Ein Bild aus früheren Tagen: Männer bei einem VHS-Korbflechtkurs im Jahre 1932. Foto: VHS/vhs stuttgart

Für eine 100-Jährige präsentiert sie sich bemerkenswert unternehmungslustig und zukunftsgewandt: die Volkshochschule Stuttgart.

Stuttgart - In Anlehnung an einen berühmten Buchtitel aus Schweden kann man über die Stuttgarter Volkshochschule (VHS) sagen: Die 100-Jährige, die aus dem Fenster steigt und in der Stadt ausschwärmt. Vergangene Woche präsentierte sich die VHS mit einem Stand im Gerber. Am 9. Oktober veranstaltet sie einen Festakt im Neuen Schloss. Und für diesen Freitagabend lädt sie, unterstützt von der Robert-Bosch-Stiftung, von 18 bis 24 Uhr zu einer langen Nacht an ihren Sitz am Rotebühlplatz ein.

Dort will sie zeigen, was sie alles anzubieten hat. Zum Beispiel Zehn-Euro-Gutscheine für all diejenigen, die sich an diesem Abend für einen VHS-Kurs entscheiden. Dazu gibt’s Musik und Tanz und eine Schnitzeljagd über die vier Etagen des Gebäudes. Alternativ kann man in der Krimi-Nacht auf Mördersuche gehen, mehrsprachige Spiele spielen, gemeinsam kochen oder beim Karaoke ein Lied in seiner Lieblingssprache singen. Interessant auch die Ausstellungen: Programmhefte und Postkarten aus 100 Jahren VHS-Geschichte und „schwäbisch- schrullig-sympathische“ Stuttgart-Bilder, an der Kreative der Behinderteneinrichtung BHZ mitgewirkt haben. Den Ausklang bildet eine Party in der hauseigenen inklusiven Gastronomie Rudolfs.

Der Auftrag: allen Menschen Wissen zugänglich machen

Ganz schön dynamisch für eine Einrichtung, die 100 Jahre auf dem Buckel hat. Tatsächlich zeigt die 1919 von dem Industrie-Pionier Robert Bosch und dem christlichen Gewerkschafter Theodor Bäuerle gegründete Volkshochschule Stuttgart keine Verschleißerscheinungen. Im Verein mit rund 400 anderen Volkshochschulen in Deutschland, die zeitgleich eine lange Nacht veranstalten, präsentiert sie sich selbstbewusst. Zurücklehnen ist nicht. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit will die VHS unter ihrer Leiterin Dagmar Mikasch-Köthner sogar noch einen Zahn zulegen. Man sucht nach Wegen, um mehr Menschen für die Angebote der Erwachsenenbildung zu interessieren, vor allem aus bildungsfernen Schichten. 60 000 Personen haben im vergangenen Jahr Kurse belegt – etwa zehn Prozent der Stuttgarter Stadtbevölkerung. Man könnte auch sagen: 90 Prozent haben es nicht. Berücksichtigt man sämtliche VHS-Veranstaltungen, also auch Vorträge, Deutschkurse oder Beratungsangebote, kommt man immerhin auf rund 200 000 Teilnehmer.

Die Zahlen liegen stabil, gleichwohl ist die VHS um eine Steigerung bemüht – entsprechend des Auftrags, der am Anfang der Volkshochschulbewegung stand und heute unverändert gilt: allen Menschen Wissen zugänglich zu machen.

Die VHS debattiert über Zukunftsfragen

Für das am Montag startende neue Semester, überhaupt für die Zukunft hat sich die Stuttgarter Volkshochschule viel vorgenommen. Das Angebot ist groß und digitaler denn je. Dafür steht auch die neue Bereichsleiterin für Programmentwicklung und Digitales Lernen, Barbara Brodt-Geiger. Rund 3000 Veranstaltungen stehen im neuen VHS-Programm. Klassiker wie Sprachen sind dabei, genauso neue Kurse wie Kochen für Klimaschützer oder Hot Iron Aerobic für Männer.

Die gute alte VHS richtet den Blick in die Zukunft. „Anlässlich des Jubiläums haben wir bewusst Themen in den Fokus gestellt, die sich mit Zukunftsfragen beschäftigen, aktuelle gesellschaftliche Herausforderung aufgreifen“, betont Dagmar Mikasch-Köthner. Dafür steht vom 24. Oktober an die neue Reihe „VHS Zukunftsdialog – in welcher Zukunft wollen wir leben?“. Eine Plattform, auf der Themen wie Mobilität, Klimaschutz und Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden sollen.

In die Zukunft gerichtet ist auch eine neue Veranstaltungsreihe zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts vom 18. bis 30. November und ein „Marktplatz Inklusion“ am 16. Oktober, an dem auch die Ferry-Porsche-Stiftung mitwirkt. Dieses Angebot ist der VHS-Direktorin besonders wichtig: „Wir wollen Inklusion transparent machen und aufzeigen, welche Möglichkeiten es zur Teilhabe gibt.“

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