Der Ausblick von Voith-Chef Hubert Lienhard fällt positiv aus: Voith geht seinen Worten zu Folge gestärkt ins Jubiläumsjahr 2017, das Jahr des 150-jährigen Bestehens des Unternehmens, das zugleich den Startpunkt einer neuen Wachstumsphase im Konzern markieren soll. Foto: Voith GmbH

Der Anlagenbauer, der im nächsten Jahr 150-jähriges Bestehen feiert, macht Dampf bei der Entwicklung digitaler Produkte und will dafür binnen zwei Jahren 100 Millionen Euro investieren.

Stuttgart - Nach einem mehrjährigen Konzernumbau, der tausende Arbeitsplätze gekostet hat, will der Heidenheimer Voith-Konzern wieder durchstarten. „Wir gehen gut gerüstet in unser Jubiläumsjahr“, sagte Voith-Chef Hubert Lienhard mit Blick aufs Jahr 2017, das eine neue Wachstumsphase markieren soll. Viel verspricht er sich von der Digitalisierung. „Wir wollen existierende Produkte wie Getriebe, Wasserkraftwerke und Papiermaschinen digital so ergänzen, dass alle Teile miteinander kommunizieren können und die Kunden einen Mehrwert haben.“ Neben der Verbesserung bestehender Produkte sollen auch neue entwickelt und gleichzeitig neue Märkte erschlossen werden. Gebündelt werden die IT- , Automatisierungs-, Software- und Sensorikaktivitäten in dem Anfang April neu geschaffenen Geschäftsbereich Digital Solutions (digitale Lösungen), in dem mittlerweile rund 1500 Mitarbeiter zusammengezogen wurden und der im laufenden Jahr für knapp 400 Millionen Euro Umsatz steht. Binnen zwei Jahren will Voith rund 100 Millionen in die Entwicklung digitaler Produkte investieren.

Elektronisches Ohr fürs Wasserkraftwerk

Derzeit laufen über 20 Entwicklungsprojekte. So hat Voith beispielsweise ein elektronisches Ohr entwickelt, bei dem akustische Sensoren Geräusche filtern und Probleme im Wasserkraftwerk erkennen, bevor die Turbine still steht. „Sie müssen sich das etwa so vorstellen wie bei einem erfahrenen Inbetriebnehmer. Wenn der ins Wasserkraftwerk kommt, kann der schon hören, in welchem Zustand das ist“, sagte Lienhard bei der Jahrespressekonferenz in Stuttgart. „Wir haben die erste industrielle Revolution maßgeblich mitgestaltet, den gleichen Anspruch haben wir für die Vierte“, sagte er mit Blick auf das Zukunftsfeld Digitalisierung.

Den Konzernumbau sieht Lienhard als „erfolgreich abgeschlossen“ an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16, das am 30. September endete, hat das Heidenheimer Unternehmen seine Verluste hinter sich gelassen. Nach Steuern kam ein Gewinn von 29 Millionen Euro heraus, im Vorjahr waren es noch 93 Millionen Euro Verlust. Der Umsatz blieb mit 4,25 Milliarden Euro nahezu stabil (Vorjahr: 4,3 Milliarden Euro).

Kurzarbeit am Standort Crailsheim als Beschäftigungsbrücke

Der Konzern hatte ein 230 Millionen schweres Umstrukturierungsprogramm aufgelegt, das jährlich rund 250 Millionen Euro Einsparungen bringen soll. Dabei wurden Stellen gestrichen, mehrere Standorte geschlossen und das Geschäft mit Industriedienstleistungen mit gut 18 000 Mitarbeitern verkauft. Das Programm trage Früchte. „Voith ist nun für künftiges Wachstum aufgestellt“, sagte Lienhard. Mit den drei angestammten Konzernbereichen Wasserkraftwerke (Voith Hydro), Papiermaschinen (Voith Paper) und Antriebskomponenten – egal ob in Bergwerken, in der Schifffahrt oder bei Windkraft (Voith Turbo) – zeigte sich Lienhard zufrieden, wenngleich die Lage nicht überall rosig sei. So gab es beispielsweise kaum noch Aufträge aus China für Schienenfahrzeuge, gleichzeitig belastete der Rückgang der Investitionen im Rohstoff- sowie im Öl- und Gasmarkt. Das sei aber generell ein zyklisches Geschäft, sagte Lienhard. Am Standort Crailsheim beispielsweise wurde mit den Arbeitnehmervertretern Kurzarbeit vereinbart – als Beschäftigungsbrücke, um das Personal zu halten. „Das kostet uns ein Prozent Profitabilität, aber wir reiten den Zyklus durch und sind hinterher wieder mit voller Kraft unterwegs“, so der Voith-Chef. Insgesamt hat sich das operative Ergebnis im Kerngeschäft um 18 Prozent auf 295 Millionen Euro verbessert.

Für das laufende Jahr rechnet Lienhard mit einem Umsatz auf Vorjahreshöhe und einem positiven Ergebnis. Mit dem Verkauf der Anteile am Augsburger Roboterbauer Kuka an den chinesischen Midea-Konzern sei wohl im ersten Quartal zu rechnen. Das dürfte Voith fast 1,2 Milliarden Euro in die Kasse bringen – 600 Millionen davon will man zur Rückzahlung einer Anleihe verwenden, der Rest soll investiert oder für Zukäufe verwendet werden. Beschäftigt sind im Konzern 19 098 Mitarbeiter, im Jahr zuvor waren es noch 20 223 Mitarbeiter.

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