Kinderarmut ist auch im Rems-Murr-Kreis ein Thema (Symbolbild). Foto: dpa-Zentralbild

Armut grenzt aus – und trifft insbesondere Kinder. Die neue Kinderstiftung „Funke“ der Caritas will daran etwas ändern. Am 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, wird sie in Waiblingen gegründet.

Waiblingen - Auch in einem reichen Land wie Baden-Württemberg fallen manche Kinder durchs Netz: Etwa, wenn die Eltern alkohol- oder drogenabhängig sind und den Nachwuchs nicht fördern können, berichtet Anna Sangermano, die als Sozialarbeiterin bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz arbeitet. Oder wenn zu wenig Geld da ist für den Sportverein oder den Musikunterricht. All diese Kinder soll „Funke“ nun besonders unterstützen.

Am 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, wird die neue Kinderstiftung von der Caritas, dem Katholischen Dekanat Rems-Murr und 25 Kirchengemeinden aus dem Kreis ins Leben gerufen. „Es ist ein großer Gewinn für uns, dass die Gemeinden dabei sind“, sagt Anja Keller, die Geschäftsführerin. Mit 130 000 Euro Startkapital könne Funke so die Arbeit aufnehmen. Pro Jahr stehen der Verbrauchsstiftung dann rund 13 000 Euro zum Ausgeben zur Verfügung. Zusätzlich hoffen die Initiatoren auf zahlreiche Spenden, von denen es bereits erste gegeben hat, berichtet Keller.

Finanzielle und soziale Hilfen

Zwei Ansätze verfolgt die neue Kinderstiftung. Einerseits gibt es für von Armut betroffene Familien individuelle finanzielle Hilfen in den Bereichen Bildung, Sport, Kultur und Freizeit, wenn die staatliche Unterstützung ausgeschöpft ist. Auch Kinder, deren Eltern gerade so viel verdienen, dass kein Anspruch auf staatliche Hilfen besteht und die aber dennoch mit sehr wenig Geld auskommen müssen, können von Funke unterstützt werden.

„Wir wollen uns aber nicht auf materielle Armut beschränken“, sagt Anna Sangermano. Deshalb will Funke Kindern zudem sinnvolle Freizeitangebote bieten, unter anderem in Zusammenarbeit mit Vereinen und Musikschulen. „Dabei geht es nicht nur um arme Kinder, sondern um alle Kinder“, betont Anja Keller. Durch die inklusiven Angebote sollen Mädchen und Jungen unterschiedlicher sozialer Herkunft miteinander in Kontakt kommen, niemand solle ausgegrenzt werden. „Es wird eine Herausforderung, das allen Projektpartnern zu erklären“, glaubt die Geschäftsführerin.

Kinder werden gefragt

Ihr ist wichtig, dass nicht über den Kopf der Kinder hinweg entschieden wird. Deshalb hat die Caritas bereits in Schulklassen und Kindergartengruppen im Rems-Murr-Kreis Jungen und Mädchen nach ihren Wünschen befragt. „Das waren zu 99 Prozent keine materiellen Dinge, sondern Zeit mit der Familie oder mit Freunden“, berichtet Anja Keller. Das Video, das aus den Befragungen entstanden ist, wird bei der Gründungsveranstaltung am Dienstag gezeigt.

„Wir können nur bedingt an Stellschrauben drehen“, weiß Keller. „Aber wir wollen das Thema Armut aus der Tabuzone holen, immer wieder den Finger in die Wunde legen. Denn wer es nicht sehen will, der sieht es auch nicht.“ Nicht bei allen kämen die Gewinne einer starken Wirtschaft an; Leiharbeit, hohe Mieten, Leistungsdruck machten vielen Menschen zu schaffen, berichtet Sozialarbeiterin Sangermano: „Das größte Problem aus meiner Sicht ist, dass der Mensch zweitrangig geworden ist.“ Deshalb stellt Funke die Chancen in den Vordergrund, die alle Kinder haben sollten – unabhängig von ihrer Herkunft.

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