Hunderte ziehen bei der Demonstration durch die Stuttgarter Straßen. Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone/Ferdinando Iannone

Hunderte Menschen haben am Samstag mit einem Protest in der Stuttgarter Innenstadt auf die Situation an den Schulen und Kindertagesstätten aufmerksam gemacht. Sie äußerten massive Kritik am Vorgehen der Kultusministerin Susanne Eisenmann in der Corona-Krise.

Stuttgart - Die Initiative der Gesamtelternbeiräte in Baden-Württemberg hat am Samstag zur Demonstration aufgerufen. Mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich um 13 Uhr an der Lautenschlagerstraße versammelt und sind nach einigen Redebeiträgen über die Theodor-Heuss-Straße Richtung Marktplatz gezogen. „Wir haben heute drei große Überschriften: Kein Kind darf auf der Strecke bleiben, die Kommunikation aus dem Kultusministerium ist deutlich verbesserungswürdig und wir brauchen einen Plan, wie es nach den Sommerferien weitergeht“, so Christoph Eberlein, vom Gesamtelternbeirat Heilbronn.

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In den vergangenen Wochen hat es vermehrt Kritik am Vorgehen von Kultusministerin Susanne Eisenmann in der Corona-Krise gegeben. Die Gesamtelternbeiräte hatten sich in einem offenen Brief an die CDU-Politikerin gewendet und unter anderem gefordert sich in Entscheidungsprozesse und Planungen konstruktiv einbringen zu dürfen.

Die Corona-Krise wirft ein Schlaglicht auf die Defizite

„Digitales Chaos, wo ist der Plan“, „Lehrer wachsen nicht auf Bäumen“, „Ich will in die Schule“ – die selbstbemalten Plakate machen an diesem Samstagmittag deutlich worum es geht. „Wir müssen auf unsere Interessen aufmerksam machen, Politik und Verwaltung müssen uns zuhören“, sagt Michelle Blum, die Mutter von Grundschul- und Kindergartenkindern ist. Wie viele andere an diesem Tag kritisiert sie die Kommunikation des Kultusministeriums. „Die Informationen wie es weitergeht, kamen nur langsam und manchmal einen Tag bevor die neuen Maßnahmen umgesetzt werden sollten“, so Blum. Die Eltern selbst seien kaum gehört worden: „Eltern haben keine Lobby.“

Die Probleme, die nun zutage treten, seien nicht neu, die Coronapandemie werfe nur ein besonderes Schlaglicht auf die Defizite, sind sich die Redner einig. Ein Phänomen, das derzeit in vielen Gesellschaftsbereichen zu beobachten ist. Im Zusammenhang mit den Schulen bedeute das: Lehrermangel, unzureichende Digitalisierung, Ausstattungsmangel, zu viele Kinder in zu kleinen Räumen.

„Was wir jetzt sehen, war auch schon vor Corona Normalität“, sagt David Schwarz, der in diesem Jahr unter Pandemie-Bedingungen Abitur gemacht hat. Die Krise des Bildungssystems habe nicht mit dem Virus begonnen und werde danach nicht enden. „Wir dürfen nicht zurück zur Normalität.“ Und das bedeute für ihn vor allem dauerhafte Chancengleichheit für alle Kinder zu schaffen. „Weder Geld noch Herkunft dürfen über den schulischen Erfolg eines Kindes entscheiden, sondern Wille, Verstand und Charakter.“

Am Ende sind einem Vertreter des Kultusministeriums am Marktplatz bunte Eierkartons überreicht worden. Im Mai hatte Eisenmann Familien vorgeschlagen, den Wald zu erkunden und kleine Fundstücke in Eierkartons zu sammeln. Statt „Moos“ und „Gänseblümchen“ haben Eltern nun konkrete Forderungen fürs Bildungssystem in die Schachteln geschrieben.

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