Da muss man schwindelfrei sein. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Von der sich überschlagenden Gondel in 55 Meter Höhe bis zum netten Familienkarussell bieten die Fahrgeschäfte auf dem Wasen Spaß in allen Variationen.

Stuttgart - Es gehört zur Klangkulisse des Rummels wie das Werben der Rekommandeure und die Musikfetzen – das Kreischen und Jauchzen der Fahrgäste in den Karussells. Rauf und runter, im Kreis herum, durchs Wasser, an Geistern vorbei, es gibt viele Möglichkeiten, sich beim Volksfest zu vergnügen. Wir haben sechs Fahrgeschäfte nach vier Kriterien (Dauer, Drehwurm, Sozialer Faktor, Design) getestet.

Los geht der Karusselltest mit der neuen Wasenattraktion The Flyer (6 Euro), einem Kettenkarussell in 80 Meter Höhe. Schon aus weiter Ferne ist der riesige Turm kaum zu übersehen. Die Zweiersitze wirken auf den ersten Blick nicht gerade massiv – und darin soll man über Cannstatt in der Luft hängen? Das Panorama aus 80 Metern ist wirklich beeindruckend – wenn man die Nerven hat, es zu genießen. Der Flug selbst bleibt etwas hinter den Erwartungen zurück. Ja, man dreht sich ganz flott, aber selbst in der Finalstufe reicht es noch für einen Plausch mit dem Nachbarn. Da muss doch noch mehr gehen in Sachen Nervenkitzel!

Eine Steigerung verspricht Apollo 13 (7 Euro), eine weitere Neuheit auf dem Wasen. Offiziell nennt sich das Gerät – etwas verharmlosend – Themenkarussell. Die Riesengondel (Flughöhe 55 Meter) wird bis zu 120 Kilometern pro Stunde schnell und überschlägt sich mehrmals in voller Fahrt. Wer vorher gegessen hat, sollte die Raumkapsel auf keinen Fall betreten! Neben dem totalen Drehwurm überzeugt die Apollo mit durchgestyltem Weltraum-Design bis hin zu den Angestellten, die die Passagiere in schicken orangen Raumanzügen für die Fahrt bereit machen.

Pupillen treten aus Piratenköpfen hervor

Nach dem nervenaufreibenden Absturz aus dem Weltraum stehen Entspannung und Erfrischung auf dem Programm. Da kommt die neue Wildwasserbahn Poseidon (4,50 Euro) gerade recht. Zu fünft nimmt man im Kanu Platz, das zwischen griechischen Statuen und Wandmalereien entlang in Richtung der beiden Abfahrten schippert. Die Wildwasserbahn erfindet Poseidon nicht neu, aber ein netter Familienspaß ist es allemal – und ­natürlich wird man auch nass dabei. Was bei dem schönen Wetter auch im Herbst noch erfrischend ist.

Als Nächstes ist die Doppellooping-Stahlachterbahn Teststrecke (5 Euro) im Formel-1-Design an der Reihe. Es bleibt keine Zeit, sich über die zu harten Sitze zu ärgern, denn schon rattert die Bahn los, der erste Looping kommt, und der Fahrtwind schneidet ins Gesicht. Kaum hat man sich nach dem Überschlag einigermaßen Orientierung verschafft, tuckert die Kapsel auch schon wieder an den Ausgangspunkt.

Weiter geht’s in der Geisterbahn Spuk, denn ein Wasen-Besuch ohne Gruseln geht gar nicht. Vor allem dann, wenn der Betreiber mit einer integrierten Achterbahn wirbt. Diese ist zwar eher ein Achterbähnchen und nicht der Rede wert, doch der Spuk (4 Euro) hält trotzdem, was es an Nervenkitzel verspricht: Skelette liegen in blutroten Tümpeln, Pupillen treten aus Piratenköpfen hervor, Zombies schwingen Spitzhacken, Todesschreie und diabolisches Gelächter durchdringen die Dunkelheit.

Nach diesem Höllenritt geht es wieder hinaus in die Oberwelt. Weil der Cannstatter Wellenflug gerade repariert wird, lassen wir den Test in Manfred Howeys Karussell Happy Sailor (3,50 Euro) ausklingen. „Heftiger Wellengang hier, wie auf den Bahamas“, knarzt der gebürtige Bremer Howey durchs Mikrofon. Die kleinen Schiffchen schütteln die Passagiere kräftig durch. Den Kindern gefällt das gut, und Howey legt noch eine Sonderrunde obendrauf.

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