Die Illustration eines Anwohners veranschaulicht die Dimensionen der geplanten Wohnblocks. Foto: privat

Keine Zufahrt für die Feuerwehr, minimale Abstände zu den Nachbarn – Bürger machen gegen den Plan mobil, eine Baulücke mit großen Mehrfamilienhäusern zu füllen. Die Debatte zeigt die Tücken der Nachverdichtung in den Kommunen.

Salach - Mehr als hundert Anfragen von Bürgern, die ein Grundstück zum Bauen suchen, liegen derzeit im Salacher Rathaus vor. Doch wie die meisten anderen Städte und Gemeinden auch, tut sich die 7500-Einwohner-Kommune inzwischen schwer, die Nachfrage zu befriedigen – denn die Gemeinde hat immer weniger Flächen übrig, die sich für Baugebiete wie etwa im Flachsäcker eignen. Umso wichtiger ist die Nachverdichtung im Ort. Doch auch die hat ihre Tücken, wie der Streit zeigt, der seit Monaten über vier Wohnblocks tobt, die der Bau- und Sparverein in einer Baulücke im Wohngebiet an der Panoramastraße am Nordrand Salachs bauen möchte.

Das Wohngebiet ist geprägt von Ein- und Zweifamilienhäusern mit kleinen Gärten. Doch in die 3000 Quadratmeter große Baulücke sollen nun vier viergeschossige Mehrfamilienhäuser gebaut werden, das längste am Nordrand 40 Meter lang. Die geplanten Blocks mit etwa 30 Eigentumswohnungen überragen die Einfamilienhäuser in der Nachbarschaft nicht nur deutlich, sie rücken auch dicht an sie heran: Bisher plant der Bau- und Sparverein mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgrenzabstand zu Nachbargrundstücken von 2,5 Metern. Die geplanten Balkone kommen sogar noch dichter heran.

Geplante Gebäude sollen bis zu 2,5 Meter an Nachbargrundstücke heranrücken.

„Die können mir dann vom Balkon durchs Toilettenfenster reinspucken“, sagt Martin Hofmann verärgert, der mit seiner Familie zu den direkten Anliegern gehört. Das geplante Gebäude sei mehr als doppelt so hoch wie sein Haus. Zusammen mit einigen anderen Betroffenen hat er die Bürgerinitiative Bauwahn Salach gegründet.

Die Initiative, die Hofmann zufolge von den meisten Bürgern im Wohngebiet unterstützt wird, ist nicht grundsätzlich gegen die Nachverdichtung. Schließlich, so Hofmann, sei stets klar gewesen, dass der Bau- und Sparverein die Wiese eines Tages bebauen würde. Doch das jetzt geplante Projekt sei völlig überdimensioniert und passe nicht in die Umgebung. Früher sei stets die Rede von Ein- und Zweifamilien- oder Reihenhäusern gewesen. „Dagegen hätte niemand etwas.“

Kein Zugang im Brandfall

Doch die Bürgerinitiative hat noch weitere Sorgen. Zum einen ist Hofmann zufolge keine Stichstraße geplant, die die Wohnblocks erschließt. Weil diese zum Teil in zweiter Reihe gebaut würden, sei ein großer Teil von ihnen im Brandfall nicht für die Feuerwehr erreichbar. Außerdem fragen sich die Anwohner, wo die künftigen Bewohner parken sollen. Zwar ist eine Tiefgarage geplant, sie soll aber laut Hofmann nur 30 Stellplätze haben. Die restlichen Autos verstopften dann die ohnehin vollgeparkten schmalen Straßen. Zumal ein eigentlich geplanter Anwohnerparkplatz mit zehn Stellplätzen für das Bauprojekt geopfert wurde. Die Kommune hat das kleine Grundstück an der Panoramastraße an den Bau- und Sparverein verkauft.

Die Bürgerinitiative hat bereits mit mehreren Veranstaltungen über die Pläne informiert und dagegen mobil gemacht. Ob der Protest etwas nützt, ist ebenso offen wie die Frage, wie sich die Stadt und der Gemeinderat zu dem Projekt stellen werden. Denn derzeit ruht das Verfahren. Der Bau- und Sparverein hat sein Baugesuch zurückgezogen und überarbeitet es derzeit, weil die Kommune bemängelt hatte, dass beispielsweise die im Bebauungsplan festgeschriebene Traufhöhe bei den Treppenhäusern überschritten würde. Ob die Überarbeitung auch den Anwohnern zugute kommt, ist freilich eine andere Frage. Martin Hofmann hat seine Zweifel. Die Initiative macht sich deshalb bereit, weiter gegen die Pläne zu kämpfen.

Weilenberger Hof in Uhingen – Austausch bekannter Argumente

Uhingen - Das Bürgerbegehren der Initiative Rettet Charlottensee Naherholung gegen das Uhinger Neubaugebiet Weilenberger Hof III ist abgelehnt worden. Der Uhinger Gemeinderat hat auch von sich aus keinen Bürgerentscheid auf den Weg gebracht. Stattdessen soll vermehrt auf Transparenz gesetzt werden. Mit einer weiteren Bürgerinformation wurde am Montagabend ein Anfang gemacht.

Knapp 200 Besucher waren ins Uditorium gekommen, um sich vom Stand der Planungen, von den möglichen ökologischen Auswirkungen und von den wirtschaftlichen Folgen, die zu erwarten wären, würde das Vorhaben nicht umgesetzt, ein Bild zu machen. Dabei wurden die bereits bekannten Argumente noch einmal ausgetauscht.

Bürgermeister Matthias Wittlinger wies erneut auf die Notwendigkeit der Maßnahme hin, um durch Wachstum und Zuzug die Infrastruktur der Stadt aufrecht erhalten zu können. Der Stadtplaner Manfred Mezger zeigte mit neuen 3D-Animationen die Größe des Baugebiets und der vorgesehenen Baukörper. Die Vertreter der Bürgerinitiative beklagten die Einschnitte in die Natur und andere Beeinträchtigungen.

Gestritten wurde, auch in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum, abermals über die Größe des Gebiets und dessen Erschließung sowie über die Auswirkungen auf die Kaltluftzufuhr, wenn denn gebaut würde. Eine Annäherung gab es nicht, und so wird das Thema die Bevölkerung der Stadt weiterhin spalten. eas

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