Anderson Machado. Ein Vertreter des Stammes der Guaraní-Kaiowá vor dem Land seiner Vorfahren. Wo einst Urwald war, wird heute Soja angebaut. Foto: Werner Rudhart (z)

Abgeholzte Urwälder und vertriebene Ureinwohner: Der Film „Agrokalypse – Der Tag an dem das Gensoja kam“ verfolgt den Weg des Getreides von der Produktion in Brasilien bis in den Trog heimischer Nutztiere. Am 5. Oktober wird er im Bürgerhaus gezeigt. Auch der Regisseur Marco Keller wird dabei sein.

Botnang - Der Tag, an dem das Gensoja kam, war für die indigene Bevölkerung im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul ein düsterer. Seit Jahrzehnten erleben sie Vertreibung und Enteignung sowie die ungebremste Abholzung der Urwälder durch Sojafarmer. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Der Freiburger Regisseur Marco Keller verfolgt die Entwicklung seit fast 20 Jahren – auch mit der Kamera. In seinem Dokumentarfilm „Agrokalypse“ erzählt er jedoch nicht nur eine Tragödie, die weit weg von uns geschieht. Er zeigt auch, was das Gensoja mit uns zu tun hat. Am Donnerstag, 5. Oktober, ist der Film um 19 Uhr im Bürgerhaus in Botnang zu sehen.

„Eine große Frage ist immer, inwieweit Gensoja uns in Deutschland betrifft“, sagt Marco Keller. Die Antwort auf diese und viele andere Fragen schüttelt der Filmemacher aus dem Ärmel. Häufig wird er zu Diskussionsrunden eingeladen. Auch in Botnang ist er am Donnerstag dabei. Dann wird er den Menschen einmal mehr erklären, wie viel Gen-Soja in den Futtertrog heimischer Tiere gelangt, dass nämlich bis zu zwölf Kilogramm Soja oder Getreide verfüttert werden müssen, um daraus ein Kilogramm Fleisch zu gewinnen. Und dass so gentechnisch verändertes Soja, das mit Spritz- und Düngemitteln behandelt wird, indirekt auch in tierische Lebensmittel gelangt. „Die Menschen sind immer erstaunt, dass uns das über andere Produkte untergejubelt wird“, sagt Keller.

Urwald weicht Soja-Plantagen

Der Film zeigt zudem auf, wie wichtig Brasilien – als einer der größten Sojaproduzenten der Welt – für Agrar- und Biotech-Riesen wie beispielsweise Cargill, Syngenta oder Monsanto ist. Denn an dem Milliardengeschäft verdienen nicht etwa nur die Landwirte, sondern vor allem Großkonzerne, die neben dem Saatgut auch die dazugehörigen Herbizide gleich mitproduzieren. Dass es in einem solchen Geschäft auch Leidtragende gibt, zeigt Keller anhand des Schauplatzes seines Dokumentarfilms. Der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso do Sul ist von der Fläche so groß wie Deutschland, jedoch ist er sehr dünn besiedelt. Der Bundesstaat ist zu großen Teilen von Sumpfgebieten und Urwald bedeckt. Seit jeher war der Urwald Lebensort brasilianischer Ureinwohner: der Guarani-Kaiowá. Doch wo einst unberührte Natur war, zeigt der Film nun Bilder scheinbar nicht enden wollender Felder trister Soja-Monokulturen. Anstatt in den Wäldern, leben die vertriebenen Guaraní-Kaiowá in staatlichen Reservaten und provisorisch errichteten Elendsvierteln.

Schwer, an Informationen von Konzernen zu kommen

In der konfliktgeladenen Region ist die Landnahme zu großen Teilen illegal, ebenso wie die Abholzung. Nicht selten kommt es zu Toten aufseiten von Ureinwohnern und Aktivisten. „Dort geht es zu, wie im wilden Westen. Als Journalist ist es daher schwer, Zugang zu bekommen“, sagt Keller. Doch der Freiburger verfügt über gute Kontakte, beschäftigt er sich doch schon seit fast zwei Jahrzehnten mit der Abholzung von Brasiliens Urwald. In seinem Film „Kahlschlag – Der Kampf um Brasiliens letzte Wälder“ thematisierte er bereits 2012 die Auswirkungen einer intensiven Landwirtschaft auf die Ureinwohner Brasiliens. „Weitaus schwieriger war es, an Informationen von Konzernen heranzukommen. Die haben alle die Türen zu gemacht“, sagt er. Einblicke habe ihm schließlich ein lokaler Konzern gegeben. „Das hat mir sehr geholfen“, betont er, denn so konnte Keller unter anderem recherchieren, wie die Unternehmen vernetzt sind.

Sein Fazit nach all den Jahren fällt eher durchwachsen aus. „Ich glaube, dass ich den Filmtitel gut getroffen habe, denn ich sehe aktuell keine positive Entwicklung“, sagt Keller. Doch der Film zeigt auch auf, wie es anders geht. „Wir können sehr viel tun, denn es ist auch ein Konsumententhema“, betont er. Welche Bedeutung Regionales und Bio hat und welche anderen Hebel es gibt, darüber können die Besucher der Veranstaltung mit dem Filmemacher nach der Vorführung diskutieren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: