Eine Tanzgruppe aus Montenegro tritt auf der Messe auf. Das Land ist in diesem Jahr Partner der CMT. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Mit 2200 Ausstellern aus 100 Ländern beginnt am Samstag die Reisemesse CMT in Stuttgart. Der Andrang dürfte wieder groß werden. Denn wie eine Befragung unter deutschen Urlaubern zeigt, boomt die Tourismusbranche – trotz Klimakrise.

Stuttgart - Flieg ich oder flieg ich nicht? Diese Frage hat sich bei den deutschen Urlaubern zwar noch nicht zu einer Glaubensfrage entwickelt – aber wenn man die Untersuchungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) anschaut, dann schämen sich die meisten Touristen zumindest ein bisschen beim Fliegen. Das Ergebnis der Befragung von insgesamt 12 000 Deutschen wurde am Freitag vor dem Auftakt der Reisemesse CMT auf den Fildern vorgestellt.

Denn auch für die Aussteller ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema: Ökologische und soziale Nachhaltigkeit spielen für deutsche Reisende eine immer größere Rolle, aber nur vier Prozent würden deswegen auf Urlaub verzichten. Die Urlauber erwarten vor allem von den Anbietern, dass sie ihre Angebote derart gestalten, dass die negativen Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Gesellschaft möglichst gering gehalten werden können, sagt Martin Lohmann, wissenschaftlicher Berater der FUR, bei der Vorstellung des Befragungsergebnisses.

Der Trend zum Caravaning bleibt ungebrochen

Ein Großteil der von der Forschungsgemeinschaft befragten Flugreisenden hat ein schlechtes Gewissen wegen der Klimabelastung – nur 27 Prozent teilen dieses Gefühl nicht. Die Flugscham ist für Martin Lohmann „Ausdruck eines inneren Konflikts aber nicht dessen Lösung“. Das schlechte Gewissen allein werde kurzfristig nicht zu einer stark sinkenden Zahl von Urlaubsreisen mit dem Flugzeug führen. Die Anzahl der Flüge ab Deutschland ist 2019 sogar leicht gestiegen, die der Inlandsflüge zurückgegangen. „Es gibt eine höhere Bereitschaft zu CO2-Kompensationszahlungen“, sagt Lohmann. Die Mehrheit der Touristen macht für Lohmann aber eine Urlaubsreise nicht, um die Natur zu schützen oder ihre Fürsorge für Arbeitskräfte im Tourismus wirksam werden zu lassen. Sie reisen, um schöne Ferien zu machen. Und sie reisen nach wie vor viel, die Deutschen. Die FUR erwartet für das abgelaufene Jahr 71 Millionen Urlaubsreisen mit einem Plus von einem Prozent.

Während die Touristikbranche auf ein weiteres aber eher kleines Wachstum setzen kann, geht der Boom in der Caravaning-Branche weiter. Bis zum Jahresende 2019 hat die Zahl der in Deutschland neu zugelassenen Freizeitfahrzeuge deutlich zugelegt und den Rekordwert von 80 000 erreicht. Der Trend zum Camping spiegelt sich auch auf der CMT wider. „Dieses Mal wird es den größten und vielfältigsten Caravaning-Bereich aller Zeiten geben“, sagt Messe-Geschäftsführer Roland Bleinroth. Neben den Ausstellern in den Hallen 1,2,3,und 5 ist die gesamte Halle 7 dem Zubehör gewidmet und in Halle 10 dominiert das Thema Van-Life, denn vor allem bei den Kompaktfahrzeugen wie den Campingbussen in Mercedes-Sprinter- oder VW-Bulli-Größe ist das Interesse überproportional gestiegen. Insgesamt werden die Besucher 1200 Reisemobile, Caravans und Freizeitfahrzeuge in Augenschein nehmen können – darunter 120 Premieren.

„Wir müssen die Kunst des Reisens wieder neu lernen“

Die CMT-Partner sind in diesem Jahr Montenegro, der Heilbäderverband Baden-Württemberg als Partner des Caravaning-Bereichs sowie das Outdoor Spezial „Wilder Süden“ in Kooperation mit der Tourismus Marketing. Insgesamt sind 2200 Aussteller aus 100 Ländern und mehr als 360 Regionen und Städten auf dem ausgebuchten Stuttgarter Messegelände vertreten. Zudem wird barrierefreies Reisen ein weiterer Schwerpunkt sein. Als neue Länder feiern Namibia, das Emirat Ras Al Khaimah, Indonesien, Kosovo, Singapur, Belize und auch der Iran ihre Premiere auf der Urlaubsmesse.

Gerade die Einbindung neuer Länder, die in den Tourismusmarkt kommen, ist für Hanna Kleber, Präsidentin des Corps Touristique (CT), eine wichtige Aufgabe. Staaten wie die Elfenbeinküste, Uganda oder Sierra Leone werden in Schulungsprogrammen des CT in das Thema eingearbeitet. „Ein Tourist schafft rund acht Arbeitsplätze, von denen wiederum mehrere Familien ernährt werden und Kinder eine bessere Schule besuchen können“, sagt Hanna Kleber. Das CT ist die Vereinigung der ausländischen nationalen Tourismusorganisationen und Eisenbahnen in Deutschland. Es wurde in den 60er Jahren von Touristikern gegründet. Ein besonderes Anliegen ist es dem CT, im Sinne der Völkerverständigung den touristischen Austausch mit dem Ausland insgesamt zu fördern und zu unterstützen. „Wir müssen die Kunst des Reisens wieder neu lernen, die Begegnung sollte mehr im Vordergrund stehen, als die Sehenswürdigkeiten“, sagt Hanna Kleber.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: