Äffle, Pferdle und in der Mitte: ein Wölfle. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wenn Äffle und Pferdle auf Wölfle treffen, wird’s ernst. Doch vielleicht kann Gerlinde Kretschmann in dem Streitfall vermitteln, meint Lokalchef Holger Gayer in seiner Wochenendkolumne.

Stuttgart - Falls es eines Beweises bedurft hätte, dass die Briten ihre Handtücher einpacken können, dann hat eine Mama ihn am vorigen Wochenende erbracht. Im Wettbewerb um die trickreichste Reservierung der besten Plätze hat sie das schwäbische Platzhalterprinzip perfektioniert. Getarnt als Einzelperson stand sie beim Kinder- und Jugendfestival in der Schlange zur Seilbahn über den Eckensee. Als sie an der Reihe war, winkte sie nicht nur ihr eigenes Kind heran, sondern eine ganze Geburtstagsgesellschaft. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie giftig die Warteschlange hinter ihr reagierte – und wie bissig die Mama ihre Brut verteidigte. Vettel und Hamilton sind Waisenknaben dagegen.

Vielleicht hülfe den Hiesigen eine Spur Gelassenheit, um das Leben leichter zu nehmen. Gerade in Zeiten, da wir jeden Feinstaubkrümel zweimal umdrehen, könnte ein Hauch von Großzügigkeit nicht schaden. Selbst die versiertesten Dickbrettbohrer sollten sich nicht ausschließlich mit Baustellen und schlechter Luft, Staus auf den Straßen oder verspäteten Bahnen beschäftigen, während draußen die Sonne scheint. Und ein Augenzwinkern bewirkt bisweilen mehr als der Hinweis auf die einschlägigen Paragrafen.

Wölfle – der ablehnende Sympathisant

Aufgerufen wird in diesem Zusammenhang der Fall von Äffle und Pferdle. Die Hintermänner der beiden, Volker Lang und Heiko Volz, wünschen sich eine Fußgängerampel in Stuttgart, die statt der üblichen Männchen die schwäbischen Kulttiere zeigt. In einer Petition haben sie 12 201 Unterschriften für ihr Ansinnen gesammelt. Und auch der grüne Bürgermeister Werner Wölfle, dem Lang und Volz die Unterstützerlisten überreicht haben, bekannte sich als Sympathisant des Vorhabens. Trotzdem könne er dem Antrag nicht stattgeben. Juristische Haftungsfragen im Schadensfall stünden dem entgegen.

In Mainz und Augsburg, wo Mainzelmännchen und der Kasper aus der Puppenkiste an einer Ampel Dienst tun, lachen sie sich wahrscheinlich noch in hundert Jahren über die sich selbst im Weg stehenden Schwaben kaputt. Aber dann hat der strenge Herr Wölfle doch noch gesagt, dass er sich für Äffle und Pferdle einsetzen will. Zumindest hat er zugesichert, dass er erneut in die Richtlinien für Lichtsignalanlagen (kurz RiLSA) schaut, um zu prüfen, was geht. Immerhin.

Die Hoffnung ruht auf Gerlinde Kretschmann

Empfehlenswert wäre auch ein Gespräch mit seiner Parteifreundin Gerlinde Kretschmann. Die hat sich dieser Tage nicht nur als Fan von Äffle und Pferdle geoutet, sondern auch gleich einen Dialog der beiden mit eingesprochen. Anschließend hat sie festgestellt, dass das Pferdle sie an ihren Mann erinnert.

Dann braucht’s jetzt nur noch ein Äffle für den Wölfle.

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