Im kalifornischen San Jose erproben Daimler und Bosch seit kurzem selbstfahrende Autos. Die Erwartungen an diese Technologie haben sich aber eingetrübt. Foto: Daimler AG - Global Communicatio/Daimler AG - Global Communicatio

In das autonome Fahrzeug setzt die Autobranche neben dem E-Antrieb große Erwartungen. Doch die Euphorie um die Technologie ist abgekühlt – auch wegen der Sicherheit.

Stuttgart - Komplett selbstständig fahrende Autos werden voraussichtlich wesentlich später auf den Markt kommen als bisher vorgesehen. Die Markteinführung stocke, weil die Technologie „anspruchsvoller ist als erwartet“, sage Stefan Kölbl, Chef des Stuttgart Prüfkonzerns Dekra, unserer Zeitung. So sei die Reichweite von Radarsensoren noch zu kurz, um von hinten schnell herannahende Fahrzeuge rechtzeitig zu erkennen. Auch bei der Erfassung von Motorrädern gebe es Mängel, ebenso bei der Alltagstauglichkeit der Sensoren, deren Leistung durch Alterung und Verschmutzung beeinträchtigt werde. Da auch einfache Reparaturen an der Stoßstange die Funktionsfähigkeit ganzer Systeme beeinträchtigten könnten, sei die Technologie nicht einsatzreif.

Markteinführung verschiebt sich

Bereits im November hatte Daimler-Chef Ola Källenius die bisher hohen Erwartungen an die Technologie zurückgenommen und erklärt, es reiche nicht aus, 99,9 Prozent der Situationen zu beherrschen.

Nach Einschätzung des Autoprofessors Stefan Bratzel ist eine Markteinführung nun eher Ende als Mitte der 20er Jahre zu erwarten. Dies liege auch an der schwachen Autokonjunktur und den hohen Investitionen in die Elektromobilität. Die Hersteller könnten das Geld „nur einmal ausgeben“. Allerdings liefen sie nun Gefahr, den Anschluss an Digitalkonzerne wie Google und auch an chinesische Wettbewerber zu verlieren.

Konkurrenz zu Digitalkonzernen

Möglicherweise werde die Qualität der digitalen Dienste für Autos zu einem wichtigeren Kaufkriterium als das Fahrzeug selbst. Die deutschen Hersteller müssten daher aufpassen, nicht zum Karosserielieferanten von Digitalkonzernen degradiert zu werden, die schon jetzt wesentlich weiter seien und angesichts ihrer überlegenen Kapitalkraft hohe Summen investieren könnten.

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