Timoci Naulusala, ein Junge von den Fidschi-Inseln, rief am Mittwoch die Staaten der Weltklimakonferenz in Bonn zu mehr Klimaschutz auf – beklatscht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem Premierminister der Fidschi-Inseln Frank Bainimarama und UN-Generalsekretär Antonio Guterres (von links). Foto: AP

Gegen Donald Trump bilden die Klimaschützer in Bonn eine Speerspitze. Nur „Klimakanzlerin“ Merkel kann keine neuen Versprechen machen. Man bemühe sich, die Klimaziele einzuhalten, sagt sie.

Bonn - Wenn ich auf die Mahner und Warner gehört hätte, säße ich noch in den österreichischen Alpen beim Jodeln“, sagt Arnold Schwarzenegger und grinst. „Yodelling“, heißt das in der Konferenzsprache Englisch. Das klingt noch lustiger als das deutsche Original, und alle lachen. „Also wenn Ihnen jemand sagt, Sie sollen abwarten bis die nationale Regierung handelt oder ein internationaler Vertrag fertig ist – sagen Sie Ihnen einfach: F… off“. Das „F“ zischt Schwarzenegger temperamentvoll. Ein US-Journalist schaut konsterniert, weil der Schauspieler und Ex-Gouverneur von Kalifornien das im prüden Amerika nach wie vor verpönte „Fuck“ nicht ausgesprochen, aber seine Meinung sehr deutlich gemacht hat. Aber in Bonn, wo der Karneval gerade begonnen hat, tobt der Saal. „Ich bin ein Action-Held. Ich warte nicht“, setzt Schwarzenegger hinzu, die Zuhörer sind selig. „Gar nichts“, bedeute es, dass US-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen kündigen wolle, ergänzt der Hollywoodstar: „Ich habe versprochen, alles in meiner Macht stehende zu tun, um das Pariser Klimaabkommen zum Erfolg zu machen.“

Die Amerikaner haben erstmals keinen Länderpavillon

„Wir wanken nicht, wir stehen!“ So lautet die Botschaft der „We-are-still-in“-Amerikaner, die den Bonner Klimagipfel dominieren. Trump will raus aus dem Pariser Klimavertrag, sie aber bleiben drin. Die Trump-Administration hat erstmals seit vielen Jahren keinen Länderpavillon als Zentrum der offiziellen US-Aktivitäten auf dem Gipfelgelände aufgestellt. In den Verhandlungen halten sie sich zurück. Öffentlich treten sie kaum auf. Beim einzigen offiziellen Side-Event der US-Delegation am Montagabend, bei dem sie Kohle- und Atomkraft als Beiträge zum Klimaschutz herausstellen wollten, erlebte Trumps kleine Mannschaft ein Desaster. Erst schwenkten Jay Inslee (Washington) und Kate Brown (Oregon) ihre Governor-Ausweise und verschafften sich ungeplant Zutritt zum Saal. Dann nutzten sie ihren Coup zum Gegenangriff: „Trump versucht hier, alte Technologien zu verkaufen, die wissenschaftlich und politisch auf der ganzen Welt durchgefallen sind“, sagten beide. „Unsere ,United States Climate Alliance‘ repräsentiert die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wir schreiten voran – mit sauberer Energie und sauberen Jobs.“

Wenig später werden die offiziellen Redner von Demonstranten im Saal niedergesungen. Nach dem Rückzug der Sänger ist es leer. So berichten es Delegierte anderer Staaten und machen nicht den Versuch, ihre Schadenfreude zu verbergen. „Der Versuch, Kohle und Atomkraft als Heilsbringer im Klimaschutz zu verkaufen, war ein Schlag ins Wasser“, sagt einer. Als Trump 2016 gerade gewählt war, versetzte er die Weltklimakonferenz von Marrakesch in Angst und Schrecken. In Bonn hingegen scheint der Klimakiller im mächtigsten Amt der Welt zum Zwerg geschrumpft. „Sie sagen nichts, sie verhandeln nichts, und sie bringen nichts in Bewegung“, heißt es über die US-Delegation. Dass sie nicht als Bremser und Blockierer wie in Bushs Zeiten auftreten, löst Verwunderung aus. „Vielleicht spiegelt das die unentschlossene Haltung in Trumps Team. Die wissen nicht was sie wollen“, meinen Optimisten.

Angela Merkel muss sich Vorwürfe gefallen lassen

Angela Merkel muss in Bonn an diesem Mittwoch, dem wichtigsten Tag der Klimakonferenz, Kritik anhören. Die deutschen Umweltverbände gehen sie harsch an mit dem Vorwurf, sie stehe mit leeren Händen vor Ministern und Staatschefs. „Seit Jahren tritt die Republik im Klimaschutz auf der Stelle tritt und bei den Berliner Sondierungsgesprächen sind nicht mal Minimalkompromisse für eine zukunftsfähige Klimapolitik absehbar“, heißt es. „Merkel droht hier als Sonntagsrednerin entlarvt zu werden“, erklärt Greenpeace und fordert Merkel auf, bei den Jamaika-Sondierungen mit dem Kohleausstieg ernst zu machen. „Wir müssen jetzt handeln“, fordert wenig später der Premier der Fidschi-Inseln und Gipfelpräsident Frank Bainimarana. „Mir bleibt kein Zweifel: Diese Dramatik, diese Dringlichkeit: sie mahnt uns alle zu großer Eile und zu entschlossenem Handeln!“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Wir müssen weiter kommen und schneller gehen – gemeinsam“, sagt UN-Generalsekretär Atonio Guterres. Alle Reden hören sich an, als müssten Merkel die Ohren klingen. Aber die Kanzlerin ist noch gar nicht da. Kaum eingetroffen bezeichnet sie den Klimawandel als die Schicksalsfrage der Menschheit. Dann beschreibt sie, was Deutschland mit dem nationalen Klimaschutzplan schon erreicht habe. „Jetzt müssen wir die Strategie mit konkreten Maßnahmen ausfüllen“, sagt sie und räumt ein: „Das ist auch in Deutschland nicht einfach“. Die deutsche Lücke zu den Klimazielen 2020 zu schließen, spielt in den Gesprächen zur Regierungsbildung eine zentrale Rolle, bekennt sie. „Wir in Deutschland werden uns mühen“, sagt sie zum Schluss. Versprechen kann sie nichts.

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