Für die ISA ein Aufreger: US-Vize-Admiral Richard Gallagher (links) beim Fassanstich des Kinder- und Heimatfests 2008. Foto: Alexandra Kratz

Kristin Wedekind vom Verein ISA hat den Heimatring aufgefordert, keine Eucom-Vertreter mehr zu Veranstaltungen einzuladen. Nur wenige Mitglieder des Heimatrings ließen sich überzeugen – der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Vaihingen - Soldaten der Patch Barracks sollen nicht mehr zum Kinder- und Heimatfest in Vaihingen eingeladen werden. Das fordert Kristin Wedekind, die Vorsitzende der Initiative Schönes, Attraktives Vaihingen (ISA) und Bezirksbeirätin der Grünen. Solange nicht ohne Zweifel feststehe, ob das Eucom, das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa, am amerikanischen Krieg gegen den Terror beteiligt sei, wolle sie keine Vertreter zu dem Stadtfest oder anderen öffentlichen Veranstaltungen einladen. „Solches Handeln sollte in unserem Sozialwesen nicht stillschweigend toleriert werden“, schreibt die ISA-Vorsitzende. Das Anliegen trug sie bei der Mitgliederversammlung des Heimatringes, dem Dachverband der Vaihinger Vereine, am Dienstagabend vor.

Wedekind: Das entspricht nicht dem Völkerrecht

Für Wedekind ist es nicht hinnehmbar, dass das Eucom möglicherweise von Vaihingen aus Angriffe in anderen Ländern lenkt – Länder mit denen offiziell kein Krieg geführt wird. Sie spielt auf Berichte aus dem vergangenen Jahr an, nach denen Drohnenangriffe des US-Militärs von Stuttgart aus ferngesteuert werden. „Das entspricht nicht dem Völkerrecht“, sagt Wedekind. Verschiedene Medien befassten sich damals mit dem Thema. Seitdem ist bekannt, dass das Eucom und auch die NSA ihr Europahauptquartier in den Patch Barracks haben. Von dort gibt es keine Hinweise auf Angriffe. Das US-Afrikakommando soll die Drohnenangriffe in Afrika steuern. Es befindet sich aber nicht in Vaihingen, sondern in den Möhringer Kelley Barracks .

Schon im Dezember hatte Wedekind bei der Sitzung des Vaihinger Bezirksbeirats gefordert, Angehörige des Eucom so lange nicht mehr zum Heimatfest einzuladen, bis die Vorwurfe geklärt seien. Der Vorstoß bei der Mitgliederversammlung des Heimatrings fand wenig positive Resonanz. „Ich finde es eine Unverschämtheit, so einen Antrag einzubringen“, empörte sich Heinrich Sattur von der Schützengilde Vaihingen. Der Heimatring sei kein politisches Gremium. Ein Ausschluss der Amerikaner würde bedeuten, deren Kinder in Sippenhaft zu nehmen, sagte Sattur. Auch Jürgen Sauer, CDU-Betreuungsstadtrat und Präsident des SV Vaihingen, sprach sich dafür aus, die Soldaten nicht auszuschließen. „Der Heimatring soll integrieren und nicht ausgrenzen“, sagte er: „Und die Amerikaner gehören auch dazu.“ Er betonte wie Sattur, dass der Heimatring kein Ort für einen politischen Antrag sei.

Bezirksvorsteher: Ansprache war nicht politisch

Gerhard Wick, der Vize-Vorsitzende der ISA und Bezirksbeirat der Fraktion SÖS und Linke, erinnerte an das Kinder- und Heimatfest 2008. Damals habe ein US-Admiral in Uniform eine Rede gehalten. „Wenn ein Admiral spricht, dann ist das politisch“, so Wick. Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt, zugleich Präsident des Heimatrings, wiegelte ab. Es seien nur einmal amerikanische Gäste da gewesen. Der Vize-Admiral Richard Gallagher war zum Fassanstich gekommen, habe danach ein Grußwort gesprochen und sei dann wieder gegangen. Der Anlass von Gallaghers Besuch war das Gedenken an die US-Luftbrücke. Damals sagte der Vize-Admiral zu den anwesenden Kindern: „Heute steht ihr hier im Mittelpunkt.“ Meinhardt erinnert sich noch an das Gesprochene: „Von einer politischen Ansprache kann keine Rede sein.“

Als Zivilpersonen sollten die Amerikaner – Erwachsene und Kinder – weiterhin eingeladen werden, so Wedekind. Soldaten in Uniform möchten sie und Wick aber nicht mehr auf den Festen des Heimatrings sehen. Denn auch sie berufen sich darauf, dass der Heimatring nicht politisch ausgerichtet sei. „Ein Repräsentant in Uniform ist gleichzusetzen mit Politik“, sagte Wick.

Bei der auf die Diskussion folgenden Abstimmung konnten sich die beiden mit ihren Argumenten nicht durchsetzen. Es stimmten nur drei Mitglieder – einschließlich Wedekind und Wick – dafür, keine Soldaten mehr zu den Veranstaltungen des Heimatrings einzuladen. Vier enthielten sich. Der Rest der fast 60 Versammlungsteilnehmer stimmte dagegen.

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