Isabell Hoffmann trainiert mit einer sogenannten Faszienrolle. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In diesem Jahr wird die Volkshochschule (VHS) Treffpunkt Rotebühlplatz 25 Jahre alt. In loser Folge stellen wir außergewöhnliche Kurse und ihre Teilnehmer vor. Eine von ihnen ist Isabell Hoffmann, die einen Faszienkurs für sich entdeckt hat.

Stuttgart - In diesem Jahr wird die Volkshochschule (VHS) Treffpunkt Rotebühlplatz 25 Jahre alt. In loser Folge stellen wir außergewöhnliche Kurse und ihre Teilnehmer vor. Eine von ihnen ist Isabell Hoffmann, die einen Faszienkurs für sich entdeckt hat.

Isabell Hoffmann scheint kurz über dem Boden zu schweben. Ihre aufgestützten Unterarme und eine Schaumstoffrolle unter den Oberschenkeln halten ihren Körper in der Horizontalen. Langsam schiebt sich die 32-Jährige vor und zurück. Dann dreht sie sich auf die Seite und rollt auf der Taille über die Matte. Wenn sie einen Punkt erreicht, an dem es unangenehm wird, bleibt sie auf diesem und rollt zentimeterweise vor und zurück. Hier sitzen die Faszien, die hin und wieder verklebt sind. Das kann schmerzhaft sein – muss es aber nicht.

„Für mich fühlt sich das eher wie eine Ganzkörpermassage an, ich finde den Kurs total genial“, sagt Isabell Hoffmann, die zuhause auch einen Crosstrainer stehen hat. Aber in der Gruppe machte es mehr Spaß. Immer donnerstags triff sie sich im Gymnastikraum am Rotebühlplatz gemeinsam mit weiteren Begeisterten.

Die Übungen sollen Verklebungen im Bindegewebe lösen

Doch was sind diese Faszien überhaupt? Der Körper ist durchzogen von einem Netzwerk an elastischem Bindegewebe, das man auch Faszien nennt. Sie umschließen Muskeln, Nerven, Knochen, Gelenke und auch Organe. Inzwischen ist dieses aus Zellen, Kollagenfasern und Wasser bestehendes Hüllgewebe für Mediziner und Sportler gleichermaßen interessant geworden. Mittlerweile weiß man nämlich, dass in den Faszien viele Nerven und Rezeptoren liegen, die Schmerz auslösen können. Das Training mit der Faszienrolle soll deshalb Verklebungen im Bindegewebe lösen und die Muskeln leistungsfähiger machen. Wenn man drüber rollt, presst man die Fasern aus. Wenn man weggeht, kann die Flüssigkeit wieder einströmen. Die Dehnübungen davor ähneln denen aus Yoga- oder Pilateskursen. Zudem werden Gleichgewicht und Koordination geschult. „Wir machen Bewegungen, die man im Alltag nicht macht, und wenn es knackt und knirscht, kann man mit der Rolle gezielt nacharbeiten“, erzählt Hoffmann. Es ist konditionell nicht anstrengend, man kommt kaum ins Schwitzen und jeder Teilnehmer bestimmt sein eigenes Level. Mit einfachen Hilfsmittel wie einem Tennisball kann man auch Zuhause üben. „Unsere Leiterin denkt sich immer wieder neue Sachen aus und sagt auch immer, wenn’s zu sehr weh tut, soll man aufhören“, sagt Hoffmann, die seit vier Jahren in Stuttgart lebt.

Die VHS will das Angebot ausbauen

Das klingt nach einem guten Einstieg für alle, die sich zuvor nur wenig sportlich betätigt haben. Isabell Hoffmann, die in einer Personalabteilung arbeitet, tauchte bei einem Gesundheitstag ihrer Firma in die Welt der Faszien ein und war froh, dass die VHS erstmals diesen Kurs angeboten hat. Es ist ein Ausgleich zum Bürojob und auch eine andere Herausforderung als der Bauch-Beine-Po-Kurs, den sie auch noch besucht. Wenn die 15 Einheiten im Februar enden, will sie in jedem Fall weitermachen. Der Andrang auf den Kurs war im Vorfeld so groß, dass die VHS das Angebot ausbauen will. Sie scheint damit nicht nur bei Isabell Hoffmann den richtigen Nerv getroffen zu haben bei diesem elastischen Vergnügen.

Eine Wundertherapie ist das Bearbeiten des Bindegewebes natürlich nicht. Aber wer regelmäßig an seinen Faszien arbeitet, der wird auf Dauer geschmeidiger, schmerzfreier und leistungsfähiger. Wohlfühlmassage inklusive.

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