Die Männer von Australiens Gold Squad sehen aus wie echte Sheriffs: Das undatierte Foto zeigt (von links) Detective Senior Constable Gavin Farley, Detective Sergeant Chris King, and Detective Senior Constable Jared Pragnell. Foto: Gold Stealing Detection Unit

Seit 1907 gibt es in Australien die Gold Squad – eine Polizeitruppe, die sich auf die Jagd nach Goldräubern spezialisiert hat. Durch den Edelmetall-Boom arbeitet sie derzeit auf Hochtouren.

Sydney - Je höher der Goldpreis ist, desto größer die Versuchung. Und nachdem der Goldpreis derzeit boomt, ist auch die Versuchung, das begehrte Edelmetall zu stehlen, besonders hoch. Erst vor wenigen Wochen wurde in Australien ein Minenarbeiter auf einem der australischen Goldfelder mit zwei Kilogramm Gold erwischt, die er während der Arbeit mitgehen ließ.

In einem Fall wie diesem kommt die Gold Squad zum Einsatz. Die Gold Stealing Detection Unit (GSDU) ist eine Truppe aus drei bis sechs Polizeibeamten. Offiziell sind sie Teil der westaustralischen Polizei, doch bezahlt werden sie seit 1907 von den australischen Bergbauunternehmen. Die Beamten sind das ganze Jahr über im Westen und im Norden Australiens unterwegs, um dort jede einzelne Goldmine zu inspizieren.

Gold wird in Australien in jeder Form gestohlen

Aufgrund des stark gestiegenen Preises für das Edelmetall sind die Golddetektive heute ähnlich im Stress wie zu ihren Anfangszeiten 1907. Damals wurde so viel Gold gestohlen, dass die Bergbaugesellschaften extra Polizei anforderten. „Der Polizeikommissar sagte damals: ‚Ich gebe Ihnen die Detektive, aber die Bergbaufirmen müssen dafür zahlen‘“, sagte Chris King, der derzeitige Leiter der GSDU, dem australischen Sender ABC. Bis heute halten beide Parteien an dem mehr als hundert Jahre alten Abkommen fest. Die Gold Squad ist der älteste Spezialdienst der australischen Polizei.

Doch genauso wie sich der Goldabbau seit den Anfangstagen verändert hat, haben sich auch die Methoden, wie es gestohlen wird, weiterentwickelt. „Früher wurde Gold in seiner rohen Form gestohlen“, sagte King. „Aber inzwischen hat sich die Art und Weise, wie Gold gewonnen wird, so sehr verändert, dass es viele verschiedene Bereiche gibt, in denen es gestohlen werden kann.“ Es sei schon als Erz direkt aus der Grube gestohlen worden, in roher Form – als Nugget, und selbst während des chemischen Gewinnungsprozesses, wenn es nicht einmal wie Gold aussehen würde. „Für den Durchschnittsmenschen sieht es aus wie schwarzer Schlamm, aber wir sehen es uns an und wissen, dass es goldhaltiges Erz ist.“

Die Golddetektive untersuchen in den Minen aber nicht nur Diebstähle, sondern alles Zweifelhafte, das ihnen ins Auge sticht. „Das kann Golddiebstahl sein, aber auch ein Drogendelikt, Körperverletzung oder Brandstiftung“, sagt King. In den isolierten Minengegenden im Westen Australiens sind die Männer von der Gold Squad der einzige Polizeidienst. Deswegen ist die Arbeit auch nicht ungefährlich. 1926 wurden zwei Golddetektive – Inspektor John Walsh und Sergeant Alexander Pitman – in Kalgoorlie von Dieben ermordet. Kalgoorlie-Boulder, wie die Stadt seit der Zusammenlegung mit der Nachbarstadt Boulder heißt, ist bis heute das Zentrum der Goldförderung. Dort steht auch ein Denkmal für die ermordeten Polizisten.

In Australien herrscht derzeit ein regelrechter Goldrausch

Dort, wo vor 126 Jahren die Goldsucher Paddy Hannan, Thomas Flanagan und Dan Shea zum ersten Mal Gold entdeckten, ist heute die Super Pit, die größte Tagebau-Goldmine Australiens. Die fünf Kilometer breite, 1,5 Kilometer lange und 360 Meter Tiefe Goldmine ist das größte Goldbergwerk des Kontinents und fördert im Tagebau jährlich 28 Tonnen Gold. Die Stadt Coolgardie, 40 Kilometer westlich von Kalgoorlie-Boulder, wurde 1892 als Folge des Goldrausches gegründet. In ihrer Blütezeit lebten hier 15 000 Menschen, heute sind es nur noch 700. Die Haupteinnahmequelle ist heute der Tourismus.

Kalgoorlie-Boulder, etwa 600 Kilometer östlich von Perth gelegen, zieht aber auch Privatleute aus aller Welt an, die auf der Suche nach Gold sind. Erst im Mai machte einer dieser Glücksritter den Fund seines Lebens: Er stieß auf ein 1,4 Kilo schweres Nugget. Dieser Fund, gepaart mit dem derzeitigen hohen Preis, löste einen neuen Goldrausch in Westaustralien aus. Tausende sollen in den vergangenen Monaten ihr Glück versucht haben, denn jeder Fund lohnt sich. Brachte eine Unze Gold um die Jahrtausendwende noch 400 australische Dollar (rund 240 Euro) ein, so sind es inzwischen mehr als 2200 Dollar (1300 Euro).

Im September 2018 hatte das kanadische Bergbauunternehmen Royal Nickel Company (RNC) in einer australischen Mine auf einen Schlag Goldbrocken im Wert von 9,8 Millionen Euro zutage gefördert. Der größte Brocken brachte 95 Kilo auf die Waage und soll allein schon umgerechnet 2,6 Millionen Euro wert sein. Der zweitschwerste Stein wiegt 63 Kilo und wird auf 1,7 Millionen Euro geschätzt. Insgesamt sei der Fund rund 190 Kilo schwer.

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