„Auf Sand gebautet“: Peter Maffays Song erschien erstmals 1985 auf dem Album „Sonne in der Nacht.“ Foto: dpa

Sand ist überall – und das in rauen Mengen. Das Wort beflügelt Urlaubsträume von Strandparadiesen. Für die Bauindustrie ist er eine der wichtigste Rohstoffe überhaupt. Und doch ist auch Sand endlich.

Stuttgart - 16,68 Meter hoch, 3500 Tonnen schwer. Die höchste Sandburg der Welt, die Künstler jüngst in Duisburg präsentiert haben, ist der Inbegriff des Vergänglichen. Ein XXL-Kunstwerk, das buchstäblich auf Sand gebaut ist. Bekanntlich sind die Mineralkörner, die in Jahrmillionen durch physikalische Verwitterung aus Gestein entstanden sind, für Fundamente nicht tragfähig genug.

Peter Maffay: „Auf Sand gebaut“

Kein Leben ohne Sand

Die Redewendung „etwas auf Sand bauen“ stammt aus der Bauwerk-Metaphorik. Sand ist, neben Luft und Wasser, die meistgenutzte natürliche Ressource der Welt. Laut einer 2014 im Wissenschaftsjournal „Enviromental Development“ erschienenen Studie stellen Sande einen Großteil der jährlich abgebauten Erze, Salze, Kohle sowie Steinen und Erden. „Es gibt weltweit einen riesigen Bedarf an Sand. Man rechnet mit etwa 14 Milliarden Tonnen pro Jahr, mehr als die Hälfte wird in Asien verbraucht“, sagt Kay-Christian Emeis, Institutsleiter am Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht bei Hamburg.

Ein Haus auf Sand gebaut

Wer auf Sand baut, dessen Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt, es fußt auf unsicherer Grundlage. Das biblische Gleichnis vom Haus, das auf Sand gebaut ist, versinnbildlicht dies. „Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute“, sagt Jesus im Matthäusevangelium (Kapitel 7, Verse 24 bis 27).

„Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.“

Sand ist überall

Sand wird über die Korngröße definiert, die zwischen 0,063 bis 2 Millimeter liegt. Als Kies gilt, was eine Korngröße von 2 bis 63 Millimeter hat. Kein Rohstoff wird mehr genutzt als die scheinbar endlos auf der Erde vorhandenen Körnchen, wie aus einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervorgeht. Sande und Kiese sind der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zufolge auch die mengenmäßig größte in Deutschland gewonnene Rohstoffgruppe. Rund 239 Millionen Tonnen Kies und Sand werden in etwa pro Jahr verbaut, denn Beton besteht hauptsächlich aus diesen beiden Materialien.

Jeder Deutsche verbraucht in 80 Lebensjahren rund 2,8 Tonnen Sand und Kies. Die Zahl des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe bezieht sich jedoch nur auf Bausande. Sand kommt daneben noch in vielen anderen Produkten vor, wie in Glas, Farben, Kunststoffen oder Glasfaserkabeln.

Sogar Wüstenstaaten importieren Sand

„Das Problem bei natürlichen Ressourcen ist, dass es lange dauert, bis sie sich aufbauen“, erklärt Emeis. Der globale Sandhunger ist nicht weniger groß als der auf Erdöl. Selbst Wüstenstaaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate sind für den Bau ihrer Hochhäuser auf Sandimporte aus Australien oder Indien – dem weltweit größten Exporteur von Bausanden – angewiesen. Der Grund: Wüstensand entspricht nicht den hohen Qualitätsanforderungen, wie Mineralzusammensetzung und Korngrößenverteilung, die zum Bauen notwendig sind, erklärt Harald Elsner, Geologe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.

„Sand – Die neue Umweltzeitbombe“

Sand ist überall – und das in rauen Mengen. Ein großer Irrtum. Wie endlich diese Ressource ist hat der französische Filmemacher Denis Delestrac 2013 in seiner Dokumentation „Sand – Die neue Umweltzeitbombe“ eindrucksvoll gezeigt.

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