Dirk Oestringer ist parteipolitisch unabhängig. Er ist davon überzeugt, dass dies die Gespräche erleichtert. Foto: factum/Simon Granville

Dirk Oestringer will Bürgermeister in Gerlingen werden. Er wirbt im Wahlkampf mit einem unverstellten Blick von außen auf die Stadt – und mit dem Entwurf einer modernen Verwaltung für die Gesellschaft. Denn diese, sagt er, habe sich verändert.

Gerlingen - Hin und wieder wird Dirk Oestringer auf sein Alter angesprochen. Der 33-Jährige will Nachfolger von Georg Brenner werden. Bisweilen schwingt in der Frage nach seinem Alter mit, ob er das Amt nicht binnen kurzer Zeit als Karrieresprungbrett benutzen würde. „Es ehrt mich, dass man mir das zutraut“, sagt der Kandidat. „Aber ich bewerbe mich für acht Jahre.“ Die vergleichsweise lange Amtszeit sei ja nicht grundlos bestimmt. „Kommunalpolitik braucht einen langen Atem, um Dinge voranzubringen.“ Wolle man etwas erreichen, müsse man dranbleiben können.

Eines seiner Ziele hatte bei der ersten Kandidatenvorstellung ein leises, wohlwollendes Raunen im Publikum provoziert. Oestringer will sich für ein durchgehend besetztes Polizeirevier im Ort starkmachen. Schließlich stehe die Stadt an der Schwelle zur Großen Kreisstadt. „Und die Gerlinger sind schon manchmal aufgestanden, um für etwas einzustehen. Und das war nicht zu ihrem Nachteil.“ Oestringer verweist damit auf die Proteste von Verwaltung und Bevölkerung, die einst die Eingemeindung des Orts nach Stuttgart abwendeten.

Bürger und Verwaltung – ein Spannungsverhältnis?

Das Miteinander von Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern kehrt bei vielen Themen wieder, über die der in Stuttgart lebende Kandidat in seinem Wahlkampf spricht. „Bürger und Verwaltung – das ist immer ein Spannungsverhältnis.“ Einerseits. Andererseits sagt er: „Die Verwaltung macht einen Vorschlag, der Gemeinderat beschließt, der Stammtisch diskutiert – das reicht nicht mehr.“ Die Stadt komme heute anders zu einer Entscheidung als in Zeiten vor dem Internet und vor der Digitalisierung. Eben weil die Informationen zugänglich seien, hätten die Menschen grundsätzlich „viel mehr Interesse“. Würden sie dann an der Lösungsfindung beteiligt, identifizierten sie sich auch mit dem Ergebnis.

Gleichwohl lässt Oestringer keinen Zweifel daran, dass eine Entscheidung letztlich im Gemeinderat getroffen wird. Dem Bürgermeister komme dabei eine nicht unerhebliche Rolle zu. „Er stellt die Entscheidungsfähigkeit im Gemeinderat her.“ Er ist davon überzeugt, dass seine parteipolitische Unabhängigkeit gute Gespräche mit allen Fraktionen erleichtere. Abgesehen davon sei eine gute Kommunikation mit allen politischen Ebenen immer sinnvoll, sagt der Mann, der als Kommunalberater Einblick auch in Verwaltungen auf Orts- und Landkreisebene hat.

In diese Kommunikation bezieht der einstige Referent des Sindelfinger Rathauschefs das Verhältnis zu den Nachbarkommunen ein. „Man muss offen dafür sein.“ Animositäten zwischen Nachbarorten oder Nachbarlandkreisen seien normal und gehörten dazu. „Sie tun ja auch gut, denn sie schärfen das eigene Profil.“ Aber „man muss auch auf anderen Ebenen denken können und diese auch bespielen“.

Werben für den Kompromiss, wo erforderlich

Wenn etwa ein mit Nachbarn gemeinsam verantworteter Bauhof sinnvoller sei, also „eine Kooperation einen weiterbringt als eine Abgrenzung“, sollte man darüber nachdenken können. Genauso müsse man als Bürgermeister bei Bedarf aber gegenüber den Nachbarn auch offensiv die Stadt vertreten. Das schließt nicht aus, dass es bei Diskussionen intensiv und emotional wird: „Wenn es dann im Besen mal hoch her geht, ist es auch in Ordnung. Aber auf der Ebene darf es eben nicht bleiben.“

Offensiv würde er aber auch bei Bedarf gegenüber den eigenen Bürgern auftreten. Wenn die Verwaltung dem Gemeinderat Vorschläge mache, dann würden diese aus gutem Grund unterbreitet. „Dann kann ich dazu auch stehen, muss sie nicht im Rathaus verstecken und kann damit aktiv in die Diskussion gehen“, sagt er und wirbt damit für Beteiligungsprozesse im Ort. Manchmal habe die Kommune schlicht keine Wahl – dann nämlich, wenn das Land oder der Bund Vorgaben machten, die die Stadt schlicht umzusetzen habe. „Dann müssen Kompromisse gefunden werden.“

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