Erfolgs-Duo: Karla Borger (li.) und Britta Büthe Foto: dpa

Sie haben ihren Wechsel nie bereut: Die Stuttgarterinnen Karla Borger und Britta Büthe, Vize-Weltmeister im Sand, über die Unterschiede zwischen Hallen- und Beachvolleyball.

Stuttgart/Amsterdam - Karla Borger und Britta Büthe sind den Weg gegangen, den viele Beach-Duos hinter sich haben: Begonnen hat die Karriere beim Hallenvolleyball, dann ging es parallel auch nach draußen, ehe alles auf Sand gesetzt wurde – eine notwendige Entscheidung für Teams, die etwas gewinnen wollen. Borger und Büthe wollen gewinnen, am liebsten immer. Für die Vize-Weltmeister vom MTV Stuttgart beginnt an diesem Wochenende die WM in den Niederlanden. Ziel ist eine Medaille, was sie der Qualifikation für Olympia 2016 in Rio einen großen Schritt näher bringen würde. Derzeit sind Borger/Büthe das beste deutsche Duo, sie stehen auf Rang vier der Weltrangliste. Bereut haben sie ihren Wechsel nie, und trotzdem haben sie nicht vergessen, wo sie herkommen. Ein Blick auf die Unterschiede zwischen Beach- und Hallenvolleyball.

Das Team: Zu einer Hallenmannschaft gehören 12 bis 15 Spielerinnen (sechs stehen auf dem Feld), dazu kommen Trainer, Scout und Physiotherapeut. Im Sand spielen nur zwei, Wechsel gibt es nicht. Trainer, sofern vorhanden, dürfen während des Spiels nicht eingreifen, auch nicht in den Auszeiten.

Die Organisation: Während sich ein Profi-Team um nichts kümmern muss als um das Training und die Spiele, benötigen Beachvolleyballer großes Organisationstalent. „Wir suchen den Trainer aus und müssen ihn aus unserer Tasche bezahlen“, sagt Karla Borger, „und auch die Flüge und Hotels für die Turniere organisieren wir selbst. Wir sind sozusagen unser eigenes Reisebüro.“

Das Training: Naturgemäß reisen Beachvolleyballer im Winter der Sonne hinterher. Auch müssen stets passende Trainingspartner gesucht werden, während Hallenmannschaften auch ohne Gegner trainieren können. Auch die Intensität in den einzelnen Einheiten ist unterschiedlich. „Unser Training dauert wegen der vielen Sprünge im Sand maximal zwei Stunden“, sagt Karla Borger. Die Technik selbst ist weitgehend deckungsgleich. „Vielleicht wird in der Halle ein wenig härter geschlagen“, meint Britta Büthe, die Blockspezialistin des Duos.

Das Spielfeld: In der Hallenvariante ist das Spielfeld 18 Meter lang und neun Meter breit (9 x 9 Meter pro Seite). Das Netz hängt bei den Frauen auf 2,24 Metern Höhe, und zwar sowohl in der Halle wie auch im Sand. Beim Beachvolleyball ist das Spielfeld mit 16 auf acht Meter etwas kleiner (8 x 8 Meter pro Seite). In der Halle sind die Linien aufgemalt. Im Sand bestehen sie aus beweglichen Bändern, es gibt keine Mittellinie. Ein Übertritt wird nicht geahndet, solange der Gegner nicht behindert wird.

Der Wettkampf: Bei internationalen Beachvolleyball-Turnieren sind zwei Spiele am Tag der Standard, in Ausnahmen sind bis zu vier Einsätze möglich. In der Halle findet außer bei Vorbereitungsturnieren stets nur ein Spiel pro Tag statt. Im Sand geht es maximal über drei Sätze, in der Halle über fünf. Der jeweils letzte Durchgang wird verkürzt in einem Tie-Break ausgespielt.

Die Regeneration: Beachvolleyballer sind international aktiv, müssen zwischen den Turnieren auch Zeitverschiebungen und klimatische Unterschiede kompensieren. Hallenspieler reisen, von den Einsätzen im Nationalteam abgesehen, eher auf dem eigenen Kontinent. „Da wir am vergangenen Sonntag noch drei Spiele in Florida hatten, haben wir uns diesmal einen Rückflug in der Business Class geleistet“, sagt Britta Büthe, „doch das war die absolute Ausnahme.“

Der Ball: Weil im Freien gespielt wird, muss der Beach-Ball widerstandsfähiger sein. Er ist meist aus Kunstleder gefertigt. Mit einem Umfang von 66 bis 68 cm und einem Gewicht von 260 bis 280 Gramm ist er ein wenig größer als der Hallen-Ball. Der Innendruck des Balles ist allerdings um rund 100 Millibar geringer als beim Exemplar für die Halle.

Die Psychologie: Hier liegt der größte Unterschied – meint zumindest Bundestrainer Jörg Ahmann (Bronzemedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney): „Beim Beachvolleyball spielt sich alles im Kopf ab“, sagt er, „wenn es nicht läuft, bist du auf dich alleine gestellt. Es kann nicht einfach gewechselt werden. Entweder du kommst selbst durch das Tal und reißt dich am Riemen, oder du verlierst. Mehr Möglichkeiten gibt es nicht.“

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