Der neue Flüssigdüngerspeicher in Backnang ist derzeit im Bau. Foto: Gottfried Stoppel

Die Optimierung der Biovergärungsanlage des Kreises in Backnang-Neuschöntal kostet mehr als gedacht. Insgesamt werden 7,6 Millionen Euro investiert.

Ortsmarke - Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) rüstet ihre Biovergärungsanlage für rund 7,6 Millionen Euro auf. Neue gesetzliche Vorgaben und zusätzliche Optimierungspotenziale erfordern für die Anlage in Backnang-Neuschöntal recht umfangreiche Neu- und Umbaumaßnahmen. Den im Bau befindlichen zusätzlichen Flüssigdüngerspeicher und den deutlich leistungsfähigeren und flexibleren Ersatz für die bestehenden Blockheizkraftwerke (BHKW) hat sich jetzt der Verwaltungsrat bei seiner jüngsten, öffentlichen Sitzung vor Ort angeschaut. Ein wichtiger Punkt bei der anschließenden Erörterung der Erweiterung: Die Ausbauarbeiten werden gut zehn Prozent teurer als ursprünglich angenommen.

Der neue Behälter wird 23 Meter hoch

Der neue, doppelwandige Speicher für Flüssigdünger, der durch das Abpressen der nach der Gasgewinnung verbleibenden Gärreste aus der Biogasproduktion gewonnen wird, dient der vom 1. Januar 2020 an per Gesetz vorgeschriebenen neunmonatigen Zwischenlagerung dieses wiederverwertbaren Abfallprodukts. Der neue Stahlbetonbehälter hat ein Volumen von etwa 10 500 Kubikmetern und ist mit einem umlaufenden Auffangbecken für mögliche Havariefälle ausgestattet. Sein Durchmesser beträgt 42 Meter, die Höhe rund zehn Meter. Auf die Betonwände aufgesetzt wird noch ein gut zwölf Meter hoher, mehrfach geschichteter Biogas-Folienspeicher, so dass das gesamte Bauwerk rund 23 Meter in die Höhe ragt.

In der neuen Anlage wird, so erfuhren die Verwaltungsratsmitglieder bei der Besichtigung in strömendem Regen, ein innovatives Verfahren umgesetzt, das die Zumischung der bisher energetisch ungenutzten Gärreste-Emissionen zu der Verbrennungsluft in den Blockheizkraftwerken ermöglicht. Damit, so erläuterte der AWRM-Vorstand Marcus Siegel, werde „nicht nur das enthaltene Methan unschädlich gemacht, sondern zusätzlich durch die Verbrennung des Methans ein energetischer und wirtschaftlicher Nutzen generiert“. Dies sei auch der Grund dafür, dass das Vorhaben als Klimaschutzprojekt vom Land mit knapp 400 000 Euro gefördert wird.

Im Zuge des Ausbaus werden die zwei Blockheizkraftwerke mit neuen Aggregaten so gestaltet, dass sie den speicherbaren Energieträger Biogas flexibel und nachfrageorientiert in Strom umwandeln können. Dies wird vom Gesetzgeber bei der Einspeisung, mit einer sogenannten Flexibilitätsprämie honoriert. Aus diesem Grund sind die neuen BHKWs mit leistungsstärkeren Motoren ausgestattet.

Fertigstellung: Ende Oktober

Während laut der Verantwortlichen die Fertigstellung der Anlagen zum geplante Datum Ende Oktober eingehalten werden kann, haben sich an verschiedenen Stellen deutliche Kostensteigerungen ergeben. Dies hat auch in der Sitzung zu kritischen Nachfragen geführt. Teurer als geplant sind demnach unter anderem die Tiefbauarbeiten wegen zusätzlich notwendiger Bodenverbesserungen im Bereich der Behältergründung.

Speziell bei dem Behälter für den Flüssigdünger ergaben sich durch zusätzlich nötige Stahlmenge Mehrkosten von gut einer Viertelmillion Euro. Dies allerdings diene vor allem zusätzlicher Sicherheit – auch mit Blick die kürzlich explodierten Anlage bei Böblingen, betonte der Landrat Richard Sigel. Die gute Nachricht im Verwaltungsrat in diesem Zusammenhang: Weder die Erweiterung noch die Zusatzkosten werden, so die bisherige Gesamtkalkulationen der AWRM, die Kosten der Biomüllbehandlung letztlich nicht merklich erhöhen.

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