Viel Raum und Licht: Die Stadtplanerin Elke Tittel und die Baubürgermeisterin Birgit Priebe im luftigen Foyer des künftigen Remsecker Rathauses Foto: factum/Simon Granville

Die Stadt Remseck gibt es eigentlich nicht. Aus sechs kleinen Orten entstand in den 70ern eine Große Kreisstadt. Nun soll dieses Kunstgebilde endlich eine Mitte bekommen – noch ist die aber Großbaustelle.

Remseck - Hier die Infotheke, dort der Empfangsbildschirm. Auf der rechten Seite das Trauzimmer mit Blick ins Grüne. Und hinter den Bäumen die Flüsse Neckar und Rems, die hier ineinanderfließen. Wer dieser Tage ins Foyer des künftigen Remsecker Verwaltungssitzes tritt, kann sich zwar noch nicht trauen lassen. Doch er bekommt sehr wohl eine Vorstellung davon, wie es im Innern der Neuen Mitte künftig aussehen wird.

Vom luftig gestalteten Foyer des Rathauses aus werden die Bürger der Stadtteile Aldingen, Hochberg, Hochdorf, Neckargröningen, Neckarrems und Pattonville künftig geradewegs in das Bürgerbüro marschieren, das an der Remstalstraße liegt, und eine Nummer ziehen. Falls nötig, geht es über eine Treppe direkt zu den anderen Behörden im ersten Stock – „interne Anschließung“ nennt die Stadtplanerin Elke Tittel diese Verbindung.

Die Handwerker geben sich die Kelle in die Hand

„Jetzt kommt die Phase, in der sich die Handwerker auf die Füße treten“, sagt Baubürgermeisterin Birgit Priebe, während sie durch das Gebäude geht. Tatsächlich werkeln überall Männer: die einen an der Deckenverkleidung – sie besteht aus einem Material voller Vertiefungen, damit sie den Schall absorbiert – die anderen auf dem Boden im Treppenhaus – wo schon die ersten Fliesen liegen. Im ersten Stock ist an einigen Stellen bereits Teppichboden in der Farbe „dunkelgrau-changierend“ verlegt. Auch der Teppich wurde gewählt, um Geräusche zu dämpfen.

Viel Licht und Raum

Die Räume des neuen Rathauses sind lichtdurchflutet. Die Büros, in denen später jeweils ein bis zwei Arbeitsplätze eingerichtet werden, befinden sich an der Außenseite des Gebäudes, genauso wie die Konferenzräume. Diese haben gläserne Wände, sodass auch Teeküche und Wartebereiche in der Mitte des Gebäudes mit Tageslicht versorgt sind.

Die Zimmer im Obergeschoss des Rathauses sind ebenfalls hell – und hoch. Dort ist eine Essküche angesiedelt und der Versammlungssaal, der sich wohltuend von den beengten Verhältnissen im alten Rathaus unterscheidet. Bei Sitzungen des Gemeinderats werden hier bis zu 70 Personen Platz haben, schätzt Priebe.

Eine Terrasse mit Blick auf den Fluss

In der Stadthalle nebenan fehlt noch der Parkettboden. Sie bietet Platz für 550 Stühle. Ein Stockwerk weiter oben ist die Mediathek, eine moderne Bücherei, mit Terrasse. Priebe: „Da kann man sich mit einem Kaffee raussetzen.“

Tittel und Priebe sind zufrieden mit der Entwicklung des Großprojekts Neue Mitte. „Wir liegen im Zeit- und Kostenplan“, sagt Tittel. Die Kosten des Bauvorhabens wurden ursprünglich auf etwas mehr als 35 Millionen veranschlagt, mittlerweile liegen sie bei 36 Millionen Euro. Priebe: „Wir haben pro Jahr eine Kostensteigerung von etwa drei Prozent.“ Von dem Brand, zu dem es Anfang des Monats kam, ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Die Spuren seien beseitigt, den Schaden übernehme die Versicherung, sagt Priebe.

Der Marktplatz wird grüner als geplant

Vor Kurzem überarbeiteten Priebe, Tittel und ihre Kollegen die Pläne für die Gestaltung des Außenbereiches und stellten sie dem Gemeinderat vor. Die neuen Pläne sehen mehr grüne Flächen und ein Wasserspiel auf dem Marktplatz vor, erklärt die Baubürgermeisterin. Damit wollen die Verantwortlichen den künftigen Marktplatz vor Überhitzung im Sommer schützen und somit an den Klimawandel anpassen. Plätze mit wenig Grün, wie es sie in Kornwestheim oder Stuttgart gibt, sind in den Augen der Remsecker Verwaltung nicht mehr zeitgemäß. Beim Gemeinderat stießen die überarbeiteten und mit Mehrkosten verbundenen Pläne auf Wohlwollen; die Mitglieder segneten sie ab.

Auch das energetische Konzept für den riesigen Remsecker Neubau wirkt zeitgemäß. 150 Bohrpfähle wurden in die Erde gesetzt und Photovoltaikanlagen auf dem Dach angebracht, die das neue Gebäude mit Erdwärme versorgen und die Grundlast abdecken sollen.

Im nächsten Sommer zieht die Verwaltung ein

Im Mai oder Juni sollen Rathaus, Stadthalle und Mediathek fertig sein. Wenn alles läuft wie geplant, ziehen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung dann in die neuen Gebäude um, während die Bürger in der Mediathek lesen und in der Stadthalle feiern. Die Stadtverwaltung erhofft sich von der Neuen Mitte nicht nur moderne Räume, sondern auch einen Wandel in den Köpfen: Die Bürger sollen sich künftig nicht mehr nur als Bewohner der sechs Stadtteile sehen – sondern auch als Remsecker.

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