Skitouren erfreuen sich immergrößerer Beliebtheit. Die Gefahren vor allem durch Lawinen werden aber oft vernachlässigt. Foto: dpa/Florian Sanktjohanser

Immer mehr Skifahrer verlassen die Pisten und gehen auf Skitour. Das Aufsteigen und Abfahren im ungesicherten Gelände birgt aber Gefahren, wie ein aktueller Fall in der Schweiz jetzt wieder zeigt.

Tourengehen ist für viele Skifahrer das Größte. Aufsteigen, wo es weit und breit keinen Lift gibt, und abfahren auf unberührten Hängen fernab überfüllter Pisten. Wer sich in der weißen Wildnis bewegt, sollte allerdings genau wissen, was er tut. Sonst endet der Drang nach der großen Freiheit in den Bergen womöglich in einer Katastrophe – wie jetzt bei Zermatt in der Schweiz.

Fünf der sechs Skitourengänger tot aufgefunden

In den Schweizer Alpen sind fünf von sechs vermissten Skitourengängern tot aufgefunden worden. Rettungskräfte hätten ihre Leichen am Sonntagabend im Gebiet des 3706 Meter hohen Tête Blanche entdeckt, teilte die Kantonspolizei Wallis am Montagmorgen (11. März) mit. „Der sechste Skitourengänger konnte noch nicht gefunden werden. Die Suche nach ihm ist noch im Gange“, hieß es.

Die Gruppe war seit Samstagmorgen (9. März) auf der Skitourenroute zwischen Zermatt und Arolla unterwegs gewesen. Da sie nicht an ihrem Zielort ankam, schlug ein besorgter Angehöriger Alarm. Stürmisches Wetter und Lawinengefahr erschwerten den Einsatz der Rettungskräfte. Das Alter der sechs Skitourengänger wurde mit 21 bis 58 Jahren angegeben.

Tête Blanche: Beliebtes Ziel für Skitouren

Abendstimmung am Glacier du Tour, links Tête Blanche. Foto: Imago/Imagebroker

Die Tête Blanche ist ein 3724 Meter hoher Berg auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien in den Walliser Alpen. Die Route gehört zu den beliebtesten Strecken für Skitourengänger in der Schweiz.

Auf der Webseite des Schweizer Alpen-Clubs SAC heißt es: „Ziemlich gemütlicher, vergletscherter Gipfel. Es ist der höchste Berg am Südende des Glacier de Ferpècle und des Glacier du Mont Miné. Die verschiedenen Routen verlaufen über den Gletscher und sind wunderschön. Grossartiger Blick auf Matterhorn und Dent d’Hérens. Die Tour zum Gipfel ist einfach, die Rundsicht atemberaubend. Vor allem das Panorama auf Dent d’Hérens und Matterhorn vergisst man nicht so schnell.“

Folgenschwere Unfälle auf unbekanntem Terrain

Immer wieder ist in den vergangen Jahren zu folgenschweren Unfällen bei Skitouren gekommen mit teils mehreren Toten.

  • Lawinen sind die größte Gefahr für Skitouristen. In den vergangenen Jahren verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte) im Durchschnitt kapp 500 Personen pro Jahr auf Skitouren.
  • Laut Berg-Statistiken stellen Stürze mit rund 60 Prozent die Hauptunfallursache dar, gefolgt von Kollisionen (11 Prozent) und Lawinen (10 Prozent) sowie Aufprall gegen Hindernisse (4 Prozent).
  • Bei den Todesfällen Hauptanteil der Todesopfer mit 54 Prozent auf Lawinen zurückzuführen.
  • Weitere 22 Prozent kamen durch eine Herz-Kreislauf-Störung, 11 Prozent durch Stürze und 9 Prozent durch Absturz sowie 4 Prozent durch andere Ursachen auf einer Skitour ums Leben (mit dpa-Agenturmaterial).

Info: Ausrüstung für Skitouren

Ausrüstung
Die klassische Alpin-Ski-Ausrüstung taugt nicht zum Aufsteigen. Skitourengeher benötigen spezielle Skischuhe und Skibindungen. Wer viel aufsteigt, bevorzugt zudem spezielle Tourenski. Die Bindungen und Schuhe sind ebenfalls leichter, vor allem aber bieten sie beim Bergaufgehen mehr Flexibilität. Der Schaft der Schuhe lässt sich mithilfe eines Hebels lösen, so kann er beim Aufsteigen nach vorn gebeugt werden.

Felle
Damit der Ski nicht nach jedem Schritt wieder talwärts rutscht, werden sogenannte Felle auf die Laufflächen der Ski aufgezogen. Wo früher Tierfelle zum Einsatz kamen, werden heute meist synthetische Materialien verwendet. Diese sind so strukturiert, dass sie ein Vorwärtsgleiten ermöglichen, ein Zurückrutschen aber verhindern. Auch Snowboarder können Touren gehen. Für sie gibt es sogenannte Splitboards.

Schaufel, Sond, LVS
Zur Pflichtausrüstung gehören für jeden Skitourengeher ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), eine Schaufel und eine Sonde. Das LVS funkt im Sendemodus permanent ein Signal, mithilfe dessen verschüttete Personen in einer Lawine geortet werden können. In den Suchmodus geschaltet, führt es Retter schnell und zielsicher zu Verschütteten. Deren genaue Lage wird mithilfe der Sonde ermittelt. Ihre mit einem Draht im Inneren verbundenen Metallstäbe lassen sich in Sekundenschnelle zu einer mehr als zwei Meter langen Stange verwandeln. Damit wird die Schneedecke systematisch durchlöchert, bis man auf die verunglückte Person stößt.

Airbags
Um bei einem Lawinenabgang gar nicht erst unter die Schneedecke zu geraten, tragen viele Skitourengeher sicherheitshalber sogenannte Lawinen-Airbags. Werden diese ausgelöst, bläst eine Gaskartusche oder ein Elektrogebläse einen Ballon auf, der den Betroffenen auf der Lawine aufschwimmen lässt.