Der Aischbach in Münchingen soll bald weniger durch Betonröhren fließen. Foto: factum/Granville

Mehr Bäume, Stauden und Sträucher: Die Ausgleichsprojekte für den Bau der Münchinger Westumfahrung werden nun vollends umgesetzt. Es gab jahrelange Verzögerungen. Aber nun soll es schnell gehen.

Korntal-Münchingen - Noch in diesem Jahr sollen die restlichen Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Münchinger Westumfahrung umgesetzt werden. Konkret: Auf Flächen am Hühnerberg, rund um den Aischbach oder die Glems wird der Eingriff in die Natur durch den Bau der zweispurigen Straße wiedergutgemacht – mit Projekten für Flora und Fauna. So wird der Aischbach naturnäher und teilweise verlegt, was eines der größten Projekte ist. Der mittlere Aischbach soll nur noch 15 Meter durch Betonröhren fließen statt wie bisher 120 Meter. Am Wasser entstehen artenreiche Wiesen oder es werden Bäume, Stauden und Sträucher gepflanzt. Ähnlich sehen die Pläne entlang der Glems aus.

Es kam zu jahrelangen Verzögerungen

Insgesamt umfasst der Ausgleich eine Fläche von 15 Hektar auf gut 60 Grundstücken. Seit der Fertigstellung der Westumfahrung vor 19 Jahren hat das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart aber nur zwei Hektar verwirklicht – die Behörde war und ist als sogenannter Baulastträger für Planung, Bau, Betrieb und Unterhaltung der Westumfahrung ebenso zuständig wie für die Ausgleichsprojekte.

Für die Verzögerung waren Personalwechsel verantwortlich, heißt es beim Regierungspräsidium. Zudem habe es in Stuttgart einen internen Wechsel der Zuständigkeiten gegeben. Nach erneuten Gesprächen mit allen Beteiligten habe sich gezeigt, dass man die Planungen aufgrund neuer Vorgaben anpassen müsse. Dies sei nun erfolgt. „Sobald die Grundstücke zur Verfügung stehen, werden die Arbeiten ausgeschrieben und ausgeführt“, teilte eine Sprecherin mit. Den Pächtern sei bereits gekündigt worden.

In drei Jahren ist die Stadt am Zug

Das RP kümmert sich jedoch nur drei Jahre lang um den Ausgleich, denn es hat mit Korntal-Münchingen eine Vereinbarung getroffen: Demnach pflegt die Stadt danach Bäume und Co. selbst. Entweder sie verpachtet die Flächen im Außenbereich – oder der städtische Bauhof oder ein externer Betrieb kümmern sich um Pflege und Schnitt. In letzteren beiden Fällen könnten für die Stadt Kosten in sechsstelliger Höhe anfallen. Hinzu kommen die Kosten für das Personal, das die 15 Hektar Fläche verwaltet. Derlei Kapazitäten gibt es beim Sachgebiet Umwelt-, Klima- und Naturschutz aber keine. Vorigen Dezember hat es der Gemeinderat abgelehnt, eine ökologische Fachkraft mit einem Stellenanteil von 50 Prozent einzustellen.

Umfahrung entlastet Münchinger Ortsmitte

Die Westumfahrung von 3,7 Kilometern Länge kostete 12,4 Millionen Euro. Im Räuschelbachtal verläuft eine 300 Meter lange Talbrücke. Dort war im März 2001 der Spatenstich. Freie Fahrt herrscht seit Anfang März 2005, vollends beendet waren die Bauarbeiten ein halbes Jahr später. Mit der Trasse sollte sich der Verkehr im Münchinger Ortskern um rund 70 Prozent reduzieren. Dessen Entlastung, sagt eine Sprecherin der Stadt, sei „sehr deutlich“: Ohne die Trasse müsste sich ein hoher Anteil der Fahrzeuge, die jene nutzen, weiter durch Münchingen quälen.

Täglich nutzen die Umgehung bis zu 16 500 Fahrzeuge, davon bis zu 1500 Schwerlaster. Das zeigt das aktuelle Verkehrsgutachten der Stadt. Und auch: Auf der Hauptstraße rollen täglich bis zu 6300 Fahrzeuge, auf der Stuttgarter Straße bis zu 10 200. Vor dem Bau der Westumfahrung brausten jeden Tag mehr als 20 000 Autos und Laster durch den Ortskern.

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