrounderin.

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