Christian Drosten geht auch weiterhin von einem Schutz durch die Impfung aus. Foto: imago images/Jens Schicke

Die neue Virusvariante B.1.1.529 bereitet vielen Menschen Sorge. Der Virologe Christian Drosten hält die Impfung nach derzeitigem Kenntnisstand aber weiterhin für wirksam.

Berlin - Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die zuerst in Südafrika entdeckte neue Variante B.1.1.529 des Coronavirus schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe. Davon könne man „nach derzeitigen Ermessen ausgehen“, hieß es am Freitag in einer Stellungnahme Drostens für das ZDF. Allerdings umgeht die neue Variante demnach offensichtlich zumindest teilweise die Immunantwort des Körpers.

Die Genom-Veränderungen der neuen Variante „weisen darauf hin, dass dieses Virus einen Immunescape zeigen könnte“, warnte Drosten. Ein Indiz dafür sei auch, dass die derzeit nachgewiesenen Infektionen „in sehr großem Maße bei vorher bereits Genesenen“ stattfinden würden. 

Gibt auch skeptischere Stimmen

Die Einschränkungen von Flügen aus Südafrika bezeichnete Drosten vor diesem Hintergrund als „gerechtfertigt“. Er äußerte allerdings Zweifel, ob die Variante tatsächlich dort entstanden ist. Bedenkenswert sei das Auftreten besonders in der Nähe des Johannesburger Flughafens. Zudem sei die Virusüberwachung in angrenzenden Ländern geringer ausgeprägt als in Südafrika.

Deutlich skeptischer hinsichtlich der Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die neue Variante äußerte sich der Epidemiologe Timo Ulrichs. Er verwies auf deutlich stärkere Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Virus als bei der aktuell vorherrschenden Delta-Variante. „Diese Mutationen, unter anderem am Spike-Protein des Virus, könnten das Potenzial haben, die bestehende Immunisierung der bisher verwendeten Impfstoffe zu umgehen“, sagte Ulrichs dem Portal watson.de. In diesem Fall müsse man bei der Durchimpfung der Bevölkerung „wieder bei Null anfangen“.

Zur Vorsicht mahnt laut einem Bericht des Portals „Business Insider“ auch ein vertraulicher Lage-Bericht des Bundesinnenministeriums. Demnach deutet das Mutationsprofil der neuen Variante darauf hin, „dass eine herabgesetzte Impfstoffwirkung zumindest ernsthaft in Betracht gezogen werden muss“. Zudem gebe es Hinweise auf „eine zumindest leichte und möglicherweise sogar leichtere Übertragbarkeit“ als bei der Delta-Variante des Virus, hieß es.

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