Irmtraud Wiedersatz (links) und ihre Herausfordererin Sonja Winter Foto: Edgar Layher

Irmtraud Wiedersatz will ihr Amt verteidigen. Sonja Winter will die Bürgermeisterin beerben. Ein Herausforderer schwänzt die Kandidatenrunde.

Burstetten - Unterschiedlicher könnten die beiden Kandidatinnen kaum sein, die am Sonntag, 22. September, in Burgstetten zur Bürgermeisterwahl antreten und sich an diesem sommerlichen Abend zehn Tage vor dem Urnengang in der Gemeindehalle den Bürgern stellen: Irmtraud Wiedersatz (58 Jahre) ist seit 1995 Bürgermeisterin in Burgstetten. Sie könnte nach ihren drei Amtsperioden mit guten Bezügen in den Ruhestand gehen. Das will sie aber nicht. Wiedersatz möchte weiter die Geschicke der rund 3700 Einwohner zählenden Gemeinde lenken. Die Diplom-Verwaltungswirtin hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, sie war vor ihrer Zeit als Rathauschefin Leiterin des Hauptamts in Burgstetten. Fast jeder im Ort kennt sie, viele Bürger schätzen ihre unprätentiöse Art.

Einige Burgstettener indes wünschen sich offenbar einen Wechsel auf dem Chefsessel im Rathaus. Die zweite Kandidatin heißt Sonja Winter, sie ist 55 Jahre alt, lebt seit 1996 in Burgstetten, ist Kauffrau und Tierheilpraktikerin. Und sie erzählt bei der von der Kommune organisierten Veranstaltung, dass sie von mehreren Bürgern aufgefordert worden sei, ihren Hut in den Ring zu werfen. Winter ist wie Wiedersatz parteilos.

„Ein Rewe-Markt zentral zwischen unseren drei Teilorten.“

Die amtierende Bürgermeisterin sagt, sie stehe für „Offenheit, Ehrlichkeit und zielstrebiges Handeln“. Sie wolle auch „bei engem Finanzspielraum nicht die Hände in den Schoß legen“. Bestes Beispiel dafür sei die in dieser Woche begonnene Sanierung des Freibads im Teilort Erbstetten, die gut zwei Millionen Euro kosten werde. Kinder aus Burgstetten sollten in Burgstetten schwimmen lernen, das sei alle Anstrengungen wert. Ganz oben auf ihrer Prioritätenliste stünden „unsere Kinder und Jugendlichen sowie unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Bereits 2009 sei die Ganztagesbetreuung für Kinder vom ersten Lebensjahr an eingeführt worden. Sollten in nächster Zeit Kindergartenplätze fehlen, womöglich wegen des Neubaugebiets, dann könne der evangelische Kindergarten in Erbstetten erweitert werden.

Im Gebäude der Tagespflege entstünden zurzeit sechs barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen, diese verkauften ihre zu groß gewordenen Häuser an junge Familien – „also eine Win-win-Situation“. In Burgstetten seien alle öffentlichen Gebäude energetisch saniert worden, künftig würden private Bauprojekte im Rahmen eines Umweltförderprogramms bezuschusst. Um die Lebensmittelversorgung zu verbessern würden derzeit die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass „ein Rewe-Markt zentral zwischen unseren drei Teilorten entstehen kann“.

„Die Bürger wünschen sich mehr Einbindung.“

Sonja Winter berichtet im größten Teil ihrer Rede von ihrem Werdegang. Sie sei in Backnang und in Argentinien aufgewachsen, habe beim Breuninger in Stuttgart eine Lehre gemacht, an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg studiert, bei mehreren Firmen gearbeitet, unter anderem bei Kaelble in Backnang. Dann sei sie erstmals schwanger gewesen, zeitgleich sei Kaelble in den Konkurs gegangen „und ich wurde Familienmanagerin“. Zudem habe sie sich ihrem Hobby gewidmet: der Pferdezucht. Im Tür-zu-Tür-Wahlkampf habe sie erfahren: „Die Bürger wünschen sich mehr Einbindung.“ Sie sagt, die Verschuldung der Kommune mit rund 700 Euro pro Kopf sei „recht hoch“. Sie wolle mit der S-Bahn-Anbindung der Gemeinde stärker werben und mehr Menschen von einem Umzug nach Burgstetten überzeugen.

Der dritte Bewerber, Samuel Speitelsbach aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, schwänzt die Kandidatenvorstellung. Er hatte kürzlich bei der Bürgermeisterwahl in Murrhardt mit rechtsradikalen Thesen die Kandidatenvorstellung aufgemischt.

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