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US-Behörden wollen Terroristen im Internet aufspüren. Ein neues Gesetz soll helfen.

Stuttgart/Washington - Amerikanische Sicherheitsbehörden wollen Terroristen im Internet aufspüren. Dazu plant die US-Regierung ein Gesetz, das es ihr ermöglichen soll, bei jedermann mitzuhören. Kritiker sehen die Gefahr, dass das FBI bald in der Lage sein könnte private, E-mails und Chats zu überwachen.

Im Moment scheint Kommunikation im Netz weitgehend sicher zu sein. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Wer heute seine E-mails über gängige Programme wie zum Beispiel Outlook oder Google versendet, hat im Moment nichts zu befürchten. Der verwendete Standard, mit dem Nachrichten verschlüsselt werden, heißt SSL (Secure Sockets Layer). "Diese Technik kann zwar entschlüsselt werden", sagt Ryan Norwood, Software Entwickler in den Vereinigten Staaten, "das erfordert aber selbst heute noch den Einsatz von massiver Rechenleistung und eine Menge Zeit." Derzeit sind E-mails also vor neugierigen Blicken weitgehend sicher. Das gleiche gilt auch für Chats, wie sie zum Beispiel das soziale Netzwerk Facebook anbietet, oder für Gespräche die mittels Rechner-zu-Rechner-Verbindungen (Peer to Peer) stattfinden. Skype ist bei dieser Technik der weltweit führende Anbieter. "Sowohl bei Facebook als auch bei Skype werden die Daten verschlüsselt", erklärt Norwood, "Skype stellt lediglich die Verbindung zwischen den Rechnern her, mehr nicht."

Laut dem geplanten Gesetz sollen Facebook, Skype sowie ähnliche Online-Kommunikationsanbieter der US-Regierung künftig die Möglichkeit bieten, sich in die Gespräche oder E-mails ihrer Kunden einzuklinken. Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1994 müssen Telefonanbieter in den USA der Regierung die Möglichkeit bieten, Gespräche abzuhören wenn dies von offizieller Seite angefragt wird. Laut FBI will man sich diese Fähigkeit auch im Internetzeitalter erhalten. Das Problem ist allerdings: Die Struktur des Internets ist mit der des Telefonnetzes nicht vergleichbar.

Abhören im Netz ist schwieriger

Während beim Telefon, egal, ob Mobilfunk oder Festnetz, alle Gespräche über eine Zentrale laufen, ist das Internet dezentral strukturiert. Es gibt keine Zentrale, Verbindungen laufen über viele verschiedene Rechner. Das macht das Abhören einzelner Verbindungen ungleich schwieriger. Bleiben also nur zwei Lösungen: Entweder das Internet wird von Grund auf revolutioniert und durch eine zentrale Schnittstelle geleitet. Oder jeder einzelne Anbieter müsste der US-Regierung seine Verbindungsdaten und die dazugehörigen Schlüssel aushändigen damit das Gesetz die geplante Wirkung entfalten kann.

Grundlegende Auswirkungen auf die Struktur des Internets schließt Norwood aus. "Nicht einmal die US-Regierung kann die Struktur des Internets verändern", sagt der Software-Experte. Somit stellt sich die Frage, wie groß der Aufwand für die Anbieter digitaler Kommunikation im Netz wäre, dem geplanten Gesetz zu entsprechen.

"Der Aufwand wäre Aufgrund der dezentralen Struktur des Internets gigantisch", sagt Norwood. Daher müsste die Regierung jeden Anbieter einzeln angehen. Die Idee ist, Kommunikationsanbieter, die ihre Daten verschlüsseln, müssen den entsprechenden Behörden eine Möglichkeit zur Entschlüsselung bieten. Dienste ohne Geschäftssitz in den USA müssten ein US-Büro einrichten, das der Regierung als Ansprechpartner für eine mögliche Überwachung dienen soll. Angedacht sind Strafen, sollten Anbieter dem Gesetz nicht entsprechen. "Das wäre eine monumentale Aufgabe", sagt Norwood. "Denn es gibt neben den bekannten Anbietern wie Blackberry, Skype und Facebook noch tausende weitere Dienstleister im Netz ."

Wettrüsten befürchtet

Neben der Diskussion über Sicherheit auf der einen und Persönlichkeitsrechten auf der anderen Seite scheint die Realisierbarkeit des geplanten Gesetzes eine der größten Hürden für das Abhören im Internet darzustellen. Experten befürchten ein regelrechtes Wettrüsten im Netz, sollte die Idee der Obama-Regierung in die Tat umgesetzt werden. Software-Entwickler gehen davon aus, dass sich für die Verbraucher relativ leicht Möglichkeiten finden würden, um einem Abhören von vorn herein zu entgehen.

Technologie, die die eigene Kommunikation verschlüsselt, steht im Moment nur Kennern der Materie zu Verfügung. Diese Technik würde sich aber laut Expertenmeinung schnell verbreiten und benutzerfreundlicher werden, sollte das Gesetz Realität werden. "Sogenannte Open Source Software, Programme, die für jedermann zugänglich und kostenlos sind, könnten leicht dazu verwendet werden, die eigene Kommunikation abhörsicher zu machen", sagt der Computer-Experte. Das Gesetz hat weitere Schwachstellen. Werden Programme mit sogenannten Hintertüren versehen, durch die die US-Behörden mithören können, stellt das für Hacker eine Einladung dar. "Jede Hintertür kann auch missbraucht werden", analysiert Norwood, "und das geschieht dann in der Regel auch."

Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht alle Internet-Firmen bereitwillig mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Der Internetriese Google, oft wegen seiner Handhabe privater Daten in der Kritik, weigerte sich 2006 einer Anfrage der amerikanischen Behörden zu entsprechen und die Suchbegriffe seiner Kunden offen zu legen.

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