Auf den Blumenfeldern gibt es für wenig Geld schöne Sträuße. Wer aber gar nichts zahlt, der begeht ganz einfach Diebstahl. Foto: Alexandra Kratz

Die Landwirte auf der Filderebene beklagen, dass auf den Selbstpflückfeldern oft nicht bezahlt wird. Hinzu kommt, dass Diebe die oft sowieso nur schlecht gefüllte Kasse plündern. Wir haben mit Betroffenen gesprochen.

Möhringen/Plieningen - Er habe schon viel erlebt, sagt Helmut Günther. Einmal hätten Nonnen 150 Gladiolen gepflückt und dafür gerade einmal fünf Euro in die Kasse gesteckt. „So etwas geht mir gegen den Strich“, sagt der Landwirt aus Möhringen. Seit 25 Jahren hat er Blumenfelder, auf denen die Spaziergänger sich selbst ihre Sträuße zusammenstellen können.

„Wir waren damals die Ersten. Alle anderen haben es uns nachgemacht“, sagt Günther und lacht. Die Blumen machen viel Mühe. Es muss gesät, gehackt und Unkraut gejätet werden. „Wir spritzen nicht. Wir machen das mit der Fräse, der Hacke und von Hand“, sagt Günther. Dennoch, er und seine Frau lieben die Arbeit mit den Blumen. Umso mehr ärgern sie sich darüber, dass diese Arbeit immer weniger wertgeschätzt wird. Beweis dafür ist für die Landwirte die immer schlechter werdende Zahlungsmoral. Manche pflücken Blumen und gehen dann achtlos an der Kasse vorbei. Andere stecken nur ein paar Cent hinein oder aber einen alten Kassenzettel oder ein Kaugummipapier, damit es so aussieht, als ob sie bezahlen würden.

Die Reparatur der Kassen ist aufwendig

Wenn Günther die Kassen an seinen beiden Blumenfeldern abends leert, ist also meistens nur wenig Geld drin. Hin und wieder erlebt er eine böse Überraschung. Denn schon mehrfach brachen Unbekannte die Kasse auf. „Es sind Lumpen, die das machen“, findet der Landwirt. Die Reparatur der Kasse dauere dann oft den ganzen Tag. Und eigentlich habe er Besseres zu tun.

Klaus Brodbeck geht es ähnlich. Auch er hat Blumenfelder in Möhringen. Auch er hat festgestellt, dass die Zahlungsmoral nachgelassen hat. Und auch seine Kassen an den Blumenfeldern werden immer wieder aufgebrochen. Obwohl nie viel zu holen ist, weil die Kassen täglich geleert werden, wie Brodbeck betont. Der Schaden an der Kasse ist immer viel höher.

Die Sache lohnt sich für die Täter kaum

So war es auch dieser Tage wieder. Zwischen Donnerstagvormittag und Freitagabend, 6. und 7. Juli, brachen Diebe das verschlossene Behältnis bei einem Blumenfeld an der Hechinger Straße auf und stahlen daraus einen mutmaßlich zweistelligen Bargeldbetrag. An der Kasse eines Blumenfeldes an der Kremmlerstraße machten sich Täter zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen. 9. und 10. Juli, zu schaffen und erbeuteten dort ebenfalls eine zweistellige Summe. So steht es im Polizeibericht. Zeugen werden gebeten, sich beim Polizeirevier 4 Balinger Straße unter Telefon 07 11/89 90 34 00 zu melden.

„Die Kassenaufbrüche sind sehr ärgerlich“, sagt Brodbeck. Die Sache lohne sich selbst für die Täter kaum. „Vielleicht ist das eine Art Mutprobe“, sagt der Landwirt. Er sei mit der Polizei in Kontakt und überlege verschiedene Strategien, um die Zahl zu verringern. Aus polizeilicher Sicht ist ein Kassenaufbruch ein besonders schwerer Fall des Diebstahls. Eine Häufung des Delikts gebe es aber nicht, es seien eher Einzelfälle, sagt der Polizeisprecher Thomas Wörner. Er hat im Archiv nachgeschaut. Demnach habe es 2016 in ganz Stuttgart zwei Kassenplünderungen gegeben. In diesem Jahr seien bislang nur die zwei Fälle in Möhringen bekannt geworden. Verlässlich seien die Zahlen aber nicht, weil sich so etwas im Nachhinein nur schwer recherchieren lasse, fügt Wörner hinzu.

Es gibt auch viele ehrliche Leute

Und natürlich kennt die Polizei nur die Fälle, die angezeigt werden. Denn Fakt ist, dass auch an einem Blumenfeld von Martin Kalmbach in Plieningen in diesem Jahr schon eine Kasse aufgebrochen wurde. „Das kommt immer mal wieder vor“, sagt der Landwirt. Von den Tätern fehle meist jede Spur. Dafür aber erwische er immer wieder mal Spaziergänger beim Blumendiebstahl. Wenn er beobachte, dass jemand Blumen mitnehme, ohne zu bezahlen, spreche er die Leute darauf an. Dann bekomme er oft kuriose Ausreden zu hören.

„Es gibt wirklich viele schwarze Schafe“, sagt Kalmbach. Aber es gebe auch viele ehrliche Leute, die sich über die Blumen freuen und nicht nur das Geld, sondern auch einen Zettel mit einem Dankeschön in die Kasse werfen. Oder die Plieninger kommen abends zu den Kalmbachs auf den Hof, um die Blumen noch nachträglich zu bezahlen, weil sie beim Spaziergang am Nachmittag kein Geld dabei hatten. Dieser ehrlichen Leute wegen würde es Kalmbach leidtun, wenn er das mit den Blumenfeldern doch irgendwann mal sein lassen würde. An manchen Tagen denke er schon darüber nach. Helmut Günther geht es genauso. „Wenn es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt, dann machen wir es nicht mehr.“ Er würde das schade finden, denn er sei ein Blumenfreund und wisse, dass viele die Felder sehr schätzen.

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