Bei Hartmann-exact wird die Sensoren-Fabrikation entwickelt und getestet. Foto: Stoppel

Hartmann-exact entwickelt und produziert Sensoren und Schalter für die Autoindustrie. Jetzt vergrößert sich das Unternehmen am Entwicklungs-Standort in Schornbach.

Schorndorf - Was beim Zulieferer Hartmann-exact in Schornbach hergestellt wird, kann man wohl nur mit einem Bild erklären. Dem Menschen geben die Nerven ein Gefühl über das Wohlbefinden, im Auto heißt der Bereich Sensorik. In modernen Karossen steckt ein Computer, der seine Fühler in alle Teile des Fahrzeugs ausstrecken muss, um die Vorgänge richtig zu erfassen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Etwa wie ein Cabrio-Verdeck zu steuern ist, welcher Gang eingelegt und wie der Sitz eingestellt ist, übermitteln diese Sensoren – um dem Steuercomputer ein Bild dafür zu geben, wie der Wagen gerade schaltet und waltet.

Wöchentlich 800 000 Schalter

Diese Schalter und Sensoren sind das Hauptgebiet des Zulieferers Hartmann-exact, das am Rande des Schorndorfer Teilorts Schornbach seinen Vertriebs- und Entwicklungsstandort hat, zurzeit seine Firmengebäude erweitert und das Personal um bis zu 80 Entwickler aufstockt. Es ist der Kopf des Unternehmens, das in Rumänien, China und durch ein Schwester-Unternehmen in Mexiko produziert. Alle großen Fahrzeughersteller sowie viele Zulieferer seien Kunden, sagt der Geschäftsführer Dirk Müller. Wöchentlich stelle man an allen Standorten 800 000 Schalter in 600 Varianten her. Technisch beruhen sie auf Mechanik, Elektronik und Magnetismus. „Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die dreidimensionale Magnetfelder mit extremer Genauigkeit messen können – mit eigener Software“, sagt der Entwicklungsleiter Harald Schöpp. Hinzu kommt, dass die Produkte unter extremen Bedingungen funktionieren müssen. Sie sind laut Schöpp „für eine Lebensdauer von eine Million Kilometer und Temperaturen von Minus 40 Grad und plus 150 Grad Celsius ausgelegt“. Die Haltbarkeit der Teile testet man in den Entwicklungslabors auch in Salzbädern und inmitten von Getriebeöl.

Die ersten Mikroschalter mit magnetischem Schnappsystem produzierte Hartmann 1945. Zulieferer im Automobilbereich ist man seit 1966. Die Firma wurde im Jahr 2000 von den Inhabern verkauft. Man sei jedoch ein Familienunternehmen geblieben, heißt es. „Durch unsere mittelständische Struktur können wie freier agieren als manche Abteilungen innerhalb von Konzernen“, so Geschäftsführer Dirk Müller. 200 Mitarbeiter hat Hartmann-exact. Man agiere mit der Swoboda-Gruppe aus Wiggensbach (Landkreis Oberallgäu). Zum Gesamtumsatz von 400 Millionen Euro trage Hartmann gut ein Fünftel bei.

Ein Anbau vor der Haustür

Zurzeit sind bei Hartmann vor der Haustür die Baumaschinen tätig. Gut vier Millionen Euro steckt die Firma in einen Neubau mit gut 1900 Quadratmeter Fläche, wo künftig Vertrieb, Einkauf und Projektmanagement Platz finden soll. Wenn dieser im Mai 2018 fertiggestellt ist, will man bei Hartmann die älteren Gebäude für gut eine Million Euro umbauen, um dort künftig Forschung und Entwicklung zu verankern. Die Firma rührt die Werbetrommel, um Ingenieure zu gewinnen – die Mitarbeiterzahl soll um ein gutes Drittel steigen. In der Region bleibe man gerne, „weil hier die Verzahnung zwischen Firmen und Hochschulen sehr gut ist“, sagt Geschäftsführer Jürgen Hofele.

Seit gut 20 Jahren arbeite er hier, sagt Hofele, es sei bereits die vierte große Veränderung, die er bei Hartmann-exact erlebe. Man schließe nicht aus, künftig auch für andere Industriezweige Sensoren zu entwickeln und zu produzieren, sagt sein Vorstands-Kollege Dirk Müller. Im Moment sei die Autoindustrie „ein Hochvolumengeschäft und unser Hauptbetätigungsfeld“.

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