Jerry Brown (links), ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, und William Perry, der frühere US-Verteidigungsminister, enthüllen die „Weltuntergangsuhr“ während der Pressekonferenz des „Bulletin of Atomic Scientists“ in washington. Foto: AP/dpa

Die symbolische Weltuntergangsuhr tickt unaufhaltsam. So nahe an der globalen Katastrophe stand die Menschheits bisher erst zwei Mal – 1953 und 2018 –, warnt die Elite der Nuklearwissenschaftler.

New York - Je nach aktueller Weltlage wird die „Doomsday Clock“ – die Weltuntergangsuhr oder Atomkriegsuhr – von Wissenschaftlern des „Bulletin of the Atomic Scientists“ (Berichtsblatt der Atomwissenschaftler) vor oder zurückgedreht. An diesem 24. Januar ist es wieder soweit gewesen. Die aktualisierte Uhrzeit der „Doomsday clock“ wurde auf einer Pressekonferenz in der US-Hauptstadt Washington veröffentlicht. Und wie schon im vergangenen Jahr ist es zwei Minuten vor Mitternacht.

„Es ist immer noch zwei Minuten vor Mitternacht“

„Eine neue Abnormalität: Es ist immer noch zwei Minuten vor Mitternacht“, schreiben die Wissenschaftler auf der Webseite des „Bulletin“ . Seit der letzten Umstellung im Januar 2018 steht die Welt damit immer noch so nah wie seit 1953 nicht mehr am Rande ihres Untergangs.

Unter anderem wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump und der Gefahr eines neuen Wettrüstens der Supermächte sowie aufgrund des Klimawandels sehen führende Nuklearwissenschaftler eine wachsende Gefahr für den Erhalt der Menschheit.

Vernichtung durch Atomwaffen und Umweltgefahren

Die Weltuntergangsuhr erscheint seit 1947 und soll symbolisieren, wie dicht die menschliche Spezies an der Vernichtung durch Atomwaffen oder Umweltgefahren ist.

Bei ihrer Einführung stand die Uhr auf sieben vor zwölf. Nach dem Fall der Berliner Mauer hatten die Forscher ihre Uhr deutlich – und zwar auf 17 Minuten vor Mitternacht – zurückgestellt.

„Es ist fünf Minuten vor zwölf“

Die Atomkriegsuhr ist eine symbolische Uhr des „Bulletin of the Atomic Scientists“ und spielt auf die Metapher „Es ist fünf Minuten vor zwölf“ an, wenn ein äußerst besorgniserregendes Ereignis unmittelbar bevorsteht.

1947 – zu Hochzeiten des Kalten Krieges – wurden die Zeiger bei sieben Minuten vor zwölf gestartet. Seitdem wurde das Uhrwerk insgesamt 21-Mal vor- und zurückgedreht – je nachdem wie die Experten die Weltlage einschätzten. Es pendelte sich zwischen 11.43 Uhr und 11.58 Uhr ein.

In Zeiten der politischen Entspannung standen der Zeiger auch mal bei 17 Minuten vor zwölf wie 1991. Damals unterzeichneten die Großmächte die Start-Verträge, die das Atomwaffenarsenal drastisch reduzieren sollten. Seitdem ist Armaggedon immer näher gerückt. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird damit der Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht bezeichnet (Kapitel 16, Vers16).

Apokalyptische Reiter und Klimawandel

Die jüngste Anpassung sei Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem „unkontrollierten Klimawandel, der globalen Modernisierung von Atomwaffen und übergroßen Atomwaffenarsenalen“, heißt es in der Stellungnahme der Wissenschaftler. Diese Faktoren seien eine „außergewöhnliche und unleugbare“ Bedrohung für das Fortbestehen der Menschheit. Und weiter: „Die Uhr tickt jetzt drei Minuten vor zwölf, weil die politischen Führer in ihrer wichtigsten Aufgabe versagen: Gesundheit und Leben der Menschheit zu schützen“

Das „Bulletin of Atomic Scientists“ wurde von Mitarbeitern am Manhattan-Projekt, dem US-Atomwaffenprogramm während des Zweiten Weltkriegs, gegründet. Seither treffen sich im Aufsichtsrat des Blattes regelmäßig die besten Nuklearforscher, um über die Weltlage und Gefahr eines Atomkriegs zu debattieren. 2007 wurde erstmals der Klimawandel in den Beschluss des Expertengremiums einbezogen.

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