Pfarrer Georg Braunmüller hofft, dass der Bibelgarten viele Besucher anlockt. Foto: Horst Rudel

Wenn’s draußen grünt und blüht, blüht auch die Seele auf. Bis es so weit ist, ist aber Arbeit angesagt. Auch im Bibelgarten in Unterböhringen.

Bad Überkingen - Nicht nur Blumen gedeihen in dem Garten, den die St. Peter- und Paulskirche in der Ortsmitte von Unterböhringen umgibt. Auch Bibelworte sollen auf dem von einer Sandsteinmauer umgebenen Grundstück auf fruchtbaren Boden fallen. So sind zwischen Blumen und Büschen die sieben sogenannten Ich-Bin-Worte aus dem Johannes-Evangelium auf mit Säure behandelten Edelstahl-Stelen zu finden. „In den Ich-Bin-Worten sagt Jesus jeweils mit einem Wort oder Bild, wer er ist“, erläutert der Pfarrer Georg Braunmüller. Er hofft, dass der Bibelgarten nicht nur die Dorfbewohner anzieht, sondern darüber hinaus Wanderer und Durchreisende.

Früher ein vergessenes Fleckchen Erde

Obwohl es direkt vor der Kirchentür liegt, war das Grundstück, das vor 130 Jahren ein Friedhof war, ein vergessenes Fleckchen Erde in dem Bad Überkinger Ortsteil, der sich abseits des Täles idyllisch in die Landschaft einschmiegt. Erst als die evangelische Kirchengemeinde den Wildwuchs beseitigte, um den Kirchturm beleuchten zu können, keimte der Gedanke, dort einen Bibelgarten anzulegen.

Das war 2014. Doch wie sollte der Bibelgarten aussehen? Die Idee, alle in der Heiligen Schrift erwähnten Pflanzen, einzusäen, wurde schnell verworfen. „Das wäre uferlos geworden, da hätte man täglich drei Stunden im Garten arbeiten müssen“, sagt der Pfarrer. Er regte deshalb an, die Ich-Bin-Worte in den Mittelpunkt zu stellen. Diese sieben Bibelworte spiegeln sich symbolisch in der Bepflanzung wider. So wachsen nun vier Rebstöcke vor der Stele mit den Worten „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“. Damit die Pflanzen gedeihen, werden sie vom Vorsitzenden des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins gepflegt. Ein paar Meter weiter blühen zurzeit Pfingstrosen, Rosen und Mohnblumen, auch eine Distel hat ihren Platz in dem Beet. „Die bunten Blumen stehen symbolisch für das Wort ,Ich bin das Licht der Welt‘“, erläutert der Pfarrer. Beim Anlegen des Beetes, in dem zu jeder Jahreszeit etwas blühen soll, haben Gärtner mitgeholfen. Sie spendeten auch viele der Pflanzen.

Die Stelen sind aus Edelstahl

Der Bibelgarten ist noch immer im Entstehen. Das ist gewollt. „Im Lauf der Jahre soll immer noch etwas hinzukommen, wir wollen den Garten wachsen lassen“, sagt Georg Braunmüller. Nachgedacht wird noch über ein Beet mit biblischen Gewürzen oder über einen Ölbaum – in Erinnerung an den Garten Gethsemane. Außerdem möchte der Pfarrer immer wieder Kinder beteiligen. In zwei Betonringen wachsen Weizen und Wintergerste, die er zusammen mit seinen Schülern gesät hat.

Bereits bestellt sind Tische und Bänke aus massiven Holzstämmen, die auf der anderen Seite der Kirche ihren Platz finden sollen – passend zum Bibelwort „Ich bin das Brot des Lebens“. „Schön wäre es, wenn das schon im Juli fertig wäre, da wollen wir den Bibelgarten einweihen“, sagt der Pfarrer. Zu hoffen wagt er das allerdings nicht. Immerhin wird bis dahin ein großes Schild am Eingang zum Kirchgarten aufgestellt sein, auf dem die Bibelworte aufgeführt sind. Dass die Kirchengemeinde sich für Schilder aus Edelstahl entschieden habe, habe einen einfachen Grund, erzählt Braunmüller. „Stahl ist witterungsbeständig.“ Durch die Behandlung mit Säure wirken sie beinahe, als seien sie aus Holz und fügen sich schön in die Bepflanzung ein.

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