Markus Silchers Tannen wachsen in der Nähe seiner verpachteten Weinberge bei Korb-Kleinheppach. Foto: Jan Potente

Der Korber Markus Silcher und seine Familie leben vom Umsatz in den drei Wochen vor Heiligabend. Es war gar nicht so einfach, die Behörden davon zu überzeugen, Ackerflächen in Christbaumkulturen zu verwandeln.

Korb - Markus Silcher ist gut drauf an diesem milden Dezembertag. Der Ansturm kann beginnen. Er ist bestens vorbereitet. Die Scheune an der Durchgangsstraße mitten in Korb-Kleinheppach hat sich in eine keine Einkehrstube verwandelt: Es gibt Punsch, Glühwein, Schnaps. Auf dem Hof stehen die geschlagenen Bäume zur Abholung bereit. Vom zweiten Adventswochenende an bis zum 24. Dezember gegen Mittag macht Silcher den größten Teil des Jahresumsatzes.

Silcher sowie ein paar Helfer aus der Familie und aus dem Freundeskreis verkaufen Weihnachtsbäume – bis zum Abwinken. Die meisten anderen Besitzer von Christbaumkulturen im Landkreis betreiben das Geschäft mit den Tannen und Fichten nur nebenbei. Im Berufsleben von Markus Silcher indes, dem Sohn eines Wengerters, der zunächst Kraftfahrzeug-Elektriker gelernt hatte, dreht sich seit rund zehn Jahren fast alles immer nur um die Bäume, die auf zig kleinen Parzellen rund um Kleinheppach wachsen und gedeihen.

Mit rund einer halben Million Liter Wasser gegossen

Auch bei dem Gedanken an die einstigen Wengerter-Kollegen von der Remstalkellerei, die zurzeit wegen der Schwierigkeiten des Unternehmens wenig zu lachen haben, ist Markus Silcher froh, dass er und die Familie voll auf das Geschäft während der drei Wochen vor Heiligabend setzen. Die eigenen Weinberge, die Silcher von seinen Christbaumplantagen aus sehen kann, sind verpachtet. Von Januar bis November hegt und pflegt er die kleinen Bäumchen. Während dieses heißen Sommers habe er die Winzlinge mit insgesamt rund einer halben Million Liter Wasser gegossen. Die größeren Bäume werden regelmäßig geschnitten, damit sie in Form bleiben beziehungsweise kommen.

Die Flächen mit den winzigen Bäumchen würden gelegentlich mit Herbiziden behandelt, damit das Gras nicht schneller wachse. Das umstrittene Mittel Glyphosat komme aber nicht zum Einsatz. Sobald die Bäume etwas größer sind, würden sie nicht mehr bespritzt, alle ausgewachsenen Christbäume seien garantiert unbelastet.

Beim Christbaumkauf haben die Frauen das Sagen

Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Rems-Murr, Gerhard Strobel, hatte – alle Jahre wieder – zum Christbaum-Termin eingeladen, diesmal aber nicht in den Schwäbische Wald, sondern erstmals nach Korb. Er preist die Christbäume von vor Ort, weil diese „Produkte der kurze Wege“ seien. Der Korber Bürgermeister Jochen Müller erzählt, dass es für die Familie Silcher zu Beginn ihres Christbaumgeschäfts gar nicht so leicht gewesen sei, die Behörden davon zu überzeugen, die Erlaubnis für die Umwandlung von Ackerflächen in Christbaumkulturen zu geben. Heute indes sei man froh, dass die Grundstücke gepflegt würden, denn es gebe in Korb kaum mehr Landwirte. Und die Bäume, so der Schultes, binden Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff.

Beim Christbaumkauf, weiß Markus Silcher, „haben die Frauen das Sagen“. Oft sei es gut, wenn die Herren gleich zu Beginn der Stippvisite in Richtung Scheue abbiegen und Glühwein trinken. Dann könnten die Damen in aller Ruhe ihren Baum auswählen. Die Silchers haben übrigens Kunden, die immer erst an Heiligabend zum Baumkauf kommen. Manche aus Tradition. Andere seien Schnäppchenjäger. Die indes werden enttäuscht. Bäume zu Dumpingpreisen gibt es in Kleinheppach nicht.

Kosten und Ökobilanz

Preise
Bei Markus Silcher in Korb-Kleinheppach kosten kleine Fichten fünf Euro, stattliche Nordmanntannen – die gefragteste Baumart – kosten rund 50 Euro. Für vier bis fünf Meter große Tannen, womöglich inklusive Aufbau, müssen die Kunden 200 bis 300 Euro hinblättern. Laut Auskunft des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger kosten Nordmanntannen je Meter 18 bis 23 Euro. In Baden-Württemberg werden jährlich rund 2,5 Millionen Weihnachtsbäume verkauft.

Umwelt
Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet laut SDW in zehn Jahren 145 Tonnen Kohlendioxid, 300 Tonnen Staubpartikel und produziert 100 Tonnen Sauerstoff.

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