Die Volleyballerinnen des MTV Stuttgart brauchen Zuschauer – und nicht nur sie. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Bis Ende November, so haben es Bund und Länder angesichts der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen beschlossen, sind im Profisport keine Zuschauer mehr zugelassen. Der Fußball hat seine TV-Gelder – in anderen Sportarten geht die Existenzangst um.

Stuttgart - Dass die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart wenigstens ihren Spielbetrieb fortsetzen dürfen, das ist die gute Nachricht – dass vorerst keine Zuschauer mehr in die Halle dürfen, die schlechte. „Bis vor zwei, drei Wochen war ich guten Mutes, dass die Bundesliga mit zwei blauen Augen davonkommt – jetzt wird die finanzielle Lage immer schwieriger“, sagt MTV-Geschäftsführer Aurel Irion. „Meine große Sorge ist, dass der eine oder andere Verein diese Krise nicht überleben wird – dann trifft es die ganze Liga mit voller Wucht.“ Dank treuer Sponsoren sei sein Club bislang ordentlich durch die Krise gekommen – der November-Lockdown kommt den Stuttgarter Bundesligisten angesichts von vier Heimspielen allerdings teuer zu stehen. „Wir blicken jetzt schon in den Januar und hoffen, dass wir dann zumindest wieder vor 500 Zuschauern spielen dürfen“, sagt Irion, „das würde uns extrem helfen.“

Der Kommentar zu dem Thema: Hart, aber angemessen

Die Bundesliga-Handballer des TVB Stuttgart treten an diesem Donnerstag (19 Uhr) gegen den SC DHfK Leipzig noch einmal vor 500 Zuschauern an. Dass die folgenden Heimspiele gegen Hannover-Burgdorf (14. November) und Nordhorn (26. November) vor leeren Rängen stattfinden – „das werden wir noch überleben“, sagt Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Langfristig aber wird es ohne Ticketerlöse und VIP-Gäste nicht nur existenzgefährdend – nein, dann wird es uns die Existenz kosten.“

Nur keine Unterbrechung

Bei Frisch Auf Göppingen ist man schon froh, dass die Saison nicht unterbrochen wird. „Geisterspiele sind nicht schön, aber wir können es nicht ändern“, sagt Aufsichtsratschef Claus Mai mit Blick auf die beiden November-Heimspiele gegen die HSG Wetzlar und den THW Kiel. Auch er hofft – wie an diesem Donnerstag (19 Uhr) im Heimspiel gegen den TBV Lemgo –, dass im Dezember wieder mindestens 500 Zuschauern zugelassen werden: „Sonst ist die Gefahr da, dass wir finanziellen Schaden nehmen.“ So lange will die Deutsche Handball-Liga (HBL) nicht warten. „Wir werden den Dialog noch einmal suchen. Die Neuinfektionen kommen nicht durch Sportveranstaltungen“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann und sieht im Zuschauerausschluss nicht mehr als „eine symbolische Entscheidung“.

Groß ist die Enttäuschung auch in der Deutschen Basketball-Liga (BBL). „Aus unserer Sicht gibt es fachlich-hygienisch keine Gründe“, klagt BBL-Chef Stefan Holz: „Obwohl die Testphase gezeigt hat, dass die Konzepte funktionieren, dreht man uns doch den Saft ab. Das ist bitter.“ Dass in einer leeren Halle gespielt werden muss, darauf hatte sich der Vizemeister MHP Riesen Ludwigsburg schon eingestellt. „Das hat sich leider angedeutet“, sagt der Zweite Vorsitzende Markus Buchmann. Womit nun feststeht, dass der Saisonauftakt in der MHP-Arena am 6. November gegen die BG Göttingen zum Geisterspiel wird. Man habe die Saison aber seriös geplant und sei nicht von einer Vollauslastung ausgegangen, sagt Buchmann. Vorteil für die Riesen: Im November steht kein weiteres Heimspiel an.

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