Die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt verschwimmen zusehends. Foto: dpa

In der voll vernetzten Welt ist alles mit allem verbunden – und aus der guten alten Arbeit wird Arbyte.

Stuttgart - Wir machen gerade die Erfahrung, dass digitale Netzwerke hervorragend dazu geeignet sind, unser mit Arbeit und Terminen vollgestopftes Leben zu organisieren – das durch ebendiese Netzwerke überhaupt erst entstanden ist. Auch in der Wirtschaft streben inzwischen Maschinenparks, Lager und logistische Abläufe danach, sich zu einer nahtlos ineinandergreifenden intelligenten Fabrik zu verbinden, die mit ihren Scheinfüßchen wirkungsmächtig in die Welt hinausreicht. Nach Mechanisierung (1.0), Massenproduktion (2.0) und der Automatisierung (3.0) steht Industrie 4.0 nun für den Einzug des Internets in die Fertigung, die dadurch deutlich individueller und effizienter werden kann.

Es ist, genauer gesagt, das Internet der Dinge auf dem Vormarsch. Es vernetzt nicht nur große Geräte miteinander, sondern eine zunehmende Zahl alltäglicher bis allerkleinster Objekte – von der steuerbaren Türklinke bis zu winzigen Sensoren – , die eine verfeinerte Art der Umweltwahrnehmung und -lenkung möglich machen. Die Rede ist von Ambient Intelligence. Vorreiter hierbei sind moderne Autos, in denen Hunderte von Messfühlern zusammenwirken, um dem Fahrzeug mittels Video, Ultraschall, Infrarot und Radar elektronische Augen und eine Art Tastsinn zu verleihen. Manchen dieser Herausforderungen, die extreme Schnelligkeit, Flexibilität und Lernfähigkeit erfordern, kann klassische Software nicht mehr entsprechen, etwa eine brenzlige Situation auf einer Kreuzung in einem selbst fahrenden Auto zu entschärfen. Hilfe versprechen neue Methoden der Künstlichen Intelligenz. Programme, die auf spezielle Anforderungen trainiert, die menschliche Leistungsfähigkeit weit übertreffen können.

Schöne, neue Arbeitswelt

Im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft verändert sich auch die Arbeit. Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Dienstleister, Informationsarbeiter und Kreative heben den Megatrend New Work auf eine neue Ebene – aus Arbeit wird Arbyte. Sie stehen als zunehmend Selbstständige im kühlen Wind der Eigenverantwortung und sind zugleich fasziniert von der schönen, neuen Arbeitswelt. In diesen Leitströmungen gibt es sozusagen Vollbremsungen, die Boxenstopps bei Formel-1-Rennen gleichen, bei denen nicht nur die Reifen, sondern das komplette Fahrzeug durch ein neues ersetzt wird. Solche Disruptionen bereiten herkömmlichen Techniken, Diensten und Produkten ein Ende und ersetzen sie durch Innovationen. Ein Musterbeispiel ist das 2001 initiierte Online-Lexikon Wikipedia, das dazu führte, dass die gedruckte Ausgabe der bis dato geltenden Hochburg des Menschheitswissens, die Encyclopedia Britannica, im Jahr 2012 nach 244 Jahren eingestellt wurde. Auf Papier nicht umsetzbar war die fantastische Vernetzungsfähigkeit der Wissensaggregation, das dichte Gewebe aus Links zwischen den zahllosen Artikeln. Ihre Konnektivität. Auch sie ist eine der grundlegend neuen Qualitäten der digitalen Welt. Konnektivität betrifft nicht nur die Netzaffinität elektronischer Produkte, sondern auch die Vernetzung von Individuen, Unternehmen oder Staaten.

Die Digitalisierung ist so tief greifend, dass sie sogar verändert, wie Veränderung verläuft. Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand. Die digitale Transformation ist zu einem permanenten Vorgang geworden, der die gesamte technische Zivilisation des Planeten erfasst hat.

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