Ein Riesenrad ist eine der neue Attraktionen auf dem Messegelände- Foto: dpa

Am Montag beginnt die traditionsreiche Veranstaltung zum ersten Mal im Sommer – und betont den Eventcharakter

Hannover - Die Computermesse Cebit will bunter werden. Viele Jahre hinweg begann die Messe rund um das Thema IT im Frühjahr, was am Standort Hannover durchaus für eine wetterbedingt eher kühle Atmosphäre sorgte. In diesem Jahr geht man vom 11. bis zum 15. Juni an den Start, also zum erstem mal in der 32-jährigen Geschichte im Frühsommer.

Damit entzieht man sich ein wenig der unmittelbaren zeitlichen Konkurrenz anderer Digitalmessen, vor allem dem jedes Jahr im Februar stattfindenden Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Dort geht es zwar vor allem um Konsumelektronik, die in Hannover nach der Jahrtausendwende an Bedeutung verloren hat. Aber bei großen Trendthemen wie der Künstlichen Intelligenz oder dem Internet der Dinge nahm das Event einige Schlagzeilen vorweg. Gewollt ist wohl auch ein etwas größerer Abstand zur großen Hannover Messe im April, wo digitale Themen etwa für den Produktionsbereich ebenfalls eine immer größere Rolle spielen. 2800 Aussteller haben es in diesem Jahr nach Hannover geschafft. Das sind etwa 200 weniger als 2017 – und noch etwa ein Viertel der Zahlen aus den Boomjahren um die Jahrtausendwende. Stark vertreten ist 2018 das Thema Mobilität. Der Autoklub ADAC ist Partner der Messe. Der niedersächsische Nachbar VW unterstützt die Neuorientierung mit einer größeren Präsenz.

Weg vom technokratischen Image

Aber vor allem Dingen will sich die Messe anders präsentieren. Zu technokratisch, zu traditionell – diese Kritik haben sich die Veranstalter zu Herzen genommen und wollen deutlich mehr als bisher auch Themen jenseits der reinen Technologie diskutieren. Dafür steht der erste Redner am Montag, der amerikanische Internet-Intellektuelle Jaron Lanier. Der Montag, an dem die Ausstellungshallen noch nicht geöffnet sind, soll auch der Debatte von Großthemen wie der Zukunft der Arbeitswelt dienen. „Wir haben gemerkt, dass sich an der Cebit etwas ändern muss,“ sagt eine Cebit-Pressesprecherin. Das fängt schon bei den Öffnungszeiten an. Statt den starren klassischen Messezeiten von 9 bis 18 Uhr ist das Messegelände teilweise bis 23 Uhr geöffnet. Ein Außengelände soll zu lockeren Kontaktpflege einladen. Auf dem Freigelände findet auch ein Unterhaltungsprogramm statt – erleichtert vom voraussichtlich wärmeren und besseren Wetter als zum bisherigen Messezeitpunkt.

Die Organisatoren versprechen, dass nur noch Namen und Standort der Messe gleich geblieben seien. Teilweise hat man das Programm wohl auch aus Einspargründen gestrafft. Die traditionelle Pressevorschau in den Hallen ist beispielsweise nicht mehr schon am Sonntag, sondern erst am Montag.

Jüngeres Publikum als Zielgruppe

In Hannover will man sich stärker an den vor allem ein jüngeres Publikum anziehenden Erfolgsformaten wie dem Festival South by Southwest (SXSW) in Austin oder der hochpolitischen re:Publica orientieren. Sogar Facebook und Red Bull hat man als Teilnehmer gewonnen. Die Cebit hofft dabei, den traditionellen Messegast aus den Führungs- oder Technologieetagen der Unternehmen stärker mit jungen, lockern Innovatoren zusammenzubringen. Für eine gewisse Lockerheit sorgen auch einige große Aussteller. Der Walldorfer IT-Konzern SAP stellt ein Riesenrad auf, dessen Kabinen man tagsüber für Kundengespräche nutzt und abends für alle Messegäste freigibt.

Die neu konzipierte Messe ist wohl die letzte Chance, um die Frage zu beantworten, ob eigenständige IT-Messen im Zeitalter der Digitalisierung noch eine Zukunft haben. Als die Cebit 1986 als eigenständige Veranstaltung aus der Hannover Messe hervorging, wurde das Thema Computer und IT erst richtig von einem breiten Publikum entdeckt. Doch inzwischen steckt IT in jedem Produkt. Sie ist in den Unternehmen immer weniger eine eigene Abteilung als Bestandteil des gesamten Produktionsprozesses und von jedem Produkt. IT-Messen sind in diesem Sinn heute überall.

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