Günther Neher (li.) und Heiko von Roth sind davon überzeugt, dass ihre Musikschulen eine Zukunft haben. Foto: Gottfried Stoppel

Von der Bläserklasse bis zur Kooperation mit der Senioreneinrichtung: die Musikschule Unteres Remstal und die Jugendmusikschule Schorndorf tun viel dafür, um sich an eine veränderte Gesellschaft anzupassen. Günther Neher und Heiko von Roth berichten im Interview davon.

Schorndorf/Waiblingen - Die Musikschulen im Kreis mussten im vergangenen Jahr teilweise einige Kritik wegen ihrer steigenden Kosten einstecken. Heiko von Roth, Leiter der Musikschule Unteres Remstal (MUR), und Günther Neher, Leiter der Jugendmusikschule Schorndorf (JMS) erzählen im Interview von den Herausforderungen ihrer Einrichtungen.

Herr Neher, Herr von Roth, Ihre begabtesten Schüler bereiten sich gerade auf „Jugend musiziert“ vor. Wenn Sie sich mit anderen Musikschulen vergleichen müssten, wie würden Sie wohl abschneiden?
von Roth: Wir befinden uns in einem guten Zustand. Wir haben einen hohen Anteil an festangestellten Fachkräften, das ist ein großer Vorteil. Denn wenn es um Kooperationen – etwa im Schulbereich – geht, dann brauchen wir eine große Zuverlässigkeit. Da ist es fatal, wenn man viele Honorarkräfte hat, die vielleicht bei nächster Gelegenheit an eine andere Musikschule gehen.
Neher: Das ist das große Problem in Schorndorf. Wir haben nur 40 Prozent Festangestellte…
von Roth: ...in Waiblingen sind es 80 Prozent...
Neher: …und wir brauchen unbedingt mehr festangestellte Lehrkräfte, um die Kontinuität im Unterricht sicherzustellen. Das war bei der Mitgliederversammlung mit den Bürgermeistern auch unstrittig. Mittelfristig strebe ich ein Verhältnis von 50/50 an.
Warum ist das gerade jetzt ein Thema geworden?
Neher: Es steht ein Generationenwechsel an, deswegen werden in vielen Musikschulen feste Stellen frei. In den vergangenen zwei Jahren haben wir deswegen einige Honorarkräfte verloren. Da kommen wir an unsere Grenzen, zumal bei unserem großen Aufgabenspektrum. Von uns wird Professionalität und Zuverlässigkeit erwartet. Lange Jahre ging es trotzdem gut, aber es wird schwieriger, qualifizierte Kollegen zu halten, wenn es keine berufliche Perspektive gibt.
Wieso gibt es an der Musikschule Unteres Remstal einen höheren Anteil an Festangestellten?
von Roth: Man hat sich bereits vor 20 bis 30 Jahren für diesen Weg entschieden, wir haben daher andere Strukturen, die historisch gewachsen sind.
Neher: Und in der JMS wurde damals vermehrt auf günstigere Honorarkräfte gesetzt.
von Roth: Das führt übrigens dazu, dass wir unfreiwillig in Konkurrenz treten. Die Musikschule mit mehr Festangestellten ist für zukünftige Lehrkräfte attraktiver.
Die Mitgliedskommunen der JMS sollen einen höheren Zuschuss bezahlen, damit diese neue Personalpolitik finanziert werden kann. Das war nicht unstrittig.
Neher: Die meisten Mitgliedsgemeinden stehen dahinter, da war es kein Problem. Dass im Gemeinderat Remshalden der Zuschuss hinterfragt wurde, ist nur verständlich. Remshalden muss im Vergleich zum Vorjahr überproportional viel zahlen, da dort die Schülerzahlen gestiegen sind.
Auch die Mitglieder der MUR müssen mehr Geld in die Hand nehmen – im vergangenen Jahr ist ein Minus von 100 000 Euro entstanden. Woran liegt das?
von Roth: Bei uns gab es einige Tariferhöhungen, dadurch sind die Personalausgaben gestiegen – zeitgleich sind bei uns die Schülerzahlen gesunken. Übrigens machen die Personalkosten 96 Prozent des Gesamtetats aus.
Neher: Das ist bei uns ähnlich. Von daher sind wir eigentlich eine sehr schlanke Einrichtung.
von Roth: Ungut ist, dass in den Diskussionen um die Finanzen oft versucht wird, uns und die Musikvereine gegeneinander auszuspielen. Dabei sind wir seit vielen Jahren an einem konstruktiven Miteinander interessiert und nicht an der Konfrontation.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: