Innenminister Thomas Strobl rief die Bevölkerung dazu auf, auf den eigenen Schutz und die Hygiene zu achten. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Es ist ein bisschen wie ein Wettlauf: Während sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter ausbreitet und die Zahl der Infektionen steigt, erhöhen die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen.

Stuttgart - Während sich das neuartige Coronavirus auch in Baden-Württemberg ausbreitet, bauen die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich aus und bereiten sich auf weitere Krankenfälle vor. Das Kultusministerium hat angeordnet, dass Lehrer, Schüler, Kita-Kinder und Erzieher vorerst zu Hause bleiben sollen, wenn sie in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet gewesen sind. Dies gelte unabhängig von eigenen Krankheitssymptomen, teilte das Kultusministerium am Freitag in Stuttgart mit. Es verwies auf das Robert Koch-Institut in Berlin, das die Liste der Risikogebiete auf die gesamte Region Lombardei in Italien erweitert hatte.

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Eine ähnliche Vorgabe gab das Innenministerium in Stuttgart auch an seine Behörden weiter. Für die Polizei soll dies dem Vernehmen nach demnächst folgen.

Derzeit zwölf Infektionen

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist am Freitag in Baden-Württemberg auf zwölf gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums erkrankte ein Mann aus Nürnberg, der sich während einer Geschäftsreise in Karlsruhe beim Gesundheitsamt meldete und isoliert betreut wird. Auch seine Familie in Nürnberg habe Symptome gezeigt, hieß es. Einen weiteren Fall meldeten die Behörden aus Freiburg. Dort sei ein Mann aus dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald nach einer Italien-Reise positiv getestet worden. Auch ein Mann aus dem Rhein-Neckar-Kreis erkrankte nach seiner Rückkehr aus dem Ski-Urlaub in Südtirol.

Ein weiterer Patient, ein Mann aus dem Landkreis Ludwigsburg, wurde nach Angaben des Ministeriums bei der sogenannten Influenza-Überwachung „herausgefischt“. Das bedeutet, dass Proben im Labor des Landesgesundheitsamtes, die auf Influenza getestet wurden, automatisch auch auf das Coronavirus hin untersucht werden. Dies ist der erste Fall, der auf diese Art ermittelt wurde.

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Kritik übte das Sozialministerium an gezielten Anfeindungen gegen Coronavirus-Patienten vor allem auf Internet-Plattformen. Man habe sich entschieden, nur noch eingeschränkt Informationen über neue Infektionen zu veröffentlichen, um die Betroffenen zu schützen, sagte eine Sprecherin. „Wir verurteilen das aufs Schärfste und appellieren an einen vernünftigen und besonnenen Umgang mit dem Thema“, sagte sie weiter. „Eine Krankheit kann jeden treffen, niemand muss sich dafür rechtfertigen geschweige denn beschimpfen lassen.“

Wüste Beschimpfungen gegen Mann aus Göppingen

Nach dem Bekanntwerden mehrerer Infektionen in Zusammenhang mit einem 25-Jährigen aus Eislingen (Kreis Göppingen) hatten viele Menschen den Mann und eine Bekannte teilweise wüst beschimpft. Die beiden hatten sich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.

In Deutschland gab es bis Freitagnachmittag nach Angaben des Robert Koch-Instituts mindestens 53 Nachweise von Coronavirus-Infektionen. Dennoch sehen die Berliner Experten kein breites Krankheitsgeschehen in Deutschland. Es bleibe bei der Einschätzung, dass das Risiko gering bis mäßig sei, sagte RKI-Vizedirektor Lars Schaade.

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Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl rief die Bevölkerung dazu auf, auf den eigenen Schutz und die Hygiene zu achten. „Jeder kann seinen Beitrag leisten, um sich selber zu schützen“, sagte der CDU-Minister in Stuttgart. Es sei wichtig, allgemeine Hygieneregeln zu beachten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dazu gehöre, sich regelmäßig die Hände zu waschen. „Wenn man zum Beispiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeitsstätte fährt, dann ist es schon sinnvoll, nicht zuerst die Kollegen mit Handschlag zu begrüßen, sondern sich zuerst intensiv die Hände zu waschen“, sagte Strobl.

Der Landeselternbeirat beklagte in diesem Zusammenhang einen desolaten Zustand der Toilettenanlagen in vielen Schulen. Mancherorts könne man sich gar nicht richtig die Hände waschen, weil keine Seife da sei, sagte der Landesvorsitzende Carsten Rees. Es gebe Schulen, in denen Schüler absichtlich wenig trinken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. „Da liegt vieles im Argen“, sagte er. Zuständig für die Ausstattung mit Seife, Toilettenpapier und Handtüchern sind die Schulträger. Bei öffentlichen Schulen sind dies die Kommunen.

Weil sich der Schweizer Bundesrat wegen des Virus gegen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern ausgesprochen hat, findet auch die Basler Fasnacht nicht statt. Die Messe im nahen Friedrichshafen hat für ihre Veranstaltungen Schutzvorkehrungen getroffen. Auf dem Messegelände gebe es desinfizierende Reinigungsmittel in allen Bereichen. Türgriffe, Handläufe und auch EC-Automaten würden mehrfach täglich geputzt, teilte das Unternehmen mit. Am Freitag startete in der Messe die „Pferd Bodensee“, die 2018 zuletzt rund 34 000 Besucher an drei Tagen verzeichnete. Zuvor hatte darüber der SWR berichtet.

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