Hat früh eine eigene Stimme entwickelt: der Klarinettist und Saxofonist Rolf Kühn Foto: dpa/Georg Wendt

Der Holzbläser Rolf Kühn zählt zu den profiliertesten Persönlichkeiten der deutschen Jazzszene. An diesem Sonntag wird er 90.

Stuttgart - Im vorigen Jahr hat der profilierte Klarinettist Rolf Kühn in Stuttgart die German Jazz Trophy entgegengenommen, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem Pianisten Joachim Kühn. Dann musizierten die beiden in der Sparda-Welt, dass es eine Freude war. Rolf Kühn ließ die Klarinette jubilieren und gab sich altersmilde harmonisch.

Eine bewegte Biografie lag da hinter ihm. Geboren 1929 als Sohn einer jüdischen Mutter, durfte er als großes Holzbläser-Talent unter dem Nazi-Regime nicht ans Konservatorium, bekam aber viel Privatunterricht. Hans Berninger, der Soloklarinettist des Leipziger Gewandhausorchesters, nahm ihn 1941 unter sein Fittiche. 1950 spielte Kühn Saxofon im RIAS-Tanzorchester in Berlin, 1956 ging er in die USA, wo er mit Caterina Valente auftrat, ein erstes Album aufnahm und in den Bigbands von Benny Goodman und Tommy Dorsey spielte.

1962 kehrte Kühn zurück nach Deutschland, übernahm das NDR-Fernsehorchesters, spielte mit Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner und anderen bei den German Allstars und war mittendrin, als Ende der 60er Jahre in Paris der Free Jazz erblühte. Auch im hohen Alter vermittelt Rolf Kühns starker eigener Ton eine unbändige Frische und Energie. Wir gratulieren.

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