Herbert Häfele (links) und Sergio Vesely besingen auch den Welzheimer Wald. Foto: Horst Rudel

Der Musiker Sergio Vesely und der Galgenstrick Herbert Häfele besingen die Heimat – auf ihre Weise. Premiere ist am Freitag.

Esslingen - Dass schon ein anderer Mensch auf die Idee gekommen sein könnte, Christian Friedrich Daniel Schubarts Gedicht „Die Forelle“ zu vertonen – das hat sich Sergio Vesely nicht vorstellen können. Die Erkenntnis, dass Franz Schubert daraus eines der bekanntesten deutschen Kunstlieder gemacht hat, verdankt der nun schon seit 1976 in Deutschland lebende chilenische Liedermacher der Zusammenarbeit mit einer Hälfte des Esslinger Kabarett-Duos Die Galgenstricke, Herbert Häfele.

Seit Jahrzehnten verbindet die beiden Künstler eine enge Freundschaft. Immer wieder haben sie in dieser Zeit für Kurzauftritte gemeinsam auf die Bühne gestanden. Doch der seit langem gehegte Wunsch, gemeinsam ein abendfüllendes Programm zu gestalten, geht erst jetzt in Erfüllung: Am Freitag, 30. November, hat „Zurück in die Heimat – eine schwäbisch-chilenische Liederreise“ Premiere im Kabarett der Galgenstricke in der Webergasse 9.

Zwei Jahre in Veselys Mansarde geprobt

Entstanden ist der lyrisch-musikalische Abend ganz ohne Zeitdruck. Zwei Jahre lang haben sich der Sänger und Gitarrist Vesely und Häfele, der ebenfalls singt und Akkordeon spielt, alle zwei Wochen in der Mansarde des Exil-Chilenen getroffen, um mehr oder weniger bekannte Lyrik meist ziemlich bekannter deutscher Dichter zum Thema Heimat mit südamerikanischen Klängen zu verbinden. Erst als das Programm stand, haben sie beschlossen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Projekt klingt spannend – und das ist es auch. Denn die Mischung aus deutscher Heimatlyrik von Eduard Mörike, Karl von Gerok, Friedrich Hölderlin oder Joseph von Eichendorff mit südamerikanischen Rhythmen und Tänzen wie Salsa, La Cucaracha oder einer Milonga sorgt für einen vollkommen neuen Zugang zur Poesie der deutschen Klassiker.

Die Idee für einen solch etwas anderen Heimatabend stammt von Sergio Vesely. Vor rund 20 Jahren hatte er einen Bekannten gebeten, im Deutschen Literaturarchiv in Marbach nach Texten deutscher Dichter zu suchen, die sich allein von ihrer Länge her – die Obergrenze war eine Din-A-4-Seite – für eine Vertonung eignen könnten. Sergio Vesely räumt offen ein, dass er als Chilene zunächst lange gebraucht habe, um in diese heute doch eher eigenwillige anmutende Lyrikwelt einzutauchen. Doch nachdem er seinen Zugang gefunden hatte, lässt sie den heute 66-Jährigen nicht mehr los. Schon 1997 sind die ersten der Lieder entstanden, die nun auch im Heimat-Programm von Häfele und ihm auftauchen.

Heimat ist für beide hier

Und was ist nun Heimat für die beiden? „Hier“, kommt die Antwort schnell und zeitgleich aus beiden Mündern. Allerdings gibt es eben doch ein paar Unterschiede: Während Häfele - er feiert am Premierenabend seinen 63. Geburtstag – rund um Stuttgart groß geworden ist und seine ersten Urlaube im ebenfalls besungenen Welzheimer Wald erlebt hat, trägt Vesely bei aller Verbundenheit mit Esslingen doch auch noch die Geschichten und Lieder seiner Heimat Chile in sich.

Bleibt da noch die Geschichte mit der „Forelle“: In Schuberts Lied hat das Werk nur drei Strophen. Im Original aber habe es vier, sagt Vesely und lacht: „Wir singen sie natürlich alle.“

Karten: Der Premierenabend am 30. November ist bereits ausverkauft. Weitere Abende folgen am 1. Dezember, am 25. und 26. Januar, 16. Februar und 2. März. Karten kann man unter der Telefonnummer 07 11/35 44 44 bestellen.

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