Im Gespräch mit Nicole Hoffmeister-Kraut: Selen Aydin Foto: factum/Jürgen Bach

Die Wirtschaftsministerin lernt im Breuningerland die Auszubildende Selen Aydin kennen – und ihren Bildungsweg. Dieser wirft ein gutes Licht auf die von der Landesregierung geförderte Ausbildungsvorbereitung.

Ludwigsburg - Mit 15 hatte Selen Aydin keinen Plan, was sie werden wollte. „Eine Ausbildung habe ich mir nicht zugetraut“, stellt die junge Frau rückblickend fest. Nicht eine Bewerbung habe sie nach Abschluss der Werkrealschule losgeschickt, sagt sie. Sie habe sich dafür „nicht reif gefühlt“. Drei Jahre später ist von Unsicherheit nichts zu spüren.

Am Donnerstag steht die 18-Jährige mit einem Mikrofon in der Hand konzentriert neben der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und ihrem Personalchef Jan Hellmann, um in einem kurzen Referat zu berichten, wie sie ihren beruflichen Weg gefunden hat. Seit einem Jahr macht die Ludwigsburgerin bei Breuninger im Breuningerland eine Ausbildung zur Verkäuferin. Die CDU-Politikerin ist von der jungen Frau schwer beeindruckt: „Sie werden Ihren Weg machen“, ist sie am Ende der Präsentation der Auszubildenden überzeugt.

Kombination aus Unterricht und Praktika

Die Wirtschaftsministerin ist an diesem Tag in Stuttgart, Leonberg und Ludwigsburg unterwegs, um über Aus- und Fortbildung zu sprechen. Bei Breuninger macht sie das auf der Dachterrasse des Restaurants. Von Selen Aydin ist Hoffmeister-Kraut sogar doppelt beeindruckt: Zum einem ist sie das wegen der deutlich gesprochenen Sätze und des Muts, sich neben ihr dem Publikum zu stellen. Zum anderen, weil die Auszubildende wohl der Beweis ist, dass das Förderprogramm AVdual der Landesregierungzu funktionieren scheint. „AV“ steht für Ausbildungsvorbereitung. „Dual“ weist darauf hin, dass die Vorbereitung aus einer Kombination von Unterricht und beruflichen Praktika besteht. „Beides dient als Sprungbrett in eine Ausbildung“, sagt die Ministerin.

Aydin hat ihren Abschluss in der Ludwigsburger Hirschbergschule mit einen Notenschnitt von 2,3 gemacht. Weil sie so gar nicht wusste, wie ihr nächster Schritt aussehen sollte, entschloss sie sich zu einem AVdual-Jahr in der Mathilde-Planck-Schule. „Ich wollte auch meine schulischen Leistungen weiter verbessern“, erklärt sie, warum sie zurück an die Schulbank wollte und nicht hinein ins Arbeitsleben.

Sozialpädagogen betreuen die Schüler

Im Unterricht machen Pädagogen die jungen Leute fit für eine Ausbildung. Sie gleichen Bildungsdefizite aus und helfen bei der beruflichen Orientierung. Neben Lehrern betreuen zusätzlich vom Land finanzierte Sozialpädagogen die Schüler. „Der Coach war für mich besonders wichtig“, sagt die AVdual-Absolventin. Er löste mit ihr die individuellen Probleme. Der Betreuer habe ihr die Unsicherheit genommen, in der Ausbildung scheitern zu können. Wie sich Ausbildung anfühlt, testete sie während der Praktika. „Auf Breuninger bin ich gekommen, weil ich dort oft eingekauft habe. Und die Verkäufer mich immer sehr nett zur Kasse begleitet haben.“ Das beeindruckte sie nachhaltig. Die Ministerin hatte zuvor erläutert, dass „über zwei Drittel der Jugendlichen, die eine Ausbildung aufnehmen, dies in einem Betrieb tun, in dem sie zuvor ein Praktikum absolviert haben“.

Ein gelegentlicher Blick auf ein IPad half Aydin bei ihrer Rede. Das Tablet hat sie wie alle weiteren rund 40 Auszubildenden von Breuninger zum Start erhalten. Wer am Ende eine gute Prüfung hinlegt, darf das Gerät behalten. „Wir haben das bei diesem Jahrgang zum ersten Mal gemacht“, sagt der Personalleiter Hellmann. Und es sei eine Art Vorsehung gewesen: Während die Läden wegen der Pandemie-Auflagen geschlossen waren, sei die Ausbildung direkt online weitergegangen.

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